Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Assistierter Suizid

Fährt Italien eine neue Strategie im Lebensschutz?

Italiens Parlament diskutiert eine restriktive Legalisierung des assistierten Suizids. Aufsehen erregt, dass auch Mitglieder der Päpstlichen Akademie für das Leben den Vorstoß befürworten.
Debatte um assistierten Suizid
Foto: Richard Wareham via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Papst hat sich wiederholt eindeutig gegen jegliche Form des assistierten Suizids ausgesprochen, zuletzt bei der Generalaudienz am 9. Februar.

Kürzlich hat der italienische Jesuit Carlo Casalone den Unmut von Lebensschützern erregt, als er ein aktuell im italienischen Parlament diskutiertes Gesetz zur restriktiven Legalisierung des assistierten Suizids befürwortete. Casalone ist Mitglied in der Päpstlichen Akademie für das Leben und erhält nun Rückendeckung von weiteren Mitgliedern der Akademie. Die katholische Tageszeitung „La Croix“ vermutet einen Strategiewechsel des Vatikans in Fragen des Lebensschutzes.

Verein fordert Referendum zur Legalisierung der Euthanasie

Der Gesetzesentwurf wird seit Dezember im italienischen Parlament diskutiert und soll in den kommenden Wochen abgestimmt werden. Parallel dazu fordert der Verein „Luca Coscioni“ ein Referendum zur Legalisierung der Euthanasie. Das Referendum möchte die aktive Sterbehilfe legalisieren und sie allein an die freie und informierte Zustimmung der volljährigen, zurechnungsfähigen Person knüpfen. Es könnte zugelassen werden, wenn keine baldige gesetzliche Regelung erfolgt. Sollte es Erfolg haben, so fürchtet Casalone, eine weitgehende Legalisierung der Euthanasie.

Lesen Sie auch:

Casalone argumentiert in einem konkreten Fall und einer akuten Situation für ein kleineres Übel, den restriktiven Gesetzesvorschlag, um ein größeres Übel, nämlich das Referendum, zu vermeiden. Knapp 60 Organisationen des Lebensschutzes haben sich in einer Stellungnahme gegen die Position Casalones ausgesprochen, während die französische Moraltheologin Marie-Jo Thiel und der Kanzler der Päpstlichen Akademie für das Leben, Renzo Pegaro, die Argumentation Casalones stützen.

Wie kann die Kirche an der Debatte teilnehmen?

Laut Pegaro sei die entscheidende Frage, wie die Kirche an der Debatte in einer pluralen Gesellschaft teilnehmen könne: „Entweder man tritt in die Debatte ein und versucht, das bestmögliche Gesetz zu fördern, oder man hält sich aus jeder Diskussion heraus und beschränkt sich auf die Bekräftigung von Grundsätzen, mit dem Risiko, ein noch schlechteres Gesetz durchgehen zu lassen.“ Die Kirche habe die Wahl, an der Aushandlung eines „unvollkommenen Gesetzes“ teilzunehmen oder sich auf Positionen zurückzuziehen, die in einer liberalen Gesellschaft nicht mehr hörbar seien.

Papst Franziskus selbst hat sich wiederholt eindeutig gegen jegliche Form des assistierten Suizids ausgesprochen, zuletzt bei der Generalaudienz am 9. Februar.  DT/fha

In der kommenden Ausgabe der Tagespost finden Sie eine ausführliche Darstellung der Debatte.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Papst Franziskus

Weitere Artikel

Trotz Gründer mit katholischem Hintergrund ist VOLT radikal progressiv.
28.08.2026, 09 Uhr
Henry C. Brinker
Die Evangelische Akademie Berlin muss wegen Kürzungen ihr Sommerfest absagen – das wirft ein Schlaglicht auf die Situation der kirchlichen Bildungsarbeit in Zeiten knapper Haushalte.
19.08.2026, 16 Uhr
Benjamin Lassiwe

Kirche

Der kanadische Bassbariton Philippe Sly stellte die Hauptrolle in Olivier Messiaens Oper „Saint François d’Assise“ dar. Zuvor lebte er zwei Monate bei den Salzburger Kapuzinern.
30.08.2026, 09 Uhr
Esther von Krosigk
Es war wohl die Gnade des besseren Arguments: Wie der bekannte amerikanische Youtuber und Philosoph Joe Schmid vom Agnostiker zum Katholiken wurde.
27.08.2026, 19 Uhr
Sebastian Ostritsch
Gottes Großzügigkeit soll sich im Handeln des Menschen spiegeln: In „Caritas in veritate“ von Papst Benedikt spiegelt sich ein revolutionärer Gedanke franziskanischer Tugend.
30.08.2026, 13 Uhr
Giuseppe Franco
Leo IV. baute die Leoninische Mauer, die über Jahrhunderte die ewige Stadt sicherte – 4. Teil der Reihe zu den Leo-Päpsten.
29.08.2026, 13 Uhr
Dirk Weisbrod