Saragossa

Saragossa: Die Stadt der Säulen-Jungfrau

Wo sich römische, arabische und christliche Kultur zu einer Hymne an die Schönheit mischen.
Basílica del Pilar im Zentrum Saragossas
Foto: Carlos Bonilla (Pixabay) | Die Basílica del Pilar ist eine von zwei Kathedralen im Zentrum Saragossas. Nicht nur das macht die Stadt einzigartig.

Auf Spanienbesucher üben die Metropolen Madrid und Barcelona verständlicherweise eine große Anziehungskraft aus. Dabei wird leider oft eine Stadt übersehen, die von beiden etwa 300 km entfernt und ungefähr in der Mitte liegt: Saragossa. Eine günstige und geographisch reizvolle Lage. Ein Ausflug mit dem Hochgeschwindigkeitszug bietet sich an und – dies sei vorausgeschickt – ein mehrtägiger Aufenthalt empfiehlt sich sehr.

Die Hauptstadt der nordöstlich gelegenen Region Aragonien (spanisch: Aragón) wurde durch die iberische, römische, arabische und christliche Kultur geprägt; ein reiches historisches Erbe, das unter anderem in Architektur und Kunst zum Ausdruck kommt. So erinnern an die Gründung durch die Römer (24 – 12 vor Christus) bis heute die Murallas Romanas, Überreste der großen römischen Stadtmauer. Diese war 3 km lang, 10 m hoch, bis zu 7 m breit und wies 120 Verteidigungstürme auf.

Colonia Caesaraugusta

Einst eine – Sadulba genannte – iberische Siedlung, ließ Kaiser Augustus die Colonia Caesaraugusta gründen, die zur wichtigsten Stadt von Hispania Citerior (römische Provinz in Hispania, östlicher Teil) aufstieg. Der Überlieferung nach erschien im Jahre 40 – zur Zeit der römischen Herrschaft – am Ufer des Ebro dem Apostel Jakobus die Jungfrau Maria und übergab ihm die Säule, auf der sie stand. Diese wird bis heute verehrt und das Fest der Virgen del Pilar jeweils am 12. Oktober, und weit über Spanien hinaus, feierlich begangen. Unter den Römern kam es zu einer Christenverfolgung, der im 4. Jahrhundert die Heilige Engracia und unzählige andere Christen zum Opfer fielen. Im Jahre 716 nahmen die Araber Saragossa ein. Damit unterstand die Stadt dem Kalifen von Córdoba. Die Kapitulation war unausweichlich und die Besiegten verbanden sie mit der Bedingung, dass die christlichen Kirchen verschont werden.

Hin und her der Eroberungen

Die Araber nannten die Stadt Sarakosta. Im Jahre 1118 gelang es Alfons I., sie zurückzuerobern, und er machte sie zum Königshof von Aragonien. Die ehemalige Hauptmoschee wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut und an ihrem Standort die Kathedrale La Seo errichtet. Der arabische Palast Alfajería (der zum Unesco Weltkulturerbe zählt) diente als Königsresidenz. Wer sich für Architekturstile interessiert, wird seinen Blick von dieser Kathedrale so bald nicht lösen können, denn Bauelemente im Mudéjarstil lassen sich ebenso entdecken wie solche von Romanik, Gotik und Barock. Dass sich mit der Kathedrale des Erlösers (La Seo de Zaragoza / Catedral del Salvador) und der Basílica del Pilar im Zentrum der Stadt zwei Kathedralen befinden, ist einzigartig. Der große Vorplatz der Basilika trägt überdies zu dem beeindruckenden Anblick im Umkreis bei. Eine besonders schöne Sicht auf die Basilika hat man von der Puente de Piedra aus, der ältesten Brücke über den Ebro. Besonders bei Sonnenuntergang ergeben sich hier wunderbare Fotomotive.

