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Birgit Kelle: Menschenhandel im Namen der Toleranz

Im Interview spricht die Publizistin über ihr neues Buch, in dem sie die Leihmutterschaftsindustrie in Deutschland unter die Lupe nimmt.
Obwohl Leihmutterschaft in Deutschland nicht erlaubt ist, blüht die Industrie, so Birgit Kelle.
| Obwohl Leihmutterschaft in Deutschland nicht erlaubt ist, blüht die Industrie, so Birgit Kelle.

In ihrem neuen Buch „Ich kauf mir ein Kind“ hat sich die Publizistin Birgit Kelle kritisch mit der gesetzlichen Regelung von Leihmutterschaft in Deutschland auseinandergesetzt. Obwohl Leihmutterschaft und deren Vermittlung in Deutschland verboten seien, werde diese immer wieder von Deutschen legal in Anspruch genommen – mittels Werbung für Leihmutterschaft im Ausland, für die in Deutschland geworben werde. „Mir ist es ein Rätsel, warum es die deutschen Behörden nicht interessiert, dass in Deutschland strafbare Dienstleistungen von Ausländern auf deutschem Boden völlig legal angeboten werden“, so Kelle.

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Kelle merkt an, dass nie gerichtlich geklärt worden sei, ob die gesetzliche Lage Werbung für eine in Deutschland illegale Dienstleistung durch ausländische Anbieter wirklich erlaube: Das Thema werde auch derzeit von keiner politischen Partei aufgegriffen, lediglich einige christliche Lebensschützer und linke Feministinnen würden protestieren. Kinderwunschmessen fänden diskret statt und würden daher kaum wahrgenommen. 

„Altruistische Leihmutterschaft“ keine Alternative

Die Publizistin warnt auch vor dem Modell der „altruistischen Leihmutterschaft“, für das die FDP derzeit werbe. Dabei trägt eine Freundin, Verwandte oder sonstige Freiwillige, ohne Bezahlung zu verlangen, für eine unfruchtbare oder kranke Frau ein Kind aus.: „[Es] zeigt zum Beispiel der Fall Großbritannien, dass bei der dort legalen ‚altruistischen‘ Leihmutterschaft immer noch ordentlich Geld an die Leihmutter fließt – angeblich aber nicht als Honorar, sondern ‚lediglich‘ als Aufwandsentschädigung für die Mühen der Schwangerschaft“, kritisiert Kelle.  Selbst wenn kein Geld an die Leihmutter fließe, handele es sich außerdem immer noch um ein Geschäftsmodell für Ärzte und Labore, wobei in diesem Fall die Leihmutter für das eingegangene körperliche und psychische Risiko nicht einmal entschädigt werde.

Kelle weist darauf hin, dass in Großbritannien Agenturen für altruistische Leihmutterschaft Kunden zu kommerziellen Leihmüttern in anderen Ländern vermitteln würden, wobei auch die künstliche Befruchtung zum Teil sogar in einem dritten Land stattfinde. „Die großen Firmen nutzen die unterschiedlichen Recht-sprechungen in den einzelnen Ländern auf diese Weise gezielt aus“, so Kelle. Die Publizistin bedauert die gesellschaftliche Akzeptanz der Leihmutterschaft als Zivilisationsbruch: „Wir reden plötzlich wieder Menschenhandel salonfähig, und zwar im Namen der Toleranz“. DT

„Kinderfarmen“, Sexhandel, Organspende: Im Interview mit der „Tagespost“ spricht Birgit Kelle auch über weitere dunkle Seiten der Leihmutterschaft. Lesen Sie den ganzen Text in der nächsten Ausgabe.

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