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Ein Funke, der das Feuer der Gewalt entfacht

Der Spielfilm „Die Wütenden“ zeigt eine trostlose Lage in einem Pariser Banlieu, bei der in jedem Augenblick die Gewalt die Überhand gewinnen kann.
Garcías Filmtipp: "Die Wütenden"
Foto: Alamode | Stéphane (Damien Bonnard, links) ist neu in einer Polizeieinheit, die in Montfermeil für Ordnung zwischen Gruppen und Banden sorgen soll.

Paris, am Tag des Endspiels der Fußball-WM 2018. Die Kamera folgt dem Jugendlichen Issa (Issa Perica), der aus dem Vorort in die Innenstadt fährt, um mit auffallend vielen jungen Menschen mit Migrationshintergrund auf den Champs-Elysées den Titel für Frankreich zu feiern. Schnitt: Nur zwanzig Kilometer von Paris liegt Montfermeil entfernt, wo das Stadtbild von Plattenbauten geprägt wird. Hier siedelte Victor Hugo seinen Roman „Les Misérables“ an. Dies ist ebenfalls der Handlungsort des Spielfilms „Die Wütenden“ (Originaltitel: „Les Misérables“) von Regisseur Ladj Ly und dessen Mitautoren Giordano Gederlini und Alexis Manenti, der in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde.

Das wackelige Gleichgewicht im Viertel droht zu Kippen

Das hervorragende Drehbuch führt die verschiedenen Gruppen ein, die in Montfermeil aufeinander treffen. Erzählt wird aus der Perspektive von Stéphane (Damien Bonnard), der Neue in einer von Chris (Alexis Manenti) geleiteten Einheit für Verbrechensbekämpfung. Die beiden und Gwada (Djebril Zonga) patrouillieren durch die Vorstadt. Stéphane bekommt gleich am ersten Tag mit, dass Gewalt (Chris: „Das Gesetz bin ich“) keine Einbahnstraße ist. Dazu kommen ein selbst ernannter Bürgermeister (Steve Tientcheu), die Muslimbruderschaft mit deren Anführer Salah (Almamy Kanoute) und vor allem eine Bande herumlugender Teenager wie Issa. Als dieser ein Löwenbaby, das Maskottchen des Oberhaupts einer Zigeuner-Familie Zorro (Raymond Lopez), aus Übermut klaut, droht das wackelige Gleichgewicht im Viertel zu kippen.

 

Ladj Ly wurde in Mali geboren, wuchs aber in Montfermeil auf. Über die Unruhen und die heftigen Zusammenstößen mit der Polizei dort und in anderen Banlieues 2005 drehte er eine Dokumentation. Großartig von Julien Poupard meistens mit der Handkamera gefilmt, bleibt „Die Wütenden“ immer sehr nahe an den Protagonisten, die der Film dadurch nuancenreich charakterisiert. Das Ergebnis ist das desolate Bild eines Pulverfasses, das ein kleiner Funken in Brand stecken kann.

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