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Das Gewissen einer Übersetzerin und der Krieg

Nach wahren Ereignissen erzählt „Official Secrets“ vom Gewissenskonflikt einer Mitarbeiterin des britischen Geheimdienstes. Regisseur Gavin Hood verknüpft gekonnt mehrere Stränge.
Garcías Filmtipp: "Official secrets"
Foto: Entertainment One | Am 25. Februar 2004 steht die Mandarin-Übersetzerin des britischen Geheimdienstes Katharine Gun (Keira Knightly) vor Gericht.

Am 25. Februar 2004 steht Katharine Gun (Keira Knightly), Mandarin-Übersetzerin des britischen Geheimdienstes GCHQ, wegen Verstoßes gegen den „Official Secrets Act“ vor Gericht. Damit beginnt der auf wahren Ereignissen basierende Spielfilm von Gavin Hood „Official Secrets“. Katharine Gun hatte im Februar 2003 einer britischen Zeitung ein streng geheimes und brisantes Dokument zugespielt.

Die Übersetzerin soll spionieren

Kurz nachdem Premier Tony Blair im Fernsehen erklärt hatte, der Krieg gegen den Irak sei „unvermeidlich“ – tatsächlich fiel am 20. März 2003 eine Länderkoalition unter der Führung der Vereinigten Staaten in den Irak ein, um das Regime von Saddam Hussein zu stürzen –, erhält Katharine Gun ein „top secret”-Memo. Darin fordert der US-Geheimdienst NSA die britischen Kollegen auf, einige Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrats auszuspionieren. Damit soll belastendes Material gesammelt werden, um eine Zustimmung zur UN-Resolution für den Irakkrieg zu erpressen. Katharine gerät in einen moralischen Zwiespalt, entscheidet sich aber, das Dokument an die Öffentlichkeit zu leaken. Die brisanten Informationen werden von Journalist Martin Bright (Matt Smith) im „Observer“ veröffentlicht.

 

Der australische Regisseur Gavin Hood entwickelt seinen Thriller nah an den tatsächlichen Ereignissen. Im Mittelpunkt steht der Gewissenskonflikt der Übersetzerin, die mit der Herausgabe des geheimen Dokuments hofft, einen ungerechten Krieg zu verhindern. Das Drehbuch von Hood und seinen Mitautoren Gregory und Sara Bernstein verknüpft die Suche nach dem Whistleblower innerhalb des Geheimdienstes mit der Frage, die sich die Journalisten stellen, ob sie die Information veröffentlichen sollen.

Ruhiger Ton trotz politischer Brisanz

Dem Regisseur gelingt es außerdem, trotz der politischen Brisanz einen ruhigen Ton anzuschlagen. Das erreicht er insbesondere dadurch, dass die Charaktere nuancenreich gezeichnet werden. Regisseur Hood unterteilt die Menschen nicht in Gut und Böse. Sie alle müssen sich vielmehr ihrem Gewissen stellen.

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