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Wenn der „Da Vinci Code“ auf den „Exorzisten“ trifft

Der Film „The Pope’s Exorcist“ mit Russell Crowe basiert zwar teilweise auf Erfahrungen des berühmten Exorzisten Gabriele Amorth, bedient sich aber weitgehend der Elemente des Horrorfilmes.
Film "The Pope's Exorcist"
Foto: Sony Pictures | Pater Esquibel (Daniel Zovatto, links) und Pater Gabriele Amorth (Russell Crowe) bei einem Exorzismus im nun anlaufenden Spielfilm „The Pope’s Exorcist“.

Der italienische Priester Gabriele Amorth (1925–2016) war wohl der bekannteste Exorzist der katholischen Kirche. Im Jahre 1986 wurde er zum Exorzisten der Diözese Rom ernannt; außerdem war er seit ihrer Gründung 1994 bis 2000 der Vorsitzende der Internationalen Vereinigung der Exorzisten (AIE). Nach eigenen Angaben führte Amorth rund 70.000 Exorzismen durch. In einem Interview mit dem „Vatican Magazin“ äußerte er 2008: „Ich sage allen, sie sollen zuerst die Ärzte und Psychologen um Rat fragen. Denn in den allermeisten Fällen gibt es psychische oder physische Ursachen, natürliche Ursachen wie Schizophrenie, Hysterie […] Der Psychiater sagt, ob es sich um Symptome einer psychischen Krankheit handelt.“ Insgesamt sei er in seinem Leben in rund hundert Fällen „echter Besessenheit“ gegenübergestanden. In seinen Büchern geißelte Amorth den fehlenden Glauben an die reale Existenz des Satans: „Wer nicht an den Teufel glaubt, glaubt nicht an das Evangelium“.

Interessante Einblicke in die Materie

Nun startet ein Spielfilm im Kino, der teilweise auf den Schriften von Pater Amorth basiert: „The Pope’s Exorcist“ („Der Exorzist des Papstes“). Im Wesentlichen handelt der Film von den Versuchen Pater Gabriele Amorths (Russell Crowe), aus dem etwa achtjährigen Henry (Peter DeSouza-Feighoney) den Teufel auszutreiben, der ausdrücklich nach dem Chef-Exorzisten verlangt. Ohne dass Amorth es zunächst ahnt, hängt damit viel mehr für die katholische Kirche insgesamt zusammen. Denn die Besessenheit ereignet sich auf dem Grundstück einer mittelalterlichen Abtei. Der junge Priester Tomás Esquibel (Daniel Zovatto) unterstützt Amorth beim Exorzismus

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Zwar bietet der Film – offenkundig dort, wo Amorths Schriften Pate standen – interessante Einblicke in die Materie, beispielsweise in einer Art Prolog, in dem der Exorzist ohne viel Aufhebens einen Teufel überlistet. Oder da, wo der Exorzist auf die Bedeutung des Gebets, der Anrufung der Gottesmutter und der Beichte – der Teufel könne „die Sünden“ des Exorzisten „riechen“ – hinweist. Insgesamt aber fallen die visuellen Effekte, die Kameraführung, die Filmmusik einschließlich dem Tonschnitt in die Kategorie „Horrorfilm“. Die Internationale Vereinigung der Exorzisten merkte dazu an: „Die Art und Weise, Don Amorths Erfahrung als Exorzist zu schildern, widerspricht nicht nur der historischen Realität, sondern verzerrt und verfälscht auch das, was während des Exorzismus von wirklich besessenen Menschen wirklich gelebt und erlebt wird.“

Film Noir“-Effekte und genretypische Klischees

Nicht nur der Handlungsstrang um die „Verschwörung“, in die der Vatikan verstrickt wird, sondern ebenfalls die optische Darstellung des Vatikans mit kontrastreichen „Film Noir“-Effekten erinnern eher an genretypische Klischees in der Art des Filmes „Sakrileg – Der Da Vinci Code“.

Eine glaubwürdigere filmische Aufarbeitung der Arbeit Gabriele Amorths bietet hingegen der auf dem Reportagebuch „The making of a modern exorcist“ (Deutsch: „Die Schule der Exorzisten“, 2010) basierende Spielfilm „The Rite – Das Ritual“ (2011) mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle. In das Buch fanden die Erfahrungen des 50-jährigen kalifornischen Priesters Gary Thomas während eines neunmonatigen Kurses „Exorzismus und das Gebet der Befreiung“ an der römischen „Regina Apostolorum“-Universität Eingang.

Der „echte“ Gabriele Amorth war auch der Protagonist eines 68-minütigen Dokumentarfilmes, der unter dem Titel „The Evil & Father Amorth“ („Der Teufel und Pater Amorth“, 2018) bei den Internationalen Filmfestspielen Venedig außer Konkurrenz gezeigt wurde. Regie führte derselbe William Friedkin, der mit dem Horrorfilm „Der Exorzist“ (1973) weltberühmt wurde. Für seinen Dokumentarfilm konnte Friedkin im Jahre 2016 an einem Exorzismus teilnehmen – als er 1973 seinen berühmten (Horror-)Film gedreht hatte, war er noch nie persönlich damit in Berührung gekommen.

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