Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kassel

Wegen Äußerungen über Homosexuelle: Prozess gegen Ulrich Kutschera

Der Prozess gegen den Kasseler Biologieprofessor Ulrich Kutschera hat begonnen. Der Vorwurf: Volksverhetzung.
Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera vor Gericht
Foto: Göran Gehlen (dpa) | Biologie-Professor steht wegen Äußerungen zu Homosexuellen vor Gericht.

Der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera steht vor Gericht. Das Amtsgericht Kassel hat zu klären, ob der Wissenschaftler sich der Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und Verleumdung schuldig gemacht hat. Darüber berichtet die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) in ihrer Online-Ausgabe.

Umfangreiche Beweisanträge

Der Prozess gegen den Kasseler Biologieprofessor wird unter großem öffentlichen Interesse geführt, musste aber am Mittwoch ergebnislos vertagt werden. Selbst eine mehr als sechsstündige Verhandlung reichte nicht, um den umfangreichen Anträgen gerecht zu werden. Kutscheras Verteidiger Markus Sittig stellte 14 Beweisanträge. Durch die Anhörung von verschiedenen Wissenschaftlern und einem Kinderarzt soll gezeigt werden, dass Kutscheras Äußerungen wissenschaftlich belegte Tatsachen darstellen.

"Homo-Ehe" als "Kinderschänder-Szenario"

Kutschera hatte in einem Interview, das 2017 auf „kath.net“ erschienen war, unter anderem gesagt, die „Homo-Ehe“ eröffne ein „mögliches Horror-Kinderschänder-Szenario“. Bei einem Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare sehe er „staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen“.

Kutschera zitiert Studien aus den USA

Unter Berufung auf Studien aus den USA hatte Ulrich Kutschera damals gegenüber der HNA eine „mindestens 10-fach höhere Wahrscheinlichkeit einer Kindesmisshandlung“ in gleichgeschlechtlichen Beziehungen als Grund für seine Befürchtungen angeführt. Was den sexuellen Missbrauch betrifft, verweist der Evolutionsbiologe auf den begünstigenden Wegfall der „Inzest-Hemmung“ bei fehlender Blutsverwandtschaft von Eltern und (adoptierten) Kindern.

Fortsetzung ungewiss

Da die Suche nach einem Fortsetzungstermin innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen drei Wochen scheiterte, setzte der Richter das Verfahren aus. Es muss daher neu aufgerollt werden.

DT (jobo)

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Josef Bordat Adoptionsrecht Kindesmissbrauch Ulrich Kutschera

Weitere Artikel

Vor 50 Jahren endete „Der Kommissar“. Noch heute erzielt er im Netz sechsstellige Klickzahlen, auch wegen der besonderen Perspektive auf die Bundesrepublik.
09.02.2026, 15 Uhr
Sebastian Zellner
Erste qualitative Studie zu sexualisierter Gewalt an öffentlichen Schulen beleuchtet Täterstrategien und häufiges Wegsehen von Seiten der Verantwortlichen.
08.01.2026, 19 Uhr
Markus Hoffmann
Social Media erst ab 16? Die umstrittene verpflichtende Chatkontrolle kommt jedenfalls vorerst nicht. So positioniert sich die EU zwischen Kinder- und Datenschutz.
27.11.2025, 13 Uhr
Meldung

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Johannes Hartl hat theologische Ansätze kritisiert, die überlieferte Glaubenswahrheiten relativieren. Warum Hartl recht und seine Kritiker unrecht haben.
12.02.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch