Papst Leo XIV. richtet einen dringenden Appell an uns: Wir dürfen nicht zulassen, dass Maschinen ersetzen, was uns als Menschen ausmacht. Konkret fordert er, im Umgang mit KI wachsam zu sein und ihr nicht blind zu vertrauen. Digitale Systeme arbeiten lediglich mit statistischen Wahrscheinlichkeiten und versorgen uns mit scheinbarem Wissen, manchmal sogar mit Falschinformationen, sogenannten Halluzinationen. Im Umgang mit digitalen Informationen müssen wir deshalb die Quellen prüfen. Seien wir wachsam und hinterfragen, wer hinter welchen Informationen steckt: Wurden diese von sachkundigen Menschen recherchiert oder von einer störanfälligen KI, vielleicht sogar in manipulativer Absicht?
Angesichts dieser Unsicherheiten sollten wir uns auf Qualitätsjournalismus verlassen. Seriöse Tageszeitungen, die auch digital erhältlich sind, informieren fundierter als Schlagzeilen in sozialen Netzen. Delegieren wir schöpferische Tätigkeiten nicht an Maschinen. Nutzen wir unsere von Gott geschenkten Talente. Ermutigen wir Kinder und Jugendliche, eigene Texte zu verfassen, selbst zu rechnen und zu zeichnen, statt KI-Tools die Arbeit machen zu lassen. Seien wir ein Vorbild: Schreiben wir Briefe von Hand, formulieren wir eine Geburtstagsrede aus unserem Herzen und nicht von einem KI-Programm, erlernen wir Musikinstrumente und bleiben dran. Denn die Mühe wird reich belohnt – durch wachsende analoge Kompetenzen.
Zugleich bedarf es eines verantwortungsvollen Umgangs mit KI. Wir müssen verstehen lernen, wie Algorithmen unsere Wahrnehmung prägen, welche wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen, wenn uns bestimmte Inhalte angezeigt werden. Informieren wir uns über die Funktionsweise von Plattformen, bevor wir sie nutzen. Treten wir für eine klare Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte ein. Es ist unser Recht, zu erfahren, ob ein Text, ein Bild, ein Video von Menschen oder Maschinen erstellt wurde. Schützen wir auch unsere eigenen Daten: Überlegen wir genau, welche Bilder wir von uns und unseren Angehörigen online stellen. Unsere Stimme, unser Gesicht – das sind unverwechselbare Merkmale unserer Person, die heute leicht für Täuschungen missbraucht werden können.
Pflegen wir die menschliche Begegnung. Lassen wir nicht zu, dass digitale Chats an die Stelle von echten Face-to-Face-Begegnungen treten und KI uns vorgaukelt, der beste Freund zu sein. KI-Chatbots mögen Emotionen vortäuschen, aber sie können keine echten Beziehungen eingehen. Nutzen wir die Chance, einander im analogen Raum hautnah zu begegnen, denn jedes Treffen, bei dem wir dem anderen unmittelbar in die Augen schauen können, zahlt auf unser emotionales Konto ein und beugt der Vereinsamung vor. Nur in der unmittelbaren Kommunikation mit anderen kann sich unser Menschsein entfalten. Vertrauen wir nicht allein darauf, was Algorithmen uns vorsetzen. Bewahren wir vielmehr „die Gabe der Kommunikation als tiefste Wahrheit des Menschen“ (Papst Leo XIV.), indem wir uns als vernunftbegabte Ebenbilder Gottes leibhaftig begegnen.
Der Autor lehrt Philosophie an der Universität Siegen, der WHU Vallendar und der Hochschule für Philosophie München.
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