Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Afghanistan

„Tagespost“-Autor: Fontane sah das Scheitern in Afghanistan „prophetisch“ voraus 

Laut Tagespost-Autor David Boos genügt ein Blick in die Literaturgeschichte, um die immer wiederkehrende Tragik der westlichen Ambitionen in Afghanistan zu zeigen.  
Theodor Fontane,  Schriftsteller
Foto: - (dpa) | Der deutsche Schriftsteller Theodor Fontane, hier in einer zeitgenössischen Darstellung, sah das Scheitern in Afghanistan geradezu prophetisch vorher.

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts sei Afghanistan vermehrt im Genre des Abenteuerromans aufgetaucht: „Zwar reiste Karl May in seinen orientalischen Erzählungen nie so weit ostwärts, seine britischen Pendants jedoch, die Afghanistan in ihren Werken thematisierten, zeugten aber von einem ähnlichen Geist.

Lesen Sie auch:

Dessen zwiespältige Haltung zu den exotisch anmutenden Einheimischen pendelte immer zwischen dem Ideal des edlen Wilden und einer zurückgebliebenen Stammesgesellschaft, der es das Licht der Zivilisation zu bringen galt.“

Ein Trauerspiel

Der Mensch des Abenteuerromans werde in Afghanistan mit Fragen konfrontiert, die er nicht beantworten könne. „Die Antworten jedoch fand die Kunst in Balladen, realistisch, poetisch und schonungslos, ob nun im “Young English Soldier” oder in Theodor Fontanes “Das Trauerspiel von Afghanistan” (1859). 

Fontane fasst die Tragik des britischen Scheiterns beim Rückzug aus Kabul zusammen und setzte damit fast schon prophetisch dem ewigen Scheitern des Westens in Afghanistan ein literarisches Denkmal, das dieser Tage so gültig erscheinen muss wie am Tag der Niederschrift“, schreibt David Boos und zitiert den Dichter:

 „Die hören sollen, sie hören nicht mehr, 
Vernichtet ist das ganze Heer, 
Mit dreizehntausend der Zug begann, 
Einer kam heim aus Afghanistan.“ 
 

DT/mee

David Boos über die Afghanistan-Miseren des Westens im Spiegel der Literatur. Lesen Sie den ganzen Text in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Das Epaper können Sie

Themen & Autoren
Vorabmeldung Theodor Fontane

Weitere Artikel

Von heidnischen Heiligtümern über die Mission der Ottonen bis zu den Zisterzienserklöstern: Erst das Christentum brachte der Mark Brandenburg dauerhaft Schrift, Baukunst und Kultur.
15.02.2026, 07 Uhr
José García
Taybeh wird mit dem biblischen Ephraim identifiziert und steht nicht nur für eine vergessene Facette des Nahostkonflikts. Er ist auch das letzte Relikt aus einer Zeit.
28.10.2025, 15 Uhr
Bodo Bost
Bereits Theodor Fontane wusste: „Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf“ – nicht einmal KI! Ist das vielleicht ganz gut so?
21.06.2025, 05 Uhr
Engelbert Recktenwald

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok