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Ein Weg mit Jesus

Der Beginn der Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, das Kirchenjahr als Ganzes zu betrachten.
Das Kirchenjahr ist wie eine Bergwanderung: Nach beschwerlichen Aufstiegen kommt die Zeit des Feierns.
Foto: IMAGO/Zoonar | Das Kirchenjahr ist wie eine Bergwanderung: Nach beschwerlichen Aufstiegen kommt die Zeit des Feierns.

Gehörst du zu den Glücklichen, die ausgelassen Fasching feiern und den Karneval genießen können? Oder musst du in die Schule gehen? Doch ganz egal, aus welcher Region du kommst, – nach dem Kehraus ist Schluss mit lustig; denn am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Die gute Nachricht lautet aber: Um Ostern herum haben alle ein paar Tage frei – vielleicht sogar Ferien! Nach dem Spaß kommt zwar der Ernst, aber nach dem Ernst die Freude. Für uns ein Anlass, einmal über den Rhythmus des Jahres und den Ablauf des Kirchenjahres nachzudenken.

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Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass sich die Ferienordnung meist an christlichen Festen orientiert: An Weihnachten und Ostern haben eigentlich alle frei, viele auch an Pfingsten, manche sogar an Allerheiligen und in der närrischen Zeit vor dem Aschermittwoch. Das Schuljahr hat also eine ähnliche Struktur wie das Kirchenjahr. Und da ist die Fastnacht eine Zäsur, denn da endet der „Weihnachts-Festkreis“, und der „Oster-Festkreis“ beginnt. Die beiden Festkreise kann man mit zwei Bergwanderungen vergleichen: Sie haben einen Aufstieg, einen Höhenweg und einen Abstieg. Du kannst den Weg auf der Wanderkarte verfolgen, die du mithilfe des QR-Codes oder des Links am Ende dieses Textes findest.

Aschermittwoch ist der zweite Aufstieg

Der erste Anstieg heißt „Advent“. Am Heiligen Abend haben wir den Gipfel erreicht; dann wandern wir auf der weihnachtlichen Hoch-Zeit über den Sonntag der Heiligen Familie und den Neujahrstag, der Maria als Muttergottes geweiht ist, hinüber zum Dreikönigsfest „Erscheinung des Herrn“ (oder Epiphanie). Dann führt uns der Weg durch die „Zeit im Jahreskreis“ über die „Taufe des Herrn“ und „Darstellung des Herrn“ (Mariä Lichtmess) wieder hinab ins Faschings-Tal.

Der Aschermittwoch leitet nun den zweiten Aufstieg ein: Die Fastenzeit ist (wie der Advent) wieder eine Zeit der Vorbereitung. Sie erfordert Anstrengung und Verzicht, doch die vierzig Tage der Buße werden mit der Aussicht auf den Ostergipfel belohnt. Im Gottesdienst erkennt man die beiden Anstiege an der violetten Farbe der liturgischen Gewänder (und der Ambo- und Kelchtücher), denn Lila ist die Farbe der Besinnung, der Umkehr und des Übergangs. Am vierten Sonntag der Fastenzeit (und am dritten der Adventszeit) leuchtet allerdings schon die Vorfreude auf Ostern (bzw. Weihnachten) durch, sodass in manchen Kirchen auch die Farbe Rosa zum Einsatz kommt.

Die blutrote Farbe steht für das Leiden Jesu

Bevor wir aber die Auferstehung Jesu feiern können, müssen wir ihn nach Jerusalem hinaufbegleiten, wo er die letzte Woche seines irdischen Lebens verbracht hat. Die „Heilige Woche“, auch Karwoche (das heißt Trauerwoche) genannt, beginnt am Palmsonntag, als Jesus auf einem Esel als Friedenskönig in Jerusalem einzog. Die rote Farbe deutet bereits auf sein bevorstehendes Leiden hin und auf das Blut, das er aus Liebe für uns vergossen hat. Am Gründonnerstag lädt uns der Herr zum letzten Abendmahl ein, als er die Eucharistie eingesetzt hat: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Danach ging Jesus auf den Ölberg, wo er verraten und ausgeliefert wurde. Am Karfreitag gedenken wir seiner Verurteilung und Hinrichtung am Kreuz. Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe – der einzige Tag im Kirchenjahr, an dem weder die heilige Messe gefeiert wird, noch geheiratet wird. Christus stieg in das Reich der Toten hinab, um die armen Seelen zu erlösen, damit sie mit ihm zum ewigen Leben auferstehen. Dann hat er seinen Leib auferweckt und ist zuerst seinen Jüngerinnen und dann den Jüngern erschienen. Das Osterfest ist der absolute Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres, denn mit seiner Auferstehung hat Jesus den Tod besiegt und uns aus dessen Gewalt befreit.

Florian Kopp
Foto: Privat | Florian Kopp ist ständiger Diakon, Lehrer und Theologe und lebt mit seiner Frau und vier Kindern in der Nähe von Landsberg am Lech.

Vierzig Tage lang hat der Auferstandene die Apostel begleitet, bis er an Christi Himmelfahrt zu seinem Vater gegangen ist. Darauf haben die Jünger mit Maria zehn Tage um den Heiligen Geist gebetet, der an „Pfingsten“ (griechisch pentekoste = „der fünfzigste Tag“ der Osterzeit) die Liebe Gottes in ihre Herzen gegossen hat. Deshalb auch an Pfingsten die Farbe Rot. Von Aschermittwoch bis Pfingsten sind es also gut drei Monate. Nun beginnt ein langsamer Abstieg: Diese zweite „Zeit im Jahreskreis“ dauert von Juni bis November (also ein halbes Jahr) und trägt grün, die Farbe der Hoffnung und des Wachstums.

Der Christkönigssonntag kommt zum Schluss

Aber auch hier gibt es einige weiße Licht- und Freudenfeste, die auf der Wanderkarte eingetragen sind. Das Kirchenjahr endet schließlich mit dem Christkönigssonntag und der Hoffnung, dass Christus wiederkommen wird, um sein Reich zu vollenden und die Geschichte der Menschheit an ein gutes Ende zu führen. Bis zu seiner endgültigen Ankunft (lateinisch adventus) werden wir jedes Jahr von neuem „Advent“ feiern und an sein erstes Kommen erinnern. Das Kirchenjahr ist eine Einladung, Jahr für Jahr das Leben Jesu zu betrachten und seine Frohe Botschaft zu feiern. Hier gibt's die „Wanderkarte“:

Download: Wanderkarte: Ein Weg mit Jesus

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