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Die Grundsteinlegung der Basilika, der größten Barockkirche Spaniens, geht auf 1681 zurück. Sie ist ein höchst imposantes, dreischiffiges Bauwerk von 132 m Länge und 67 m Breite, vielen Kapellen, 10 Kuppeln, einer riesigen Hauptkuppel und 4 Türmen. In einer der Kapellen – der Santa Capilla – findet sich der berühmte Schrein der Jungfrau del Pilar, der Schutzheiligen Saragossas: Eine 2 m hohe Säule aus Jaspis, auf der sich eine 38 cm hohe Marienstatue befindet.

Bronzedenkmal des Malers Goya

Wer auf der Plaza del Pilar ein wenig umherschlendert, wird vor der Kathedrale San Salvador ein Bronzedenkmal des Malers Goya (Francisco de Goya y Lucientes, 1746-1828) entdecken. Dieser verbrachte in Saragossa seine Jugendzeit. Auf einem hohen Marmorsockel, in einen langen Mantel gehüllt und ein Halstuch tragend, steht Goya an- und zurückgelehnt da. Er stützt sich mit einem Arm auf, hält Zeichenstift und Malkasten in den Händen und ein Bein vor das andere geschoben, wobei seine Hosen in hohen Stiefeln stecken. Goya schaut wie in die Ferne blickend vor sich hin, so als würde er, in genialer Vorstellungskraft, gerade ein Gemälde skizzieren. Wozu er künstlerisch fähig war, dies lässt sich in der Basilika an zwei Fresken bewundern: Die Anbetung des Namens Gottes und Regina Martyrum (Die Königin der Märtyrer).

Im Museo de Zaragoza an der Plaza de los Sitios ist Werken von Goya ein ganzer Saal gewidmet. Darin finden sich unter anderem das Bildnis des Generals, Naturforschers und Landvermessers Don Félix Azaras, der, zu schwarzen Stiefeln, in eine Uniform aus leuchtend-gelben Hosen und schwarz-roter Weste gehüllt ist. Ein langer Säbel blitzt an seiner Seite. In seiner Kluft noch übertroffen wird er vom Portrait des hoch dekorierten und eine breite, rote Schärpe tragenden Duque de San Carlos. Hier zeigt sich das herausragende Können Goyas besonders in der Gestaltung des Gesichtes des etwas angestrengt, verkniffen vor sich hin blickenden Duque. Seine Kurzsichtigkeit führte später dazu, dass der König ihn ins Ausland, in den diplomatischen Dienst, versetzte.

Caprichos als weiterer Höhepunkt

Einen weiteren künstlerischen Höhepunkt stellen die «Caprichos» dar, darunter die unheimlich suggestive Aquatinta-Radierung «Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer». In diesem Werk hat Goya sich schlafend an einem Tisch dargestellt, u. a. umgeben von Eulen und Fledermäusen; ein Alptraum-Bild, das auch heute noch zu verschiedenen Deutungen Anlass gibt. Zwei Jahrzehnte vor Goyas Tod (1808, 1809) war die Stadt Schauplatz dramatischer Ereignisse, des heroischen Widerstandskampfes gegen die Franzosen (Unabhängigkeitskrieg).

Zur Erholung nach so viel Geschichte, Kunst und Kultur eignet sich der Parque José Antonio Labordeta, eine etwas außerhalb gelegene große Ruheoase mit 22 Skulpturen. Besonders gerne aufgesucht wird von Besuchern das hohe Denkmal für König Alfonso I. Von diesem Monument aus gewinnt man einen herrlichen Ausblick über Wasserbecken, Fontänen und Baumwipfel bis auf in der Ferne auftauchende Gebäude. Der Anblick und das Rauschen von Springbrunnen sorgen für Entspannung, Bäume und Pflanzen aus aller Welt lassen das Herz von Naturliebhabern höherschlagen.

Von Streifzügen durch den Park zur Plaza del Pilar zurückgekehrt, dringen aus der geöffneten Tür einer Gaststätte Stimmen nach draußen. Eine junge Kellnerin lädt freundlich dazu ein, an der Theke bereitgestellte Tapas zu probieren, köstliche Häppchen, die zu einer Bestellung von Tortilla de Patatas führen. Die Bedienung registriert mit Wohlgefallen, dass die Kochkunst des Hauses gut ankommt und so klingt der letzte Abend in Saragossa kulinarisch aus.

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