Nach Großbrand

Notre-Dame de Paris soll 2024 neu erstrahlen

Der Wiederaufbau des Pariser Gotteshauses nimmt den Betrachter mit auf eine einzigartige Zeitreise in die Phase der Erbauung gotischer Kathedralen.
Restauration der Wandbemalungen in den Seitenkapellen der Pariser Kathedrale Notre-Dame
Foto: David Bordes / Etablissement public chargé de la conservation et de la restauration de la cathédrale Notre-Dame de Paris | Restauration der Wandbemalungen in den Seitenkapellen der Pariser Kathedrale Notre-Dame.

Dreieinhalb Jahre nach dem großen Brand vom 14. April 2019 stehen die Arbeiten an der Kathedrale Notre-Dame de Paris an einem Wendepunkt. Nach einer langen Phase der Sicherung und Konsolidierung des gotischen Gotteshauses ist nun die eigentliche Restaurierung in vollem Gange. 

Die riesige Baustelle im Herzen der Stadt nimmt den Betrachter mit auf eine einzigartige Zeitreise in die Phase der Erbauung gotischer Kathedralen.  Das Jahr 1163 markiert die Grundsteinlegung von Notre-Dame de Paris, einem der frühesten gotischen Kirchengebäude Frankreichs. Heute wie damals sind Zimmerleute und Schreiner, Maurer und Steinmetze, Maler, Glasermeister, Metallarbeiter und viele andere Handwerks- und Kunsthandwerksberufe an der Arbeit, um dem Gotteshaus seinen Glanz zurückzugeben.

Der gesamte Innenraum wird gereinigt und restauriert

Vor Kurzem haben Steinmetze und Maurer das Gewölbe des nördlichen Seitenschiffs fertiggestellt und aus der Mitte der Kathedrale ragt jetzt ein 600 Tonnen schweres Gerüst. Die nächtliche Beleuchtung von Gerüst und Kran verleihen dem Gotteshaus das gespenstische Aussehen einer Kathedrale aus Eisen. Ganz im Gegensatz dazu dominieren in ihrem Inneren die warmen Farben der zu restaurierenden Fresken und Fenster. Als Folge des Feuers wird zum ersten Mal in ihrer Geschichte der gesamte Innenraum der Kathedrale gereinigt und restauriert, einschließlich der 24 Kapellen: Das sind 42.000 Quadratmeter Wandfläche plus Kirchenfenster und Kunstwerke. Dazu gehört etwa die berühmte Chorschranke aus dem frühen 14. Jahrhundert oder der 25 Meter lange, eine Tonne schwere Teppich des Chorraums.

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Ein Besuch in einer Glasereiwerkstatt liefert einen faszinierenden Einblick in einen der an der Restaurierung mitwirkenden Berufe, dessen Techniken und Materialien sich seit dem Mittelalter nicht wesentlich verändert haben. „Restaurierung ist eine Begegnung mit einer anderen Epoche. Je nach Epoche und Herkunft variieren die angewandten Techniken der Glaserei und Glasmalerei. Daher ist Kunstgeschichte ein wesentlicher Teil der Ausbildung und der täglichen Arbeit“, erklärt Glasermeister Emmanuel Putanier, dessen Betrieb im französischen Département Sarthe zehn Bleiglasfenster aus dem Hauptschiff von Notre-Dame restauriert.

Ein Sonderbeauftragter des Präsidenten

Bauherr von Wiederaufbau und Restaurierung ist eine zu diesem Zweck öffentliche Einrichtung, die von General Jean-Louis Georgelin als Sonderbeauftragtem des Präsidenten der Französischen Republik geleitet wird. Die öffentliche Einrichtung arbeitet eng mit dem Erzbistum Paris als Nutznießerin der Kathedrale zusammen, das für ihre liturgische Neuausstattung verantwortlich zeichnet. Vor genau einem Jahr hatte sich ein breiter Protest gegen Pläne des Erzbistums zur Einrichtung eines Rundgangs für Touristen entlang thematisch gestalteter Seitenkapellen mit moderner Kunst und Klang- und Lichteffekten formiert.  DT/fha

Einen detaillierten Bericht zum aktuellen Stand der Restaurierungsarbeiten sowie eine Reportage in einer Glasereiwerkstatt finden Sie in der nächsten Ausgabe der „Tagespost“.

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