Rosenkranz

„Männer-Rosenkranz“ kommt nach Spanien

Ein Funke aus Polen springt über. Der „Männer-Rosenkranz“ kommt nach Spanien. Eine Initiative breitet sich aus.
Männerrosenkranz erobert von Polen aus Europa
Foto: IN | Der Männerrosenkranz erobert von Polen aus Europa.

Die Bilder aus Warschau gingen um die Welt: Am 5. März beteten annähernd eintausend Menschen – die überwältigende Mehrheit von ihnen Männer – den Rosenkranz mitten auf der Straße. Es handelt sich um die Initiative „Männer beten den Rosenkranz“ (Meski Rózaniec), bei der sich Männer zum Mariengebet versammeln. Auch in Irland und Nordirland beten seit einigen Monaten am ersten Samstag im Monat irische Männer öffentlich den Rosenkranz vor einem Bild der Gottesmutter von Fatima. Wie in Polen wollen auch sie den katholischen Glauben im öffentlichen Raum sichtbar machen.

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Gebet in der Altstadt

Am Samstag fand die Gebetsaktion erstmals in Madrid statt. Mitten in der Altstadt auf dem „Plaza de la Villa“ versammelten sich am frühen Abend etwa 300 Männer, um den Rosenkranz zu beten. Nach Einschätzung der Organisatoren waren etwa ein Drittel von ihnen junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren. „Natürlich waren auch einige Frauen dabei, sozusagen als Begleiterinnen ihrer Männer. Sie hielten sich aber eher am Rande auf“, so einer der Organisatoren, Ricardo Martín de Almagro, im Gespräch mit der „Tagespost“. Denn es sei schließlich um die Männer gegangen, Männer, „die ähnliche Werte teilen, ohne notwendigerweise zu bestimmten katholischen Gemeinschaften oder Bewegungen zu gehören“. Besonders eingeladen wurden außerdem in Madrid lebende polnische Mitbürger – schließlich sei die Initiative aus Polen gekommen.

Zu Beginn eines jeden Rosenkranzgesätzes wurden in kurzen Betrachtungen die Anwesenden aufgefordert, die Heiligkeit zu suchen. Nach dem Gebet der Lauretanischen Litanei sangen die Teilnehmer die österliche Marienantiphon Regina Coeli. Bei der Veranstaltung war zwar auch Weihbischof Juan Antonio Martínez Camino von Madrid anwesend gewesen, der den Teilnehmern zum Abschluss seinen Segen erteilte, sowie auch einige Priester. Die Initiative ist jedoch – so Martín de Almagro – „unten“ entstanden, letztlich sei sie von einer kleinen Anzahl befreundeter Laien ausgegangen.

Widerspruch zur Welt

Obwohl der Anstoß vom Vorbild des Meski Rózaniec aus Polen kam, hatte die Aktion in Madrid einen Vorläufer. Dazu führt Ricardo Martín de Almagro aus: „Bereits am 26. Februar fand in der spanischen Hauptstadt eine ähnliche Veranstaltung statt: Tausende Menschen zogen durch die Straßen der Madrider Innenstadt und beteten dabei den ,Rosenkranz für die Jugend? Wir hatten mit etwa 800 Teilnehmern gerechnet – es kamen laut Polizeiangaben fast 4 000 Menschen. Darüber wurde nicht nur in Spanien, sondern etwa auch in Mexiko und in den Vereinigten Staaten berichtet.“

Es sei ein „großartiger Abend“ gewesen, denn „ohne öffentliche Glaubensbekundungen erlischt der Glaube. Wenn er jedoch geteilt wird, vervielfältigt sich der Glaube“. Diese Erfahrung, so auch die Initiative „Männer beten den Rosenkranz“, widerspreche „der in der modernen Welt seit langem vertretenen Auffassung, dass Religion eine reine Privatsache sein sollte“. Ganz im Gegenteil: „Wir möchten das öffentliche Bekenntnis unseres Glaubens auf öffentlichen Straßen zur Selbstverständlichkeit machen. Wenn wir zulassen, dass der Säkularismus zum öffentlichen Dogma wird, werden wir Gläubigen zunehmend isoliert und die Flamme des Glaubens wird erlöschen, da sie weder ausgeübt noch geteilt wird“, so Martín de Almagro.
Deshalb sei es nur folgerichtig gewesen, nachdem sich die Bilder aus Polen und Irland durch die Sozialen Netzwerke verbreitet hätten, dass auch in Spanien der „Männer-Rosenkranz“ eingeführt werden solle.

