Finalwürdiges Zehn-Tore-WM-Spektakel beim Spiel um Platz drei: Es rettete Englands deutschem Trainer Thomas Tuchel wohl den Kopf. Finalunwürdig das Duell zwischen Spanien und Argentinien um den 6-Kilo-Goldpokal: Das Spiel vor den Toren New Yorks präsentierte sich als kampfbetonte Fußballschlacht ohne technisch-taktische Höhepunkte. Den gut zwanzig Torchancen der Iberer mit dem einen Siegtreffer hatten die wütenden Gauchos lediglich ein einziges Torschüsschen entgegenzusetzen. So geschah Unerwartetes: Das bei echten Fans verhasste Pausenprogramm nach amerikanischem Football-Vorbild geriet zum weltmeisterlichen Entertainment-Höhepunkt, ob es einem gefiel oder nicht.
Shakira und Burna Boy ließen es mit dem WM-Song „Dai Dai“ richtig krachen, wobei der nigerianische Musiker sich diesmal, anders als sonst, kaum einmal in den Schritt fasste, eigentlich der typisch laszive Move im Bühnenrepertoire des Afro-Fusion-Stars. Vielleicht war’s ja auch wegen der Kinder unter den Zuschauern – oder aus freundlicher Rücksichtnahme auf Shakiras Ex: Deren ehemaliger Partner, der spanische Ex-Nationalspieler Gerard Piqué, war bei dem Turnier als Experte und Zuschauer anwesend. Justin Bieber gab den gereiften Boygroup-Oldie und Robbie Williams erinnerte daran, dass man auch als berufsjugendlicher Chartstürmer die grauen Haare nicht verhindern kann. Dass er nach dem Spiel tatsächlich zu einem launigen Interview in die Magenta-Lounge des rosa Riesen Telekom kam, muss für den alles übertragenden Privatsender der triumphale Finalsieg gegen das reichlich verschnarchte ZDF gewesen sein.
Volltreffer Klopp
Robbie Williams analysierte treffend die Mentalitätsdefizite seiner Engländer, ohne in banales Tuchel-Bashing zu verfallen. Schließlich forderte er Jürgen Klopp auf, den er anscheinend gut kannte, künftig bitte England zu trainieren. Geschmeichelt wie entschlossen winkte der künftige deutsche Nationaltrainer ab: zu spät, diese Anfrage.
Klopp hatte sich als Co-Kommentator während der gesamten WM als Volltreffer von Magenta entpuppt. Alles drehte sich ohnehin um ihn, sobald Deutschland ausgeschieden war und die Trainerdiskussion nach dem Nagelsmann-Rücktritt Fahrt aufnahm. Und am Spielfeldrand kamen Mbappé und andere angelaufen, um dem für Magenta moderierenden deutschen Star-Trainer „Hallo“ zu sagen. Bei ARD und ZDF saßen die Experten dagegen auf der Studio-Couch. Aber wer hätte in den WM-Arenen auch Freiburgs sympathischen Ex-Trainer Streich schon erkannt?
ÖRR gegen Magenta: Sieg für die Privaten. Dennoch konnten auch ARD und ZDF Einschaltrekorde verbuchen.
Gesamtsieger der WM 2026 bei uns, in Amerika und global: unerwarteterweise der Fußball selbst. Die 48 Mannschaften waren ein Gewinn an Vielfalt und Weltoffenheit für den Sport – guten Fußball gibt es heute rund um den Globus, sogar auf den kleinsten Inseln. Nicht einmal Infantino und sein Buddy Trump brachten die Faszination des Spiels zu Fall, Telefonanruf hin oder her. Am Ende musste Infantino den greisen Präsidenten von den feiernden Spaniern wegziehen, um den großartigen Gewinnern die Bühne in Gänze zu überlassen. Dabei hätte die Trumpsche Seele die feierseligen Streicheleinheiten auf der Bühne gut gebrauchen können: Allzu demütigend war das Pfeifkonzert ausgefallen, als der mächtigste Mann der Welt zur Siegerehrung an Infantinos Seite den Rasen betrat. So sieht kein König aus. Wie man es richtig macht, zeigte König Felipe, der samt mitangereister Familie seinen Spaniern so respektvoll wie emphatisch gratulierte. In vier Jahren ist diese Weltmacht desFußballs selbst Gastgeber der WM.
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