Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Feuilleton

Fortschritt – ein schillernder Begriff wird seziert

Was bedeutet es, fortzuschreiten? Ist das Neue immer auch gleich das Bessere? Welche Rolle spielen Innovationen in Technik und Gesellschaft für den Glauben?
Fortschritt
Foto: dpa | Handschlag mit der Technik? Das Ideal der Fortschrittler ist die tabula rasa.

Ingo Langner schlägt den großen Bogen – ausgehend von der prähistorischen Naturaneignung über Jean-Jacques Rousseaus Kulturskepsis bis hin zum Smartphone. Das ist im Kontext des Fortschrittsdiskurses auch nötig, denn: „Zur primären Grundannahme des säkularen Fortschrittsdenkens gehört das Märchen von der geistigen Minderwertigkeit der ersten Menschen“ und auf Rousseau fußen – nach Langner – alle revolutionären Fortschrittsversprechen. Und das Smartphone steht par excellence für den Fortschritt.

„Ehe für alle“ - ein Fortschritt?

Dass aus Versprechen nicht nur sprachlich schnell Verbrechen wird, zeigt Langner ebenso wie die Politisierung des an sich neutralen Fortschrittsbegriffs: „Ideologiebeladen ist 'der Fortschritt' für seine Widersacher auf jeden Fall. Für seine Parteigänger auch. Doch das geben sie nur auf der Streckbank zu. Schon sehr lange möchte ihn niemand von denen mehr missen, die mit der rechten Hand abräumen, um mit der Linken immer wieder Neues aufs Spielfeld schieben zu können.“ Etwa die „Ehe für alle“.

Tabula rasa als Fortschrittsideal

Das „Ideal der Fortschrittler“, resümiert Langner, „ist die tabula rasa“. Das betrifft dann auch die Religion. Neue Einsichten und Techniken machen Gott und den Glauben überflüssig. So scheint es. Doch das, so Langner, wünschen sich nur Leute mit einer bestimmten Agenda.

DT (Josef Bordat)

Den Essay lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 26. Juli 2018. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

Themen & Autoren
Glaube Ingo Langner Jean-Jacques Rousseau Josef Bordat

Weitere Artikel

Josef Bordat legt mit seinem „ABC der Guten Nachricht“ ein beeindruckendes Werk zu den Sonntagsevangelien vor.
12.01.2026, 09 Uhr
Volker Niggewöhner
Das Engagement für Umwelt und Klimaschutz hat längst die Kirche erreicht. Dabei gilt es, an der „Ökologie des Menschen“, von der auch Benedikt XVI. sprach, Maß zu nehmen.
08.08.2026, 19 Uhr
Josef Bordat
Beim Fußball stehen sie am Spielfeldrand, in politischen Krisen schaltet man sie zu, wenn es ganz schlimm kommt, übernehmen sie die Regierung: Experten. Warum wir sie trotzdem brauchen.
03.07.2026, 17 Uhr
Josef Bordat

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser