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Spaßvögel Gottes

Lachen, Scherze und Fröhlichkeit dürfen ihren festen Platz in unserem Leben haben, wenn wir Freunde Gottes sind. Was wir von großen Heiligen darüber lernen können.
Zwei Freunde lachen unter einem Regenschirm im Regen. Kinder werden im Freien vom Regen überrascht.
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Svetlana (www.imago-images.de) | Wer den lieben Gott kennt, dem kann auch der Regen die Freude nicht verderben!

Fastnacht, Fasching, Karneval: wenn Dir einer dieser Ausdrücke vertraut ist, wohnst Du wahrscheinlich in einer Gegend, in der es momentan ziemlich närrisch zugeht: Menschen verkleiden sich, schminken sich die Gesichter und ziehen begleitet von lustiger Musik durch die Straßen. Es werden Süßigkeiten verteilt, es wird gelärmt und gefeiert und sogar Erwachsene spielen einander Streiche und lachen mehr als sonst.

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Mit Gott und seiner Kirche scheinen diese Tage – abgesehen von einigen als Nonnen, Engel oder Mönche verkleideten Gestalten – nicht viel zu tun zu haben. Die Faschingszeit ist zwar auch in der kirchlichen Tradition eine Zeit, in der die Menschen das Leben unbeschwert genießen und sich selbst und andere etwas weniger ernst nehmen, bevor mit der Fastenzeit eine Zeit der Stille, des Verzichts und der inneren Vorbereitung auf das Osterfest beginnt. Wenn man sich allerdings unter den Heiligen umschaut, die in den Kirchen dargestellt sind, trifft man eher auf selig Richtung Himmel lächelnde Gesichter oder sogar den einen oder anderen strengen Blick. Lautes Lachen, lustiges Toben oder harmlose Streiche sind scheinbar in der Kirche nicht gern gesehen. Ob man wohl auch in den Himmel kommen kann, wenn man diese Dinge liebt?

Der verschmitzte Akrobat

Die folgenden Beispiele zeigen, dass Humor, Fröhlichkeit und sogar der eine oder andere Streich nicht nur möglich, sondern im Fall mancher Heiliger sogar wesentlich dafür waren, dass sie Gott – und den Menschen – besonders nahekamen.

Giovanni Bosco war ein Priester, der sich vor etwa 150 Jahren im italienischen Turin um arme Jugendliche kümmerte. Er spielte mit ihnen, machte Wanderungen, lebte und lernte mit ihnen und erzählte ihnen dabei von Gott und seiner Liebe. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, jonglierte er auf den Straßen, führte Zaubertricks vor und begeisterte seine jungen Zuschauer mit akrobatischen Kunststücken. Er gründete Oratorien, das sind Häuser, in denen die Jugendlichen leben, spielen, lernen und den Glauben kennenlernen konnten. Zwei Priester, die ihn um seinen Erfolg beneideten, wollten ihn in ein Irrenhaus bringen und für verrückt erklären lassen. Er roch den Braten, ließ sie zuerst in die bereitgestellte Kutsche einsteigen, schlug dann die Tür zu, gab den Pferden einen Klaps und soll dem Kutscher lachend zugerufen haben: „Bring sie ins Irrenhaus! Sie werden schon erwartet!“

Der Lausbub des Herrn

 Wer mit Pier Giorgio Frassati Zeit verbrachte, musste damit rechnen, früher oder später Opfer seiner vielen Streiche zu werden. Als gutaussehender und fröhlicher Student hatte er einen großen Freundeskreis, den er nicht nur regelmäßig zum Lachen brachte, sondern auch mit seinem tiefen Glauben ansteckte. Er schleppte seine Freunde auf Wanderungen, Einkehrtage und in die Messe, wobei er sicherstellte, dass der Spaß nicht zu kurz kam: So faltete er heimlich die Laken ihrer Betten um, sodass sie beim Schlafen die Beine nicht ausstrecken konnten oder weckte sie bei Sonnenaufgang mit einer Spielzeugtrompete, damit sie die heilige Messe nicht verschliefen. Während er auf der Universität eine Prüfung schrieb, ließ er dem beaufsichtigenden Professor ein Paket liefern, aus dem es bald tropfte: es war voller Eiscreme!

