Das erste Kloster, das Papst Benedikt XVI. zwei Jahre nach seiner Wahl in Österreich besuchte, war das Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald. Er erinnerte die dortigen Mönche an ihre wichtigste Aufgabe, nämlich die eucharistische Anbetung, und daran, dass dem Gottesdienst nichts vorgezogen werden dürfe. Man solle zweckfrei beten, weil Gott es würdig sei, angebetet zu werden.
Klöster zeugten von der Ursehnsucht des Menschen nach Gott. Sie seien Oasen, die zeigten, dass es einen letzten Grund gebe, um dessentwillen es sich lohne zu leben: „Gott und seine unergründliche Liebe“. Weiter lobte er die „wissenschaftliche Intellektualität und gelebte Frömmigkeit“, welche Heiligenkreuz vereine. „Wo aber eine ,kniende Theologie‘ getrieben wird, da wird die Fruchtbarkeit für die Kirche in Österreich und darüber hinaus nicht fehlen“, so Papst Benedikt XVI., dessen Todestag sich am 31. Dezember zum dritten mal jährt.
Pater Karl Wallner erinnert sich positiv an Benedikts Besuch
Nach dem Besuch nahmen die Heiligenkreuzer Mönche eine CD mit gregorianischem Gesang auf – und stürmten damit die Charts. Plötzlich waren sie in Österreich bekannt als die „Pop-Mönche“. Der damalige Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, Pater Karl Wallner, erinnert sich positiv an den Besuch: „Papst Benedikt hat uns geliebt, denke ich, auch wegen unserer Liturgie.“ Er habe sich ihm und den Mönchen als „Beter“ eingeprägt. Sie konnten ihn beim Gebet beobachten. „In der Liturgie wird man als Priester Ort, wo Gott hereinkommt in diese Welt.“
Bei Papst Benedikt sei das eindeutig gewesen. Er habe sich voll in die Liturgie eingefügt. In seiner Ansprache sagte Papst Benedikt: „Wo immer man bei liturgischen Besinnungen nur darüber nachdenkt, wie man Liturgie attraktiv, interessant, schön machen kann, ist Liturgie schon verfallen. Entweder ist sie opus Dei mit Gott als dem eigentlichen Subjekt oder sie ist nicht.“
Erzbischof Georg Gänswein erinnert sich an den gelebten Glauben und das Gebet in Benedikts Alltag als Papst. Papst Benedikt sei die Volksfrömmigkeit ein Anliegen gewesen, zum Beispiel der Rosenkranz. Was ihn überzeugt habe, die Liturgie immer wieder zu erneuern – zugunsten einer tieferen Frömmigkeit –, sei Papst Benedikts eigene Erfahrung gewesen. „Er hat durch das Konzil gelernt, das Theologisch-Wertvolle vom Wildwuchs zu trennen und zugleich in der Sprache zu verkünden, die die Menschen verstehen können“, erklärt der Erzbischof.
Die Redaktion dankt Radio Horeb für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung des Mitschnitts der Ansprache Papst Benedikts in Stift Heiligenkreuz.
Dieser Podcast wurde von der Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI.-Stiftung in München gefördert. Die „Tagespost“ machte sich darin auf Spurensuche zu einem der größten Theologen unserer Zeit. Viele seiner Schriften und Texte werden heute noch gelesen. Doch wer war dieser große Papst eigentlich? Was sagt er selbst und wie haben die Menschen, die ihn kennengelernt haben, ihn erlebt? Die Antworten darauf und vieles mehr erfahren Sie im Podcast. DT
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