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Neuer Thomaskantor Reize: Ein Katholik bricht die protestantische Tradition

Der Leipziger Stadtrat hat den Katholiken Andreas Reize zum 18. Nachfolger Johann Sebastian Bachs gewählt. Warum das in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert ist.
Dirigent Andreas Reize
Foto: Tina & Thomas Ulrich | Die Vielfalt von Reizes musikalischer Bildung, aber auch seine liturgischen Kenntnissen sollen die Expertenkommission überzeugt haben, die dem Stadtrat die Wahl empfiehlt.

Es ist das berühmteste deutsche Kirchenmusikeramt: das Thomaskantorat und die damit einhergehende Leitung des Thomanerchors in Leipzig, die von 1723 bis 1750 maßgeblich von Johann Sebastian Bach geprägt wurden. Umso bemerkenswerter ist, dass der Leipziger Stadtrat am vergangenen Freitag Andreas Reize zum 18. Nachfolger Johann Sebastian Bachs gewählt hat.

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Seit der Reformation der erste Katholik

Denn Reize ist nicht nur der erste Schweizer, sondern seit der Reformation auch der erste Katholik in dem von der protestantischen Tradition geprägten Amt. Im kommenden September soll er nun Gotthold Schwarz als Thomaskantor ablösen. Begonnen hat Reize bei den Singknaben der katholischen St. Ursenkathedrale Solothurn, deren Chorleiter er seit 2007 ist. Kirchenmusik studierte er später nach reformierter Tradition an den Musikhochschulen in Zürich und Bern und leitet seit 2011 auch den Zürcher Bach Chor.

Die Vielfalt von Reizes musikalischer Bildung, aber auch seine liturgischen Kenntnissen sollen die Expertenkommission überzeugt haben, die dem Stadtrat die Wahl empfiehlt. Laut eigener Ankündigung will Reize als Thomaskantor die zeitgenössische Chormusik stärken, vor allem aber die 800 Jahre alte Tradition der Thomaner bewahren.  DT/mst

Lesen Sie ein ausführliches Porträt des neuen Thomaskantors Andreas Reize in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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