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Ampelregierung will Erlernen von Abtreibungen für Medizinstudenten verbindlich machen

Ministerien haben sich auf eine Reform der Approbationsordnung für Ärzte verständigt – ALfA-Chefin nennt Vorhaben „verwerflich“.
Gegendemonstranten beim Marsch für das Leben in Köln
Foto: IMAGO/Guido Schiefer (www.imago-images.de) | Gegendemonstranten beim Marsch für das Leben in Köln am vergangenen Wochenende.

Das Erlernen vorgeburtlicher Kindstötungen soll verpflichteter Bestandteil des Medizinstudiums werden. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Antwort der Bundesregierung (Bundestagsdrucksache 20/8327) auf eine „Kleine Anfrage“ der Linksfraktion hervor. Darin teilt die Ampelregierung schriftlich mit, die Bundesministerien für Gesundheit (BMG) und für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hätten sich darauf verständigt, dass der „Schwangerschaftsabbruch“ über die Lernziele des „Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin“ (NKLM) „Eingang in das Medizinstudium finden soll“. Der Entwurf zur Reform der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO) sähe überdies vor, „dass medizinische, rechtliche und ethische Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs Gegenstand des klinischen Prüfungsstoffs in allen drei Abschnitten der ärztlichen Prüfung sein können“.

Verstoß gegen europäische Menschenrechtskonvention

Lebensrechtler übten umgehend Kritik an dem Vorhaben. „Noch mehr Möglichkeiten bereit zu stellen, ungeborene Kinder vor ihrer Geburt zu töten, stellt offensichtlich eine der größten Sorgen der Bundesregierung dar – so groß, dass nun sogar geplant wird, Medizinstudenten das Handwerk der vorgeburtlichen Kindstötung verpflichtend beizubringen. Vorgesehen ist dabei ausdrücklich auch Handlungswissen: Es reicht nicht, dass junge Medizinstudenten theoretisch über Abtreibungen informiert werden, sie sollen explizit befähigt werden, Abtreibungen durchzuführen – ganz unabhängig davon, ob sie Kinderarzt, Orthopäde oder tatsächlich Gynäkologe werden wollen“, kritisiert etwa die Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA), Cornelia Kaminski.

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Die mit einem Arzt verheiratete Lebensrechtlerin erinnerte daran, dass „fachärztliche Eingriffe“ im Medizinstudium „prinzipiell nicht vermittelt“ würden und eine „Spezialisierung aus gutem Grund Ziel der fachärztlichen Ausbildung“, nicht aber des Studiums sei. „Offensichtlich soll aber nun jeder abtreiben können.“ Nur so könne er später dazu verpflichtet werden, vorgeburtliche Kindstötungen durchzuführen, ohne sich „auf mangelndes Fachwissen berufen“ zu können.

Ein solches Vorhaben sei, so Kaminski weiter, „aus mehreren Gründen verwerflich“. „Junge Menschen auch nur ansatzweise zu nötigen, an Abtreibungshandlungen in irgendeiner Form mitzuwirken oder diese zu erlernen, widerspricht zutiefst dem hippokratischen Eid. Ärztliches Handeln ist immer darauf ausgerichtet, Krankheiten zu heilen, Leben zu schützen und zu bewahren – aber niemals darauf, Tötungshandlungen durchzuführen.“

Dies gelte insbesondere dann, wenn es sich um „ein wehrloses Kind“ handele. „Jeder, der ein ungeborenes Baby im Mutterleib schon einmal per Ultraschall hat beobachten können, der gesehen hat, wie es strampelt und am Daumen lutscht, hat ein Problem damit, es einfach abzusaugen, zu zerstückeln oder tot zu spritzen. Dies nun jungen Menschen beibringen zu wollen, von denen darüber hinaus die überwiegende Mehrheit niemals in ihrer medizinischen Tätigkeit mit der Forderung nach einer Abtreibung konfrontiert sein wird, stellt eine Nötigung dar, die gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstößt, welche in Artikel 9 ausdrücklich die Gewissensfreiheit gewährleistet“, so Kaminski weiter.

Kaminski: Wer sich weigert, kann nicht weiterstudieren

In Deutschland bedeute ein Medizinstudium „äußerst harte Arbeit“. Nur beste Abiturnoten und intensive Prüfungsvorbereitungen ermöglichten die Zulassung in die klinischen Semester nach dem Physikum. „Diese Medizinstudenten haben keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, ,Handlungswissen zum medikamentösen und operativen Schwangerschaftsabbruch‘ vermittelt zu bekommen“ so Kaminski weiter. Wer sich weigere, werde nicht weiterstudieren können. Alle vorherigen Mühen seien dann umsonst gewesen. Es sei „zynisch“, dass die Bundesregierung, nachdem sie versucht habe Krankenhäuser zur Durchführung von Abtreibungen zu zwingen, nun eine Generation von jungen Ärzten gefügig machen wolle, indem sie dies zwinge, schon im Studium das Töten zu erlernen.  DT/reh

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Meldung Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. Lebensschutz

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