Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Feuilleton

Mit Zähigkeit und Gottvertrauen das Richtige tun

Der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn galt nicht nur im Westen als moralische Autorität, im Osten war er das „Gewissen Russlands“. Warum sein Leben und Werk für Christen beispielhaft ist.
Für Christen beispielhaft: Alexander Solschenizyn
Foto: epa Chirikov (EPA) | Der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn ermutigte dazu, mit Zähigkeit und Gottvertrauen das Richtige zu sagen und zu tun.

In ihrer Reihe „Poeten, Priester und Propheten“ beschäftigt sich die „Tagespost“ in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem russischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn. Der 1918 geborene Literaturnobelpreisträger war nicht nur im Westen als moralische Autorität hoch angesehen, im Osten galt er als „das Gewissen Russlands“. Der einstmals überzeugte Leninist und Soldat der Roten Armee wurde von der Front weg verhaftet, weil er in Briefen an einen Freund Kritik an Stalin übte. Er wurde zu acht Jahren Haft verurteilt, die sein Leben und Schreiben prägten.

Nach Arbeitslager Bekehrung zum Christentum

Nachdem er im Arbeitslager einem zum Christentum konvertierten jüdischen Arzt begegnet war, bekehrte er sich ebenfalls. Seine Konversion fasste er in ein Gedicht mit den Anfangszeilen: „Des höchsten Sinnes mildes Licht, das sich erst später mir offenbart“. In einem selbst verfassten Gebet bekennt er: „Wie leicht ist es mit Dir zu leben, o Herr! Wie leicht ist mir, an dich zu glauben!“ Das wichtigste Werk des russischen Schriftstellers, der im Jahr 2008 verstarb, ist „Archipel Gulag“. Darin montiert Solschenizyn Erinnerungen, Erzählungen, Sitzungs- und Gerichtsprotokolle, Gesetzestexte, Impressionen und Eindrücke zu einer verstörenden Collage.

Kritiker des Westens

Während der Westen Solschenizyn einerseits für sein monumentales, anklagendes Werk gegen den Stalinismus lobte, stieß er Schriftsteller Machthaber und Massenmedien im Exil in den USA vor den Kopf. Denn er unterstellte westlichen Ländern Willenlosigkeit, mangelnden Mut und mangelnde Moral. Im Jahr 1978 kritisierte er beispielsweise in einer Rede für die Abschlussfeierlichkeiten der renommierten Harvard-Universität das westliche Wohlstandsdenken und den politischen Apparat des Westens, der von willenlosen Bürokraten geführt sei, die den Bedrohungen durch den Terrorismus nichts entgegenzusetzen hätten.

Für Christen, die sich den Herausforderungen der kommenden 20er Jahre des 21. Jahrhunderts stellen müssen, zeigt Solschenizyns Leben und Werk vorbildliche Tugenden auf und ermutigt dazu, mit Zähigkeit und Gottvertrauen das Richtige zu sagen und zu tun.

DT

Die „Tagespost“ porträtiert den russischen Literaturnobelpreisträger in ihrer aktuellen Ausgabe vom 19. Juli und zeigt, wie der Schriftsteller Christen auch in Zukunft ein Vorbild sein kann. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

Themen & Autoren
Alexander Solschenizyn Christen Josef Stalin Stalinismus

Weitere Artikel

Die mit 95 Jahren Verspätung herausgegebene Arbeit Eberhard Michelssons dokumentiert die gottlose Repression der Kirche in der Sowjetunion.
13.04.2026, 15 Uhr
Uwe Wolff
Die Ukraine als Teil der „Heiligen Rus“? Mit einer geschichtlichen Tiefenbohrung widerlegt der ukrainische Kirchenhistoriker Andriy Mykhaleyko Wladimir Putins nützliche Narrative.
29.07.2026, 07 Uhr
Stephan Baier
Gerüche betören und stoßen ab. Ein Parfüm kann zuweilen auch zum Zeichen des stillen Widerstands werden, wie im Fall von Marie-Antoinette.
03.10.2026, 17 Uhr
Ute Cohen

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Spricht sich Jesus gegen die Steuer für den Kaiser aus, droht ihm die Todesstrafe. Noch heute gewichtet die Kirche politische und gesellschaftliche Fragen oft zu hoch.
17.10.2026, 21 Uhr
Lothar Wehr
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig