Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Filmrezension

Das Testament des Michael Caine

Der britische Film „Is Anybody There?“ feiert die Magie einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem alten Zauberer und einem wissbegierigen Zehnjährigen.
Film "Is anybody there?"
Foto: Der Filmverleih | Der zehnjährige Edward (Bill Milner) lebt in einem Altersheim, das von seinen Eltern betrieben wird. Seine fast krankhafte Faszination für den Tod erfährt eine deutliche Wendung, als der alte ehemalige Zauberer ...

Anlässlich des 91. Geburtstags von Michael Caine startet im deutschen Kino der Film „Is Anybody There?“. Der 2008 entstandene Film, der nun erstmals auf hiesigen Kinoleinwänden zu bestaunen ist, erscheint wie ein cineastisches Testament des am 14. März 1933 geborenen britischen Charakterdarstellers – ungeachtet seiner über zwanzig weiteren Filmrollen seither.

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„Is Anybody There?“ von Peter Harness (Drehbuch) und John Crowley (Regie) handelt vom zehnjährigen Edward (Bill Milner), dessen Eltern ein Altersheim führen. In dieser scheinbar trostlosen Umgebung flüchtet er sich in die Welt übernatürlicher Phänomene. Seine Eltern beobachten diese Obsession mit dem Tod beunruhigt und fürchten um seine Bodenhaftung. Die Dynamik ändert sich fundamental mit der Ankunft von Clarence (Michael Caine), einem verbitterten ehemaligen Zauberkünstler.

Humorvolle und melancholische Momente

Clarence, einst als „The Amazing Clarence" bekannt, hat nach dem Verlust seiner Frau jeden Lebensmut verloren. Seine Ankunft bringt frischen Wind in Edwards monotonen Alltag. Zunächst sind die beiden ungleichen Protagonisten nicht besonders voneinander angetan. Edward sieht Clarence als einen grimmigen alten Mann, während Clarence keine Geduld für den neugierigen Jungen hat. Doch aus dieser anfänglichen Ablehnung entwickelt sich allmählich ein tiefes Verständnis.

Die sich entwickelnde Beziehung illustriert eindrucksvoll, wie zwei Menschen unterschiedlicher Generationen einander bei der Bewältigung ihrer persönlichen Probleme unterstützen können. Während Edward durch Clarence die Kostbarkeit des Augenblicks entdeckt, findet der alte Magier durch den Jungen zu einem letzten großen Auftritt zurück – einer besonderen Zaubervorführung zu Edwards Geburtstag. Diese Wendung vereint geschickt humorvolle und melancholische Momente, während beide Protagonisten versuchen, ihre verschiedenen Perspektiven auf das Leben und den Tod in Einklang zu bringen.

Coming-of-Age-Komödie

Der Film spielt im Jahr 1987 und hebt sich durch seine herausragende Besetzung ab. Neben Caine und Milner brillieren britische Charakterdarsteller wie Anne-Marie Duff und David Morrissey in den Rollen von Edwards Eltern. Auch die kleinen Rollen der älteren Bewohner des Heims, darunter der kriegsgeschädigte Veteran Bob (Peter Vaughan) und die melancholische Elsie (Rosemary Harris), bleiben in Erinnerung.

Regisseur John Crowley und Drehbuchautor Peter Harness vereinen Elemente einer Coming-of-Age-Geschichte mit einer schrulligen Komödie, die sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregt. Obwohl „Is Anybody There?“ gelegentlich in Klischees verfällt und die emotionalen Höhen und Tiefen nicht vollständig auslotet – die Beziehung zwischen Edward und Clarence hätte tiefgehender und nuancierter dargestellt werden können – gelingt es Caine seinen Clarence so zu gestalten, dass diese Figur ohne Zweifel eine der stärksten und verletzlichsten Rollen seiner langen Karriere ist, die sich über etwa 160 Filme erstreckt.

Die bittersüße Geschichte von Edward und Clarence verdeutlicht, dass Freundschaft keine Altersgrenzen kennt und die Verbindung zwischen den Generationen, obwohl sie nicht immer einfach ist, dazu helfen kann, über die Schönheit des menschlichen Miteinanders nachzudenken und die kleinen Wunder des Lebens zu feiern. 

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