Als am vergangenen Montag in Japan die Sonne aufging, gingen zugleich an der Tokioter Börse die Lichter aus: Satte zwölf Prozent verlor der Nikkei-Index an einem ganzen Tag – der größte Einzelverlust seit 1987. Und obwohl es sich bei den Verlusten vom „schwarzen Montag“ nicht um einen Crash im eigentlichen Sinn handelte – von so einem wird erst ab Verlusten beziehungsweise Abverkäufen in Höhe von mehr als 20 Prozent gesprochen – durften die Verluste mit Fug und Recht als historisch bezeichnet werden, inklusive der Furcht vor weiteren drastischen Einbrüchen.
Doch weit gefehlt: Denn der Dienstag entpuppte sich als „Turnaround Tuesday“ – und so konnte der japanische Aktienmarkt einen signifikanten Teil seiner Verluste vom Montag wieder aufholen, indem dieser um 10, 2 Prozent zulegte und mit 34.675,5 Punkten aus dem Handel ging. Was waren die Ursachen sowohl für die Verluste als auch für den nur einen Tag später erfolgten „Rebound“?
Wenn Amerika Schnupfen hat, ist die Welt erkältet
Die Ursachen für die weltweiten Einbrüche an den Aktienmärkten sind schnell erklärt: Diese waren zum einen im zuletzt deutlichen Anstieg der japanischen Landeswährung Yen inklusive damit verbundener einheimischer Sorgen um die japanische Export-Industrie begründet - verbunden mit wachsender weltweiter Sorge über eine mögliche US-Rezession sowie dem Abverkauf seit geraumer Zeit stark überbewerteter US-Tech-Aktien.
Ebenso erklärbar ist die nur einen Tag später erfolgte Kehrtwende: Denn die Reaktion des amerikanischen Markts auf die historischen Verluste in Asien fiel bescheiden aus. Zwar führten Aktienverkäufe der Anleger zum größten Tagesverlust des Dow-Jones-Indexes seit zwei Jahren: Doch mit 2,6 Prozent blieben die Einbußen beim Leitindex weit unter denen in Asien zurück - außerdem linderte der US-Geschäftsstimmungsindex für die Dienstleistungsbranche des Institute for Supply Management (ISM) die jüngsten Ängste vor einer Rezession in den Vereinigten Staaten erheblich.
Wer im Glashaus sitzt…
“What a Difference a day makes“ – nirgendwo gilt der Titel des Dinah-Washington-Klassikers so sehr wie an den weltweiten Börsen. Und so müsste Ex-US-Präsident Donald Trump, nachdem er vollkommen fakten- und sinnbefreit die Börsenrückgänge vom Montag mit Blick auf seine Kontrahentin im US-Präsidentschaftswahlkampf als „Kamala-Crash“ bezeichnet hat, nun eigentlich umschwenken und bezüglich des Rebounds vom Dienstag von einem „Kamala-Comeback“ sprechen.
Dabei ist es Trump selbst, der große Erfahrungen damit hat, wenn Börsen auf Talfahrt gehen: Denn in seine Amtszeit fiel der berühmte „Corona-Crash“ an den US-Börsen. So fiel am 16. März 2020 der Dow Jones um fast 13 Prozent und verzeichnete damit nicht nur den größten prozentualen Rückgang an einem Tag seit dem Börsencrash von 1987. Auch der US-Aktienindex S&P 500 fiel bis zum 23. März desselben Jahres um 34 Prozent – einer der stärksten Rückgänge in der US-Börsen-Geschichte und das alles mitten in der Ära Trump. Hinzu kommt: Erst vor wenigen Wochen ließ der republikanische Präsidentschaftskandidat mit seinen via Bloomberg verbreiteten Worten, Taiwan im Falle eines China-Angriffs möglicherweise nicht zu verteidigen, an den weltweiten Börsen die Wände wackeln – auch hiervon haben sich die Märkte bis heute noch nicht wirklich erholt.
Wenn es also das Sprichwort „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“ noch nicht geben würde, müsste man es für Personen wie Donald Trump erfinden.
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