Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Ist Schwarz das neue Rot?

Warum der Journalist und SPD-Experte Holger Fuß sich heute als „linkskonservativ“ bezeichnet und beim linksliberalen Mainstream eine Erstarrung beobachtet.
Linke und Lebensfreude
Foto: Bernd Settnik (dpa-Zentralbild) | Sieht so Lebensfreude aus? Linkskritische Antlitze wirken oft verdrossen, Nichtlinke lachen mehr, meint der Journalist Holger Fuß.

„Links ist, wo das Herz schlägt. Das war einmal“: Zu diesem Ergebnis kommt der Publizist und Autor Holger Fuß („Vielleicht will die SPD gar nicht, dass es sie gibt“) in einem aktuellen Beitrag für die „Tagespost“. Darin blickt der 55-Jährige zurück auf den politischen Werdegang der Bundesrepublik und seine eigene Entwicklung hin zu einem „Linkskonservativen“.

"Linke Spießer haben in meinem Erfahrungshorizont
die rechten Spießbürger abgelöst. Lebensfreude
erlebe ich heute mehr bei den Konservativen"
Holger Fuß, SPD-Experte

Fuß wörtlich: „Linke Spießer haben in meinem Erfahrungshorizont die rechten Spießbürger abgelöst. Lebensfreude erlebe ich heute mehr bei den Konservativen. Linkskritische Antlitze wirken oft verdrossen, Nichtlinke lachen mehr. Bei mir habe ich entdeckt, dass die Belebung meiner bewahrenden, nachhaltigen, mithin konservativen Persönlichkeitsanteile mein Linkssein spürbar ertüchtigt hat.“

Nicht ohne Bitterkeit stellt Fuß fest, dass alles Liberale irgendwann einmünde in die neoliberale ökonomische Verwertbarkeit und käuflich werde. „Diese Entwicklung haben wir den Linken zu verdanken.“ Was Jürgen Habermas Ende der sechziger Jahre eine gesellschaftliche „Fundamentalliberalisierung“ genannt habe, habe ihre Erfüllung nicht etwa im Kommunismus, sondern im Konsumismus gefunden.

Über Neuerfindung des Linksseins nachdenken

Fuß weiter: „Wem dies nicht gefällt, wer das Leben nicht den Kaufleuten überlassen, wer den Wertekosmos, den uns der biblische Gott überliefert hat, nicht dem schnöden Mammon übereignen will, kommt nicht umhin, über eine Neuerfindung des Linksseins nachzudenken.“

DT/mee

Warum der Journalist und Autor Holger Fuß eine Verschiebung der politischen Pole registriert und sich selbst mittlerweile als „linkskonservativ“ einstuft, erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe kostenlos

Themen & Autoren
Redaktion Jürgen Habermas SPD

Weitere Artikel

Der flämische Dichter Felix Timmermans fand aus tiefster existenzieller Not zum beglückenden Einverständnis mit der Schöpfung.
12.04.2026, 19 Uhr
Hartmut Sommer
Mit „der Herr lebt und bleibt bei uns”, grüßte das Kirchenoberhaupt an Ostern die Gläubigen und ermutigte dazu, die Freude der Auferstehung zu verbreiten.
05.04.2026, 12 Uhr
Meldung
Bewusste Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit statt Flucht vor dem Leben: Dafür steht das Kreuz.
03.04.2026, 13 Uhr
Jonas Klur

Kirche

Stabwechsel in der Berliner Nuntiatur: Der Vatikan schickt mit Erzbischof Hubertus Matheus Maria van Megen einen erfahrenen Diplomaten nach Deutschland.
16.04.2026, 19 Uhr
Hartmut Sommer
Wenn Leo XIV. die Vorgabe von 120 Papstwählern einhält, könnte er bis zum Jahresende ein halbes Dutzend Kardinäle ernennen. Welche Akzente wird er setzen?
16.04.2026, 13 Uhr
Giulio Nova
Papst Leo XIV. wird in Bamenda in Kamerun mit großer Dankbarkeit empfangen und würdigt eine Kirche und Gesellschaft, die trotz großen Leids Wege der Versöhnung geht.
16.04.2026, 16 Uhr
Meldung
In der Heimat seines Ordensvaters Augustinus ermutigte Papst Leo XIV. zur Bekehrung.
16.04.2026, 05 Uhr
Regina Einig