Magdalena Rauter
Foto: Privat | Magdalena Rauter ist Betriebswirtin, Kinderkatechetin und führt ihr eigenes Familienunternehmen mit drei kleinen Mitarbeitern.

Gemeinsam mit seinem besten Freund Marco gründete er die „Gesellschaft der zwielichtigen Typen“, eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam Bergtouren unternahmen, ihren Glauben pflegten und füreinander beteten. Als Pier Giorgio mit 24 Jahren an Kinderlähmung starb und ihn seine Familie zu Grabe trug, säumten zahllose Obdachlose und Bettler die Straßen – Menschen, denen er über Jahre, unbemerkt von seiner Familie, beigestanden und geholfen hatte.

Der lachende Heilige

Der wohl am meisten ausgelachte und belächelte Heilige der Geschichte war Philipp Neri, der vor etwa 500 Jahren in Rom lebte. Bemerkenswert dabei ist, dass er es nicht nur geschehen ließ, sondern es regelrecht darauf anlegte, vor anderen lächerlich dazustehen. Philipp, auch „Pippo Buono“ (der gute Pippo) genannt, stammte aus gutem Hause, ließ aber den Wohlstand hinter sich, um sich auf den Straßen und Plätzen Roms um Kranke und Arme zu kümmern. Er war immer zu Scherzen bereit, um seine Schützlinge aufzuheitern. Bald wurde er als besonderer Freund Gottes weithin bekannt und berühmt – man riss sich darum, mit ihm zu sprechen oder ihn zu Gast zu haben. Philipp wollte nicht zulassen, dass ihm seine Bekanntheit zu Kopf stieg, und machte sich darum absichtlich zum Gespött der Leute: So trug er seine Kleider verkehrt herum und seine Schuhe einige Nummern zu groß, oder erschien zu einer Einladung mit einem halben Bart im Gesicht – die andere Hälfte hatte er sich abrasiert! Manchmal lief er mit einem Bündel Reisigbesen durch die Straßen und roch immer wieder daran, als ob es Blumen wären.

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Als er später eine Priestergemeinschaft gründete, trug er seinen Mitbrüdern ebenfalls auf, sich in Demut zu üben, indem sie sich vor den Leuten – buchstäblich – zum Affen machten: Als ein Kardinal zu Besuch kam, schickte er einen jungen Mitbruder in den Speisesaal – mit einem Affen auf der Schulter, der eine Pistole in der Hand und einen Priesterhut auf dem Kopf trug! Nichts vor anderen zu gelten, ja sogar zu Unrecht für dumm, eitel oder verrückt gehalten zu werden, war Philipps Methode. Er wusste, dass sie ihm dazu diente, nicht auf die Meinung der Menschen zu achten, sondern nur darauf zu schauen, was Gott von ihm hielt.

Lachen ist ansteckend

Seinen Humor nutzte Philipp aber nicht nur für sich selbst, sondern manchmal auch dazu, um anderen eine Lektion zu erteilen. Als eine Dame ihm im Beichtstuhl gestand, dass sie nicht von ihrer Gewohnheit wegkäme, schlecht über andere zu sprechen, ließ er sie auf den Markt gehen, um ein Huhn zu holen, es zu rupfen und die Federn auf der Straße zu verteilen. Als sie zurückkam und ihm meldete, sie hätte die Aufgabe erfüllt, schickte er sie wieder los, um die Federn wieder aufzusammeln. Auf ihre ratlose Reaktion hin meinte er nur: „Siehst du, genau so ist es auch mit den bösen Worten, die du sprichst – sie lassen sich nur schwer wieder einfangen!“

Gott liebt das Lachen, und er liebt die Freude. Sie ist das Markenzeichen derjenigen, die sich von ihm beschützt und geliebt wissen. Unabhängig davon, wie es uns geht, können wir uns entscheiden, uns auf seine Liebe für uns zu konzentrieren und trotzdem fröhlich zu sein. Eine solche Freude ist faszinierend und ansteckend, denn sie zeigt anderen Menschen, wie schön es ist, von Gott geliebt zu sein. Wer über sich selbst lachen kann, ist frei. Wer andere zum Lachen bringen kann macht sich selbst zum Geschenk. Das wusste auch die heilige Teresa von Avila, die selbst gerne lachte, feierte und tanzte, als sie schrieb: „Der liebe Gott bewahre uns vor Heiligen mit finsteren Mienen!“

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