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„The Baxters“: Eine christliche Telenovela

Die Amazon-Prime-Serie handelt von der Kraft der Familie und des Glaubens. Jedoch neigt sie dazu, ziemlich melodramatisch zu sein.
Amazon-Serie "The Baxters"
Foto: Prime Video/Joshua Applegate | Als Kari (Ali Cobrin, rechts) erfährt, dass ihr Ehemann Tim heimlich eine Affäre hat, sucht sie Trost in ihrem Glauben und bei ihren Eltern Elizabeth (Roma Downey) und John (Ted McGinley).

Insbesondere in den Vereinigten Staaten gibt es eine beträchtliche Anzahl an Zuschauern mit einem christlichen Hintergrund, die in „glaubensbasierten“ Filmen und Serien – von „Fireproof – Gib deinen Partner nicht auf“ (2008) über „Himmelskind“ („Miracles from Heaven“, 2016) bis zur „Gott ist nicht tot“-Reihe (2014-2024) – gerne ihren Glauben reflektiert sehen möchten.

In der Amazon-Serie „The Baxters“, die auf der Buchreihe „Wege meiner Kinder“ der New-York-Times-Bestsellerautorin Karen Kingsbury basiert, spielt der Glaube einer Großfamilie eine zentrale Rolle.

Mit der Untreue des Mannes konfrontiert

Die Serie konzentriert sich auf das Ehepaar Elizabeth (Roma Downey) und John Baxter (Ted McGinley) sowie ihre fünf erwachsenen Kinder, wobei der einzige Sohn Luke (Josh Plasse) noch bei den Eltern lebt. Drei der vier Töchter sind bereits verheiratet. Das „schwarze Schaf“ der Familie Ashley (Masey McLain) ist eine alleinerziehende Mutter, und die einzige, die den Glauben ihrer Eltern, den sie in einer nicht näher definierten christlichen Gemeinde praktizieren, nicht teilt.


In der bislang veröffentlichten Staffel dreht sich zunächst alles um die Ehe von Tochter Kari (Ali Cobrin), die plötzlich mit der Untreue ihres Mannes Tim (Brandon Hirsch) konfrontiert wird. Als sie ihn zur Rede stellt, fordert er die Scheidung und zieht zu seiner Geliebten, einer seiner Studentinnen. Kari ist am Boden zerstört, besonders da sie Tim in einer Bibelstunde in der Kirche kennengelernt hatte. Sie findet Trost und Unterstützung bei ihren Eltern. Obwohl insbesondere Ashley und Luke sie drängen, in die Scheidung einzuwilligen, bleibt Kari in ihren Überzeugungen fest: „Scheidung ist gegen Gottes Willen“. Ihre Prinzipien geraten jedoch ins Wanken, als ihr früherer Freund aus Schultagen, der ehemalige Footballspieler und nun Co-Trainer Ryan Taylor (Jake Allyn), wieder in ihr Leben tritt. Neben diesem Hauptstrang gibt es einige Nebenhandlungen, die beispielsweise Ashleys Abkehr vom Glauben erklären.

Roma Downey, die Elizabeth Baxter spielt, sagt über die Serie: „Ich denke einfach, dass wir in unserer Glaubensgemeinschaft es verdienen, eine Familie auf der Leinwand zu sehen, der die Dinge am Herzen liegen, die auch uns am Herzen liegen. Es ist erstaunlich, wie wenige Programme es gibt, die Menschen des Glaubens auf diese Weise feiern.“

Suche nach Gottes Wille innerhalb einer Familie

„The Baxters“ reflektiert die Bandbreite sowohl menschlicher Reaktionen als auch die Suche nach Gottes Willen innerhalb einer Familie. Es gibt keine einfachen, schnellen Antworten auf Krisen und Probleme. Alles ist ein Ringen, ein Prozess, in dem man mit Gott an der Hand durch schwere Zeiten geht. Die Serie behandelt viele Probleme, mit denen Familien konfrontiert werden, einschließlich einer ungeplanten Schwangerschaft: „Ein Baby ist ein Segen, egal unter welchen Umständen“, sagt dazu Elizabeth Baxter.

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Die Familie stützt sich in allen Lebenslagen auf ihren Glauben, selbst wenn Zweifel aufkommen. Sie erträgt Prüfungen, denen viele Familien gegenüberstehen, und vertraut auf ihren Glauben, der sie leitet und stärkt. „The Baxters“ zeigt, wie kraftvoll das Gebet sein kann. Die Kamera zoomt immer wieder auf das Ehepaar Baxter, das auf der Couch sitzt und gemeinsam laut zu Gott betet.

Eine Schwäche der Serie ist jedoch ihr melodramatischer Ton, der sie in die Nähe von Telenovelas rückt. Die Serie neigt dazu, schnell und abrupt zentrale Handlungspunkte wie Untreue aufzudecken und bietet wenig Raum für die Entwicklung der Charaktere oder eine nuancierte Erzählung. Der Rückgriff auf Klischees führt zu wenig authentisch wirkenden Dialogen, und der plumpe Einsatz von kitschiger Klaviermusik unterstreicht die Schwierigkeit der Serie, den Spagat zwischen einem glaubensbasierten Familiendrama und einer fesselnden Erzählung, die ein breiteres Publikum anspricht, zu meistern.

Identifikationspunkt für viele christliche Zuschauer

Trotz dieser Schwäche können sich jedoch viele christliche Zuschauer mit der Familie Baxter identifizieren. Roma Downey erwähnt in einem Interview mit „ChurchPOP“ zusätzlich zur religiösen Ebene die Bedeutung von Gemeinschaft: „Ich denke, dass COVID uns alle daran erinnert hat, wie isoliert wir sein können – wie einsam das Leben sein kann. Und ich denke, dass so etwas wie ‚The Baxters‘ uns daran erinnert, dass das Gefühl der Zugehörigkeit eine sehr reale und tröstliche Sache sein kann, wenn gute Menschen zusammenkommen.“

Auf den Vorwurf, die Serie sei eine Seifenoper, antwortet sie, „The Baxters“ sei eher eine „Hoffnungsoper“.


„The Baxters“, Serienschöpferin: Jessie Rosen, Regie: Tony Mitchell, Alex Zamm, Rachel Feldman, USA 2024, 10 Folgen von je 22 bis 41 Minuten. Auf Amazon Prime Video.

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