Warum ein Rosenkranzgebet für Männer? Es werde zurzeit sehr viel von „toxischer Männlichkeit“ gesprochen, so der Sprecher der Initiative, aber in Wirklichkeit „leiden wir Männer unter besonderen Übeln: dem Verlust der Fähigkeit sich hinzugeben, dem Egoismus, der Pornographie, die das Innerste zerstört, der falschen Lösung der Abtreibung, um der Verantwortung einer Vaterschaft zu entgehen, der Maskulinisierung der Frauen oder der Feminisierung der Männer“. Die Männlichkeit werde offensichtlich von „postmodernen Ideologien, etwa von der Gender-Ideologie“ kriminalisiert. Deshalb sei „nichts unmoderner“ als ein Rosenkranz für Männer. Aber: „Wir Männer sollten aber das Vorbild des heiligen Josef, von Jesus am Kreuz suchen.“ Deshalb der Aufruf zum „Männer-Rosenkranz“, damit „wir Männer wieder zu Männern werden können. Nur so können wir den Auftrag erfüllen, den wir auf der Erde haben, Gott zu dienen“. Darüber hinaus möchten sie auch „die Familie vor den Angriffen antichristlicher Ideologien schützen und verteidigen“.

Gegen Glaubensverlust

Denn die Übel der heutigen Gesellschaft, etwa die Abtreibung, die aktive Sterbehilfe und weitere Ideologie hätten – so Ricardo Martín de Almagro – geistige Wurzeln: der Glaubensverlust, die Hybris des Menschen, Gott auf Erden sein zu wollen ... Deshalb könne die Antwort nur eine spirituelle Antwort sein. „Lieber sind wir nur wenige, aber tief verwurzelt im Glauben, als viele, die sich nicht einig sind. Eine solche Veranstaltung hilft dazu, dass die Wurzeln in die Tiefe wachsen.“

Was für ein Fazit zieht er aus diesem „Männer-Rosenkranz“? „Es ist ein großer Erfolg gewesen. Ursprünglich hatten wir uns vorgenommen, einfach öffentlich den Rosenkranz zu beten. Wenn wir nur 50 Männer sind ... kein Problem, wir beten einfach. Heute, da die Menschen immer weniger Halt haben, ist es wichtig, öffentlich den Glauben zu bekunden, einfach auf der Straße Zeugnis abzulegen. Es sind 300 Männer gekommen, also sechsmal so viel, wie wir zunächst dachten. Wichtig ist auch, dass sie sich ruhig und fromm verhalten haben, so war es gedacht.“ Zu den Teilnehmern erklärte Martín de Almagro: „Viele von uns kennen sich persönlich, etwa aus den Pfarreien. Aber es sind viele Menschen gekommen, die wir gar nicht kannten. Ich bin sehr froh, dass sie gekommen sind.“

Einladung über Apps 

Über „Telegram“ und „Twitter“ wurde zum „Männer-Rosenkranz“ eingeladen. Inzwischen folgen laut Martín de Almagro mehr als 200 Follower der Aktion „Männer beten den Rosenkranz“ auf Telegram, die sich auf dem Sozialen Netzwerk über den Fortlauf der Initiative informieren. Denn es soll nicht bei dem einen Rosenkranz bleiben. „Wir planen etwas für den Herbst, denn die Initiative soll Kontinuität bekommen.“ Ob es auch in anderen spanischen Städten stattfinden wird? „Das kommt darauf an – so der Sprecher der Initiative –, dass jemand eine Gruppe Freunde und Bekannte dafür gewinnt, die es vorantreiben.“ Allerdings hätten sie schon Anfragen etwa aus Mexiko und Peru erhalten, ob sie bei der Organisation einer solchen Veranstaltung Schützenhilfe leisten können.

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