Kaduna/Königstein

Priesterseminaristen in Nigeria entführt

Noch kein Lebenszeichen. „Kirche in Not“ entsetzt: Regierung muss dringend handeln. Die Sicherheitslage ist katastrophal. Lage erinnert an Irak.

Christenverfolgung in NIgeria
In Nigeria sind vier Priesterseminaristen entführt worden. Unser Symbolbild zeigt katholische Priester, die versuchen, die Menschenmenge zu beruhigen. Immer wieder kommt es zu Terror und Gewalt gegen Christen. Die Sicherheitslage in Nigeria erweist sich als katastrophal. Foto: dpa (EPA)

Von den vier in Nigeria entführten Priesterseminaristen gibt es noch immer kein Lebenszeichen. Dies berichten übereinstimmend die Internationale Päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ und der Missionsdienst Fides. Unter Bezug auf lokale Quellen heißt es in einer Pressemitteilung von „Kirche in Not“ vom Montag, die Seminaristen seien bereits am 8. Januar 2020 im Priesterseminar „Good Shepherd“ (Guter Hirte) in der nordnigerianischen Stadt Kaduna entführt worden. 

Kurz nach 22.30 Uhr hätten die Entführer den Zaun um den Wohntrakt der Seminaristen überwunden und seien in das Gebäude eingedrungen. Sie hätten um sich geschossen, Wertsachen entwendet und vier Seminaristen in ihre Gewalt gebracht. Nach Fides-Angaben hat es bei der Schießerei keine Opfer gegeben. Nach dem Überfall sei festgestellt worden, dass die Angreifer vier Seminaristen entführt hätten.

Seminaristen befanden sich am Beginn ihres Studiums

Laut „Kirche in Not“ handelt sich bei den Opfern der Entführung um die Priesteramtskandidaten Pius Kanwai (19 Jahre), Peter Umenukor, (23 Jahre), Stephen Amos (23 Jahre) und Michael Nnadi (18 Jahre). Die Seminaristen stammen aus verschiedenen nordnigerianischen Diözesen und befanden sich am Beginn ihres Studiums. Seit der Entführung gebe es kein Lebenszeichen von ihnen, ihr Aufenthaltsort sei unbekannt. Auch über die Identität und die Hintergründe der Entführer lägen bislang keine Informationen vor, so „Kirche in Not“. Nach Einschätzungen des internationalen katholischen Hilfswerkes scheint die Entführung keinen direkten religiösen Hintergrund zu haben. Es sei noch unklar, ob es eine Lösegeldforderung gegeben habe.

„Kriminelle Banden nutzen die chaotische Lage aus“ 
Thomas Heine-Geldern, Präsident von „Kirche in Not“

Der Geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“, Thomas Heine-Geldern, zeigte sich entsetzt über die Entführung: „Die Sicherheitslage in Nigeria ist katastrophal. Kriminelle Banden nutzen die chaotische Lage zusätzlich aus und verschärfen die Situation.“ Die Regierung müsse dringend etwas unternehmen, um Leben und Eigentum der Menschen zu schützen, forderte der Präsident von „Kirche in Not“. Es sei die Pflicht der Regierung, die Sicherheit des Landes und der Bevölkerung zu gewährleisten. Nigeria laufe sonst Gefahr, ein „failed-state“ (ein „gescheiterter Staat“, A.d.R.) zu werden.

 „Die Entführungen und Morden erinnern mich an die Situation im Irak vor der Invasion der Truppen des sogenannten ,Islamischen Staates´“, hob Heine-Geldern hervor. Schon damals seien dort Christen entführt, beraubt und umgebracht worden, weil es keinerlei staatlichen Schutz gegeben habe. „Dieses Schicksal muss den Christen Nigerias erspart bleiben. Die Regierung muss handeln, bevor es zu spät ist.“

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