Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kinder, Küche, Kirche

Sommerkirche oder betreutes Basteln?

Was leisten kirchliche Ferienangebote für Kinder? Ein kleiner Erfahrungsbericht.
Kreide Straße
Foto: Imago/Silas Stein | Basteln allein reicht nicht: Kirchliche Ferienangebote können Kindern auch Glaubensinhalte und Gemeinschaft vermitteln.

Ferien bedeuten für Kinder nicht allein deshalb eine tiefgreifende Veränderung ihres Alltags, weil sie nicht zur Schule müssen; vielfach finden auch ihre gewohnten Freizeitaktivitäten – sei es in Sportvereinen, Kunst- oder Musikschulen oder bei den Pfadfindern – in der Ferienzeit nur reduziert oder gar nicht statt. Das gilt oft auch für kirchliche Kinder- und Jugendgruppen. Andererseits bieten viele Pfarreien und sonstige kirchliche Einrichtungen spezielle Ferienprogramme für Kinder an; in den nun zu Ende gehenden Sommerferien haben wir einige davon ausprobiert.

Lesen Sie auch:

Einen Teil unseres Sommerurlaubs verbringen wir alljährlich in dem kleinen Badeort an der Nordseeküste, in dem ich aufgewachsen bin; die dortige katholische Kirchengemeinde betreibt schon seit rund 40 Jahren Programme zur Urlauberseelsorge, die ich allerdings schon in meiner eigenen Kindheit in katechetischer Hinsicht eher als dürftig empfunden habe. Leider muss man sagen, dass sie seither noch erheblich dürftiger geworden sind: Das Kinderprogramm der dortigen „Sommerkirche“ beschränkt sich im Wesentlichen auf zwei Stunden „betreutes Basteln“ an fünf Tagen in der Woche.

Es hängt vom persönlichen Engagement ab

Ob damit überhaupt ein katechetischer Anspruch verknüpft wird – etwa in der Form, dass zunächst eine biblische Geschichte erzählt wird, zu der das anschließende Bastelangebot einen nachvollziehbaren inhaltlichen Bezug hat –, hängt vom persönlichen Engagement der jeweiligen Mitarbeiter ab; oft wird dem Bastelprogramm lediglich pro forma ein fromm klingendes Motto übergestülpt – nach dem Muster: Man gestaltet Windlichter und nennt die Veranstaltung „Gott schenkt Licht im Sturm“. Die Zielgruppe dieses Formats scheinen Familien zu sein, die sich der Institution Kirche irgendwie (noch) verbunden fühlen, an religiösen Inhalten aber eher wenig interessiert sind; diese will man in ihrer Kirchenbindung bestärken, ohne sie inhaltlich irgendwie herauszufordern.

Kaum zurück von der Nordsee, nahm unsere achtjährige Tochter erstmals an einer von unserer Nachbarpfarrei ausgerichteten „Religiösen Kinderwoche“ (RKW) teil. Wer meint, der Name dieses Veranstaltungsformats klinge irgendwie „DDR-mäßig“, der täuscht sich nicht: Es stammt tatsächlich aus der DDR und wurde dort schon in den 1950er-Jahren als kirchliches Alternativangebot und Gegengewicht zu staatlich organisierten Ferienlagern entwickelt. Heute ist die RKW in den ostdeutschen Bistümern ein gut etablierter „Markenartikel“. Über die katechetische Qualität der alljährlich von einer bistumsübergreifenden Arbeitsgemeinschaft bereitgestellten Materialien darf man geteilter Meinung sein; entscheidend ist wie so oft auch hier, was die jeweiligen Mitarbeiter daraus machen.

Das Potenzial, das dieses Veranstaltungsformat bietet, ist jedenfalls nicht zu verachten: Eine volle Woche lang wird der Tagesablauf der Kinder strukturiert durch Morgen- und Abendandachten, gemeinsame Mahlzeiten und die Auseinandersetzung mit biblischen Texten – in diesem Jahr ging es um Mose und den Auszug aus Ägypten. Dass bei alledem auch noch genug Zeit zum Baden, Fußball- und Volleyballspielen oder auch für eine Kanutour bleibt, trägt nicht nur dazu bei, dass die Kinder „positive Erfahrungen im Zusammenhang mit Kirche“ machen, wie es im Pastoraljargon heißt, sondern es erleichtert den Kindern auch, innerhalb der Kirchengemeinde Freundschaften zu schließen, was gerade in der Diaspora nicht unbedingt von allein passiert.

Lesen Sie auch:

Hervorzuheben ist auch, dass sich das Format RKW an eine Altersgruppe richtet, zu der die Kirchengemeinden – im Zeitraum zwischen Erstkommunion und Firmung – ansonsten nur allzu leicht den Kontakt verlieren würden. Wünschenswert wäre es zweifellos, wenn es auch außerhalb der Ferienzeit mehr Angebote für diese Zielgruppe gäbe, mit denen die Gemeinschaftserfahrung der RKW aufgegriffen, vertieft und verstetigt werden könnte.


Der Autor studierte Theaterwissenschaft und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft. Er hat zwei kleine Kinder und lebt mit seiner Familie in Berlin.

Jetzt die „Tagespost“ abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Tobias Klein Katholische Kirchengemeinden Kirchengemeinden Pfadfinder

Weitere Artikel

Die Handynutzung der Anderen: Was ich bei einer Diskussion über eine Ferienfreizeit über Erziehung gelernt habe.
06.07.2026, 05 Uhr
Tobias Klein
Am 15. Februar wird die KPE 50 Jahre alt. Die Bundesmeisterin Nina Haberl und der Bundeskurat Pater Markus Christoph SJM geben Einblick in ihre Geschichte, Werte und Visionen.
14.02.2026, 14 Uhr
Annalia Machuy
„Sunny Dancer“: krebskranke Jugendliche im „Chemo-Camp“ wollen keine tragischen Helden sein.
13.08.2026, 13 Uhr
Norbert Fink

Kirche

Acht Mittwochskatechesen lang wirbt Leo XIV. dafür, im nachkonziliaren Gottesdienst die wahrhaft göttliche Liturgie zu entdecken. Aufschlussreich ist auch, was der Papst nicht sagt.
26.08.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Nach 16 Jahren als Abt reicht Maximilian Heim den Staffelstab weiter. Die zurückliegende Visitation des Klosters mag belastend gewesen sein, die Ergebnisse waren es nicht.
26.08.2026, 10 Uhr
Stephan Baier
Mehr als 500 Menschen feiern in Treppeln den Baufortschritt am Bernhardshof. Die Zisterzienser von Neuzelle wollen hier im kommenden Jahr einziehen.
25.08.2026, 18 Uhr
Rocco Thiede
Kein Happy-End in der Basilika? Um die zeitgenössische Formensprache ist ein Konflikt entbrannt.
24.08.2026, 18 Uhr
Angela Hörnig