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„Die Menschen glaubten das, was in der Kirche gesagt wurde. Die Folge? Sie hatten richtig Angst“

Süßigkeiten für Kinder hier, finsteres Mittelalter mit Missbrauch da: Ein tendenziöser Kinderbeitrag, zu dem das ZDF mittlerweile Stellung bezogen hat.
Prediger verkaufen Ablassbriefe
Foto: ZDF tivi, Screenshot DT | So sind sie, die Kirchenmänner: scheffeln Kohle mit der Angst. Screenshot aus der ZDF-Kinder-Nachrichtensendung "Logo!"

Was müssen Kinder in Deutschland über den Islam und das Christentum wissen? Das ZDF stellte sich diese Frage wohl bei der Erstellung der gestrigen „Logo!“-Kindernachrichten. Dort erfahren junge Fernsehzuschauer das „Wichtigste aus aller Welt, verständlich erklärt“. Anlass war das muslimische Zuckerfest, das am heutigen Freitag beginnt und den Ramadan abschließt. Die muslimische Fastenzeit endete am gestrigen Donnerstagabend. Nach einem wohlwollenden Beitrag über den Ramadan („In dieser Zeit sollten gläubige Muslime so oft es geht an ihren Gott Allah denken, und sie sollten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten, also nichts essen und trinken. Erst nach Sonnenuntergang gibt’s ein Abendessen, oft mit der ganzen Familie und mit Freunden, heute zum letzten Mal in diesem Jahr. Morgen gibt’s dann wie immer ein großes Fest, Eid al-Fitr, auch Zuckerfest genannt, weil Kinder viele Süßigkeiten geschenkt bekommen“) schwenkte die Sendung eher anlasslos zum Christentum und strahlte diesen Beitrag aus, den wir hier ungekürzt dokumentieren:

„Und wir bleiben beim Thema Religion. Die größte Religion in Deutschland ist das Christentum, also gibt es in fast jedem deutschen Ort eine Kirche. Für manche spielt die Kirche eine total wichtige Rolle und sie gehen da regelmäßig hin, manche vielleicht einmal im Jahr und manche vielleicht nie. Die Menschen, die regelmäßig in einen Gottesdienst gehen und einer Kirche angehören, werden immer weniger. Früher war das anders. Es gab Zeiten, da waren fast alle Menschen in Deutschland Christen und Mitglied einer Kirche. Und wir schauen mal in diese Zeit zurück und darauf, was sich verändert hat.

Ab ins Mittelalter. Vor etwa 800 Jahren war die Kirche sehr, sehr mächtig, mit sehr viel Geld und Einfluss. Die Menschen glaubten das, was in der Kirche gesagt wurde. Die Folge? Sie hatten richtig Angst, dass Gott sie in die Hölle schicken würde, wenn sie sich nicht an die religiösen Regeln hielten. Aber die Kirche nannte ihnen Möglichkeiten, der Hölle zu entkommen. Sie sollten sich von ihren Sünden befreien, zum Beispiel, indem sie solche Ablassbriefe kauften. Das brachte der Kirche super viel Geld ein, weil so viele Menschen vor lauter Angst Ablassbriefe kauften.

Bis eine neue Zeit anbrach. Die Neuzeit. Vor rund 500 Jahren begannen Gelehrte, sich zu fragen, ob wirklich alles, was die Kirche sagte und machte, so stimmte. Sie versuchten, Dinge, die in der Welt passierten, zu erklären, wie zum Beispiel schwere Unwetter oder Krankheiten. Bis dahin hatte man so was meist für Gottes Willen gehalten. Nun gab es nach und nach wissenschaftliche Erklärungen.

Die Kirche hatte mit der Zeit weniger Einfluss auf das Denken der Menschen. Irgendwann waren sie auch nicht mehr verpflichtet, einer Kirche anzugehören. Heute gehören immer weniger Menschen in Deutschland einer christlichen Kirche an. Viele haben einfach das Gefühl, sie brauchen Kirche nicht in ihrem Leben. Manche finden, dass die Kirche nicht modern genug ist. Und dann haben Kirchenleute in den letzten Jahrzehnten richtig schlimme Fehler gemacht. Zum Teil schreckliche Verbrechen an Kindern begangen. Auch das hat dafür gesorgt, dass viele Menschen aus der Kirche ausgetreten sind. Mehr zu diesen Verbrechen könnt ihr auf logo.de nachlesen.“

Auf Anfrage der „Tagespost“ hat sich das ZDF inzwischen zu der Sendung geäußert. Demnach hätten die beiden Beiträge unterschiedliche aktuelle Anlässe gehabt. Anlass für das Erklärvideo zu den christlichen Kirchen seien „neue Zahlen, die am Anfang der Woche zu den sinkenden Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen in Deutschland veröffentlicht worden waren“ gewesen. Der Beitrag zum Ramadan-Ende habe sich hingegen daran orientiert, dass dieses an dem Tag gefeiert wurde.

Beide Themen seien unabhängig und ohne Absicht einer inhaltlichen Gegenüberstellung geplant worden. „Wir bedauern, dass die Kombination der Beiträge innerhalb einer Sendung den Eindruck einer beabsichtigten Gegenüberstellung vermittelt hat“, erklärte der Sender. Rückblickend erkenne man, dass „diese Programmierung unglücklich“ gewesen sei. Eine solche Wirkung sei „keinesfalls intendiert“ gewesen. Zugleich kündigte das ZDF an, den Vorgang intern „kritisch zu prüfen“.

(DT/jra/jna)

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