Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Gendersprache

Wie Österreichs Kirchenzeitungen mit geschlechtergerechter Sprache umgehen

In den Redaktionen ist man sich einig, „„diskriminierungssensibel“ berichten zu wollen. Die Zeitungen verfolgen aber unterschiedliche Ansätze.
Gegendertes Hinweisschild
Foto: Marijan Murat (dpa) | Grundsätzlich sind sich die Redaktionen von Österreichs Kirchenzeitungen einig, „diskriminierungssensibel“ berichten zu wollen und sich auch sprachlich um Geschlechtergerechtigket zu bemühen.

Österreichs Kirchenzeitungen verfolgen im Umgang mit geschlechtergerechter Sprache unterschiedliche Ansätze. Dies hat eine von der österreichischen katholischen Nachrichtenagentur „Kathpress“ (KAP) durchgeführte Rundfrage in den Redaktionen der Diözesanblätter ergeben. Grundsätzlich seien sich die Redaktionen einig, „diskriminierungssensibel“ berichten zu wollen und sich auch sprachlich um Geschlechtergerechtigket zu bemühen.

Schrägstrich nicht mehr zeitgemäß

Die in einer Kooperationsredaktion vertretenen Kirchenzeitungen der Diözesen Linz, Innsbruck, Feldkirch und Eisenstadt verfolgen seit Anfang des Jahres den Ansatz, einen Doppelpunkt zu verwenden, beispielsweise wie in „Pastoralassistent:innen“, um beiden Geschlechtern gerecht zu werden. Die von der Erzdiözese Wien herausgegebene Zeitung „Der Sonntag“ verzichtet wiederum aus Gründen der Lesbarkeit bewusst auf derlei Sonderzeichen, wie „Kathpress“ berichtet. Dafür würden in der Regel beide Geschlechter genannt oder geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet.

Lesen Sie auch:

Nach Angaben der Leiterin der in Salzburg beheimateten Kirchenzeitungskooperation, Monika Slouk, verwende die Redaktion nach Rücksprache mit den Herausgebern den Doppelpunkt statt des „nicht mehr zeitgemäßen“ Schrägstrichs, wie in „Pastoralassistent/innen“. Dies bedeute jedoch nicht, dass man auf dieses „Hilfsmittel“ fixiert sei. Im Sprachstil solle deutlich werden, „dass uns Geschlechtersensibilität wichtig ist“, so Slouk.

Der Chefredakteur der „KirchenZeitung“ der Diözese Linz, Heinz Niederleitner, betont gegenüber „Kathpress“, dass man seit Beginn dieses Jahres anstelle des Schrägstrichs aus ästhetischen und praktischen Gründen den Doppelpunkt verwende.

Gleichberechtigung als "gelebte Praxis"

Der Wiener „Sonntag“ verzichtet dagegen auf Schreibweisen wie Binnen-I, Gender-*, Unterstrich oder Doppelpunkt. Laut Chefredakteurin Sophie Lauringer führten derlei Sonderzeichen – leider – nicht zu mehr Geschlechtergerechtigkeit für jeweils mitgemeinte Personen, sondern würden „den Lesefluss, das Leseverständnis etwa bei Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache oder mit Handicaps und die Lesefreude“ stören. Zudem seien viele der Schreibweisen in digitalen Medien nicht barrierefrei.

Lauringer betonte gleichzeitig, dass „Der Sonntag“ dem christlichen Menschenbild verpflichtet sei; in der Berichterstattung werde keine Person aufgrund seiner oder ihrer Geschlechterzugehörigkeit ausgegrenzt. Eine Transgender-Kultur, in der Geschlechter beliebig anpassbar, austauschbar und frei wählbar sind, werde damit aber nicht unterstützt. Lauringer sieht darin allerdings keinen Widerspruch zur Gleichberechtigung: Diese sei „für uns selbstverständlich gelebte Praxis in der Redaktion, im Medienhaus der Erzdiözese Wien und in der Berichterstattung“.  DT/KAP/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Erzbistum Wien Kathpress

Weitere Artikel

Die „Kölnische Rundschau“ gehört jetzt zur DuMont Mediengruppe. Und die Medien der Westfälischen Medien Holding will die Rheinische Post Mediengruppe übernehmen.
17.04.2026, 11 Uhr
Patrick Peters
Napoleon soll ihn die „fünfte Macht“ genannt haben: Publizist Joseph Görres machte das Katholische politisch. Sein Erbe fordert er uns heraus: Wem gehört die Öffentlichkeit heute?
24.01.2026, 19 Uhr
Patrick Peters

Kirche

Kirchenvertreter und Jordaniens Großmufti verurteilen den Angriff auf eine orthodoxe Kirche und rufen zum Gebet und zum Zusammenhalt von Christen und Muslimen auf.
24.10.2026, 14 Uhr
Meldung
Der Vatikan hat kurzfristig entschieden: Die Pilger der „Summorum-Pontificum“-Wallfahrt dürfen den Petersdom nicht einmal betreten. Eine unnötige Grausamkeit.
24.10.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Ein mehrtägiges Ratzinger-Symposion an der Universität Wien versteht sich als Ouvertüre zum Gedenkjahr des vor 100 Jahren geborenen Theologen-Papstes.
24.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Dogmatiker Jan-Heiner Tück würdigt Joseph Ratzingers Beitrag zum Zweiten Vatikanum und dessen Konzilsinterpretation bei theologischem Symposion an der Universität Wien.
24.10.2026, 08 Uhr
Meldung
Der Konflikt um die Neugestaltung des Altarraums der Basilika Weingarten geht in die nächste Runde: Neu aufgetauchte Unterlagen könnten die bisherigen Planungen infrage stellen.
23.10.2026, 14 Uhr
Meldung