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Äthiopische Tragödie

Der Krieg ist zurück in Äthiopien, doch der Westen ignoriert weithin einen facettenreichen Konflikt, der bereits Hunderttausenden das Leben und Millionen die Heimat kostete.
Der Regierungschef Äthiopiens, Abiy Ahmed
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire | Dem ganzen äthiopischen Staat droht der Zusammenbruch. Daran trägt auch der 2019 nicht nur verfrüht, sondern wohl irrtümlich mit dem Friedensnobelpreis geehrte Regierungschef Äthiopiens, Abiy Ahmed, Schuld.

Äthiopien versinkt in Blut und Tränen. Weit unter der Wahrnehmungsschwelle einer Weltöffentlichkeit, die von täglichen Schocknachrichten von den Fronten in der Ukraine und in Nahost überflutet wird, tobt in einem der ältesten christlichen Länder der Welt ein ethnischer Krieg, der kein Ende findet. Mindestens 600.000 Menschen wurden ab November 2020 binnen zwei Jahren im Bürgerkrieg zwischen der äthiopischen Armee und der „Volksbefreiungsfront von Tigray“ (TPLF) getötet, Millionen wurden in die Flucht gezwungen.

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Jetzt flammen die Kämpfe neuerlich auf. Und sie werden von außen angeheizt. Das diktatorisch regierte Nachbarland Eritrea, selbst einst eine Provinz des äthiopischen Kaiserreiches und nach jahrzehntelangem Krieg 1993 unabhängig geworden, unterstützt die separatistische TPLF. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den Nachbarstaaten brechen in diesen Tagen zusammen; auch der Sudan mischt mit. Noch dramatischer ist, dass dem ganzen äthiopischen Staat der Zusammenbruch droht. Daran trägt auch der 2019 nicht nur verfrüht, sondern wohl irrtümlich mit dem Friedensnobelpreis geehrte Regierungschef Äthiopiens, Abiy Ahmed, Schuld. Er hat die ethnischen Spannungen selbst seit Jahren befeuert, statt sie auszugleichen.

Jetzt droht der Staatszerfall

Während die Welt gebannt auf die russische Gefahr und das Chaos im Orient blickt, kollabiert in Afrika der einzige Staat, der sich historisch stets gegen kolonialistische Übergriffe behaupten konnte. Die Resilienz Äthiopiens lag einst im christlichen Glauben und der starken Stellung der äthiopisch-orthodoxen Kirche, im traditionsreichen Kaiserhaus und in einem übernationalen Identitätsbewusstsein, das den Vielvölkerstaat zur Einheit machte. Seit dem linken Militärputsch gegen die Monarchie 1974 ist all das ins Rutschen gekommen. Jetzt drohen die ethnischen Spannungen, das Land in einen endlosen Bürgerkrieg zu tauchen.

Wie schon so oft in diesem Jahrhundert übersieht der Westen auch in diesem Fall ein Pulverfass, das weit über die eigenen Grenzen hinaus Krieg und Massenvertreibungen auslösen könnte. Die innere Krise Äthiopiens bringt ganz Ostafrika in Turbulenzen; ein Staatszerfall jedoch würde seine Druckwellen weit darüber hinaus entfalten.

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Stephan Baier Bürgerkriege Christliche Glaubensrichtungen

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