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Der Frieden, (K)ein Dilemma

Darf man nur einem „gerechten Frieden“ zustimmen? Der heilige Thomas von Aquin wäre anderer Meinung.
Zerstörte Polizeistation im Iran
Foto: IMAGO/Morteza Nikoubazl (www.imago-images.de) | Zerstörte Polizeistation in Teheran.

Es gibt gewisse praktische Fragen, in denen für zwei sich widerstrebende Handlungsalternativen Gründe sprechen, die subjektiv als gute Gründe empfunden werden. Dann wird häufig von einem „Dilemma“ geredet. Ein Dilemma liegt aber nur vor, wenn es sich wirklich um gleichgewichtige ethische Gründe handelt, nicht einfach um Vorlieben oder Präferenzen. Zwischen dem Lebensrecht eines Kindes und dem Selbstbestimmungsrecht einer Frau besteht zum Beispiel kein „Dilemma“.

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Oder nehmen wir die Drohung des amerikanischen Präsidenten gegen den Iran (am 7. April 2026), er würde bei Nichterfüllung seiner Bedingungen die iranische „Zivilisation vernichten“. Es ist völlig klar, dass die Generäle einem solchen Auslöschungsbefehl niemals folgen dürften, auch wenn es für sie unangenehme Konsequenzen haben mag. In ein Dilemma, wie ein Zeitungskommentator meinte, werden sie damit keinesfalls gestürzt. Ethisch verpflichtet zu sein, hat manchmal sehr unangenehme Konsequenzen. Sie heben aber die Verpflichtung nicht auf, sondern können allenfalls im Nachhinein entschuldigend wirken. Unrecht leiden sei besser als Unrecht tun, heißt es in einem Urtext abendländischer Ethik – nämlich Platons Dialog „Gorgias“ – dazu.

„Frieden und Gerechtigkeit sind keine gleichrangigen Güter“

In der Friedensethik ist zuweilen vom Dilemma zwischen Gerechtigkeit und Frieden die Rede. Nur einem „gerechten Frieden“ dürfe man zustimmen, wird oft gesagt. In der Praxis bedeutet das zumeist, dass kein Frieden erlangt wird, weil sich Gerechtigkeit unterschiedlich auslegen lässt und genau dieser Auslegungsstreit eine Grundlage des Konflikts darstellt. Frieden und Gerechtigkeit sind aber keine gleichrangigen Güter, wie Thomas von Aquin lehrt. Im Letzten streben wir den Frieden an, und die Gerechtigkeit streben wir an, weil sie ein Hindernis zum Frieden fortnimmt.

Es gibt Fälle eklatanter Ungerechtigkeit, die einem akzeptablen Frieden tatsächlich im Weg stehen. Aber vollständige Gerechtigkeit zu verlangen, um zu einem Friedensschluss bereit zu sein, ist weder moralisch richtig noch praktisch klug. Auch wenn es dem Zeitgeist zuwiderzulaufen scheint: Wer den christlichen Friedensauftrag ernst nimmt, muss bereit sein, gewisse Ungerechtigkeiten akzeptieren zu lernen. Wo die Grenze zwischen akzeptabler und nicht mehr akzeptabler Ungerechtigkeit liegt, kann nicht mathematisch deduziert werden, sondern verlangt Urteilskraft und eine friedfertige Haltung. Überhaupt kommt es oft mehr auf die Haltungen und damit auch auf die Tugenden an als auf die Resultate eines Abkommens. Der heilige Thomas bringt dies dadurch zum Ausdruck, dass er Gerechtigkeit und Nächstenliebe in Bezug auf den Frieden vergleicht: Frieden ist nur indirekt ein Werk der Gerechtigkeit, aber direkt ist er ein Werk der Nächstenliebe. Durch ihren Einfluss vereinigen sich sinnvoll die Bestrebungen des Menschen, die in ihrer ungeordneten Form so häufig Ursache der Konflikte und Kriege sind.

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