WÜRZBURG

Kommentar um „5 vor 12“: Eine alternative Corona-Strategie

Spitzenwissenschaftler fordern „gezielten Schutz“ für Gefährdete und normales Leben für alle anderen. Differenzierte Überlegungen, die man nicht leichtfertig abtun sollte.
Corona-Maßnahmen werden die Ärmsten der Armen am härtesten treffen
Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild) | Papst Franziskus mahnt: die Corona-Maßnahmen werden die Ärmsten der Armen am härtesten treffen. Im Bild: Kinder aus benachteiligten Familien haben in Osteuropa unter den Corona-Einschränkungen vielfach zu leiden.

Inmitten einer überhitzten, ja hysterischen Debatte endlich eine ruhige und differenzierte Stimme: Drei epidemiologische und medizinische Spitzenwissenschaftler fordern eine alternative Corona-Strategie, nämlich den gezielten Schutz alter, gebrechlicher und besonders gefährdeter Menschen – bei gleichzeitiger Normalisierung des Lebens für alle anderen.
Niemand wird die drei Wissenschaftler (Martin Kulldorff, Sunetra Gupta und Jay Bhattacharya) als Verschwörungstheoretiker oder Spinner abtun können: Sie forschen und lehren an den Universitäten von Harvard, Oxford und Stanford. Akademische Superschwergewichtsklasse also. Hunderttausende haben ihre „Great Barrington Erklärung“ bereits unterschrieben: ein Zeichen des Aufatmens in Zeiten täglich neuer Horrormeldungen und politisch verordneter Verschärfungen der Corona-Maßnahmen.

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„Verheerende Auswirkungen“

Es geht hier nicht um Wirtschaft versus Menschenleben oder Freiheit versus Gesundheit. Vielmehr ist mittlerweile evident, dass auch die harten Corona-Maßnahmen „verheerende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit“ haben. Die Erklärung nennt einige: „niedrigere Impfraten bei Kindern, schlechtere Verläufe bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weniger Krebsvorsorgeuntersuchungen und eine Verschlechterung der psychischen Verfassung“.

Coronamaßnahmen treffen die Armen

Papst Franziskus – gewiss kein Corona-Leugner! – hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Pandemie und die Corona-Maßnahmen die Ärmsten der Armen am härtesten treffen. Am Donnerstag sagte er, dass durch die so ausgelöste Wirtschaftskrise „etwa zehn Millionen Kinder gezwungen sind, die Schule zu verlassen“. Dadurch wird sich nicht nur das Bildungsgefälle zwischen Reich und Arm dramatisch vergrößern, sondern in weiten Teilen Afrikas auch die Ernährungslage der Kinder massiv verschlechtern.

Das Ganze sehen

Auch die „Great Barrington Erklärung“ warnt vor „irreparablen Schäden“, wobei „die Unterprivilegierten unverhältnismäßig stark betroffen sind“. Allerhöchste Zeit, dass wir nicht länger – wie das Kaninchen vor der Schlange – hypnotisiert allein auf die Corona-Infektionsraten starren, sondern das ganze Panorama des Desasters in den Blick nehmen: die Auswirkungen der Covid-Pandemie und ebenso die gravierenden Kollateralschäden durch die bisherigen und die drohenden Corona-Maßnahmen.

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Stephan Baier Pandemien Papst Franziskus Wirtschaftskrisen

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