Geschichte

Cádiz: Orientalisches Flair im Süden Europas

Cádiz, einst von Phöniziern, Römern und Arabern bewohnt, lockt mit Kathedralen, Kunstschätzen und kulinarischen Köstlichkeiten.
Catedral de la Santa Cruz am Ufer des Atlantik
Foto: Paul Edney (Pixabay) | In der Catedral de la Santa Cruz am Ufer des Atlantik mischen sich Barock und Neoklassik.

Auf einer schmalen Landzunge gelegen und mit dem Festland verbunden, bietet Cádiz bereits auf Bildern aus der Höhe einen faszinierenden Anblick. Archäologische Funde bestätigen, dass die im Südwesten Andalusiens in Südspanien gelegene Stadt eine der ältesten Europas ist. Sie blickt demnach auf eine fast 3 000jährige Geschichte zurück. Phönizischen Ursprungs, wurde sie als Stützpunkt für den Handel gegründet. Nach den Phöniziern kamen die Karthager und unter den Römern wurde Cádiz eine blühende römische Hafenstadt. Im 16. Jahrhundert befand sich hier aufgrund des Überseehandels einer der wichtigsten Seehäfen des Landes, der Reichtum mit sich brachte. Die Bewohner von Cádiz, Gaditanos genannt, gelten als sehr freundlich. Ein Grund mehr, um diese Stadt zu besichtigen.

Vor Ort erweist sich die geographische Position auf einer Halbinsel, vom Meer umgeben, als sehr reizvoll. Ein erster Spaziergang an der langgestreckten Uferpromenade lässt Erinnerungen an den Malecón in Havanna aufkommen. Vom Atlantik her kommt ein leichter und angenehm wirkender Wind auf.

Römisches Theater

Am nächsten Morgen beginnt die Erkundungstour an den Puertas de Tierra, die die Altstadt von der Neustadt trennen. Bewacht werden sie von Skulpturen der Stadtpatrone San Servando und San Gerván. Von hier ist es zu den Überresten des römischen Theaters aus dem 1. Jhd. vor Chr. nicht weit. Es befindet sich im Barrio del Pópulo, dem ältesten Stadtviertel, das einst von Phöniziern, Römern und Arabern bewohnt war. Sein Zentrum ist die Plaza de San Martín.

Das Theater wurde erst 1980 entdeckt. Seine Überreste sind teilweise nicht sichtbar, da es überbaut wurde. Es ist das älteste Theater der iberischen Halbinsel und – mit einem Durchmesser von weit über 100 Metern – das zweitgrößte. Beim Blick auf die nach unten führende Freitreppe wünscht man sich, man könne in der Zeit zurückreisen und Augen- und Ohrenzeuge einer Theateraufführung aus dem 1. Jahrhundert werden.

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Die Iglesia de Santa Cruz passierend, die bis 1838 die Kathedrale von Cádiz war, nähern wir uns der neuen Catedral de la Santa Cruz. Den Bau fertigzustellen, nahm 116 Jahre in Anspruch, womit sich die verschiedenen Baustile, von Barock und Neoklassik, erklären. An der Hauptfassade zeigt sich dies durch unterschiedliche Färbung des Kalksteins. Hinter ihren zwei Glockentürmen, die von schmalen Säulen umrahmt werden, erhebt sich über 50 Meter hoch ihre goldgelbe Marmorkuppel. Das Gotteshaus steht nah am Meer, was dem Kalkstein wegen der Feuchtigkeit und des Salzgehalts des Meerwassers nicht gut bekommt. An der Plaza de la Catedral stößt man auch auf die Casa del Almirante, einen Barockpalast aus dem Jahr 1690, dessen Marmorsäulen am Eingangsportal rötlich glänzen.

