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Durch Corona befindet sich unsere Psyche im Ausnahmezustand

Die Corona-Krise trifft die seelische Gesundheit von Menschen und Gesellschaften hart. Die Tagespost berichtet über Folgen der Krise und der Maßnahmen. Stabile Lebensumstände sind von Vorteil.

Coronavirus - Düsseldorf
Eine Schutzmaske liegt am frühen Morgen auf dem Bürgersteig. In ganz Europa haben die Regierungen neue Lockdowns vorgenommen. Welche psychischen Folgen das hat, untersucht ein umfassender Hintergrund und ein Experteninterview in der Tagespost. Foto: Federico Gambarini (dpa)

Angst- und Schlafstörungen, Depressionen, häusliche Gewalt, Süchte und Suizide sind signifikant gestiegen. Psychiater und Psychotherapeuten können mittlerweile messen, wie sich die Corona-Krise auf unsere Psyche auswirkt. Studien zeigen: Weite Teile unserer Gesellschaft sind jetzt ermattet, erschöpft, deprimiert und tief verunsichert.

Depressionen haben zugenommen

Klar ist zugleich: Die psychischen Kollateralschäden der Corona-Pandemie treffen uns ganz unterschiedlich, je nach Alter, Geschlecht, Familiensituation, finanzieller und sozialer Lage. Junge sind in ihrer Freizeitgestaltung stärker eingeschränkt als Ältere, Menschen mittleren Alters fürchten besonders den Jobverlust und Einkommensnachteile, Frauen leiden mehr unter der Doppeltbelastung. Dramatisch gestiegen sind Depressionen, Ängste und Stress bei arbeitslosen Männern.

Viele leiden unter einer Gefahr für Leib und Leben, die wir alle nicht einschätzen und abschließend beurteilen können. Viele haben Angst vor Arbeitslosigkeit, Verarmung und Vereinsamung. Andere leiden unter der Rechtsunsicherheit, unter dem „Gefühl der Überwachung“ und unter Einschänkungen im Alltag, die sie als „Fußfessel“ betrachten.

Wer Sinn sieht, leidet weniger

Studien beweisen: Ein gutes Familien-Klima ist die wichtigste Ressource für Kinder in der aktuellen Krise. Und: Menschen, die einen starken Sinn in ihrem Leben sehen, leiden weniger stark unter psychischen Belastungen. Wer während der Krise Verantwortung für andere übernimmt, verfügt meist über mehr Resilienz und den größeren Optimismus.

Sicher ist in dieser Zeit der Unsicherheit jedenfalls: Wenn COVID-19 irgendwann Geschichte ist, wird sich unsere Gesellschaft verändert haben – weil wir uns verändert haben werden. Wie Kriege, Naturkatastrophen und tragische Lebensereignisse geht auch diese Pandemie an uns nicht spurlos vorüber. Der Präsident des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie, Peter Stippl, sagt im „Tagespost“-Interview: „Wir befinden uns in der größten Veränderung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und das blitzschnell und ohne jede Vorbereitungszeit.“ DT/sba

Lesen Sie eine ausführliche Analyse und ein Experten-Interview zu den psychischen Auswirkungen der Corona-Krise am Donnerstag in der „Tagespost“. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe kostenlos hier.