Kunstvolle Kathedrale

Im Inneren der Kathedrale dringt Licht durch die hohen Fenster des Hochaltarraumes; der Anblick der Innenseite der Kuppel erregt Staunen. Aus der Fülle an Kunstwerken seien nur einige genannt: In der Kapelle der Anbetung der Könige zieht ein Gemälde von Pablo Legot aus dem 17. Jahrhundert die Aufmerksamkeit auf sich. Maria, in der oberen rechten Bildhälfte, mit anmutig-ernstem und würdevollem Gesichtsausdruck, senkt den Kopf. Sie lässt ihrem Sohn, den sie hochhält und der von einem der drei Könige betrachtet wird, den Vorrang. In der Kapelle Sankt Benito Abad beeindruckt das gleichnamige Gemälde, in dem der ehrwürdige, hoch aufragende Benedikt die Szene beherrscht. Das von einer Taube ausgehende Licht erhellt Seiten der Heiligen Schrift und die Stirn Benedikts. Die Lichtquellen bilden ein Dreieck. Ein Kunstgriff des Malers, der mit dem dunklen Hintergrund und der schwarzen Kleidung des Abtes und weiterer Personen einen starken und wirkungsvollen Kontrast schafft. Seitentreppen führen zu der unter dem Meeresspiegel liegenden Krypta. Sie ist für ihre besondere Akustik und als Begräbnisstätte des aus Cádiz stammenden Komponisten Manuel de Falla bekannt. Wer sein impressionistisches Orchesterwerk „Nächte in spanischen Gärten“ kennt, wird sich an diesem Ort an dessen Melodien erinnern.

Das Museum der Kathedrale ist an Kunstschätzen (Skulpturen, Malereien, liturgischen Geräten, Stickereien) sehr reich. Hervorzuheben sind zwei anmutig-reizende Elfenbeinskulpturen, die die Stadtpatrone darstellen und „die Chinesen“ genannt werden. Im 19. Jahrhundert, so erzählt man, habe ein aus Cádiz stammender Missionar sie aus Manila in seine alte Heimat gesandt.

Blumenmarkt und Säulengänge

Palmen, Cafés und kunstvoll gestaltete Laternen verleihen der Plaza San Juan de Dios ein besonderes Flair. Sie ist eine Durchgangsstation zur Plaza de las Flores, die mit ihren Blumenständen, Sonnenschirmen und Markisen ein beliebter Treffpunkt ist. Zurzeit des Karnevals, für den Cádiz berühmt ist, finden hier viele Aufführungen statt. Im Mercado de Abastos, der auf allen Seiten Säulengänge mit dorischen Säulen aufweist, geht es besonders lebhaft zu. Einheimische Händler lassen sich in Aktion beobachten. In und außerhalb der Markthalle kann man an vielen Orten die beliebten „Tapas“, kleine kulinarische Köstlichkeiten, probieren.

An der Plaza Falla stößt man auf eine der großen Sehenswürdigkeiten der Stadt, das Gran Teatro Falla. Es ist Schauplatz für Theater- und Tanzaufführungen. Die Ziegel in verschiedenen Rottönen, halbrundförmig überwölbte Fenster und dekorative Bauelemente lassen an orientalische Architektur denken, ein Stil, der als Neo-Mudéjar bekannt ist.

Das „Museo de Cádiz“ beherbergt gleich drei Museen, darunter eines für die schönen Künste, mit Meisterwerken von Francisco de Zurbarán. Auch das unweit gelegene Oratorio de Santa Cueva wartet mit drei großartigen Gemälden von Francisco Goya auf, darunter das Letzte Abendmahl („La Santa Cena“). Die lebhaft-natürlich dargestellten Apostel, von denen einige auf dem Boden sitzen oder liegen, bilden ein Oval, dessen Zentrum Christus ist.

Erholung und Ruhe im Parque Genovés

Wer nach einer solchen Besichtigungstour Ruhe und Erholung sucht, ist mit dem Parque Genovés gut beraten. Über 100 botanische Arten aus aller Welt warten darauf, entdeckt zu werden. Eine Grotte mit Wasserfall und ein See, in dem es von Gänsen und Enten wimmelt, vermitteln ein malerisches Ambiente. Die reizende Skulptur von zwei Kindern mit Regenschirm steht exemplarisch für den Charme der Anlage.

Am Abend herrscht in der Nähe des Campo del Sur ein sacht rauschender Wellengang. Das Schauspiel der untergehenden Sonne ist von hier aus besonders schön anzusehen. Nach einiger Zeit berührt das Licht der Sonne die Kuppel und verleiht dieser einen besonderen Glanz. Ein krönender Abschluss des Tages.

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