Das deutsche Komödien-Kino befindet sich seit einigen Jahren in einem wahren Remake-Wahn. Aller guten Dinge sind zwei – das denkt sich vermutlich auch die deutsche Filmindustrie, und so bringen die Sönke Wortmanns dieses Landes ziemlich viele Remakes in unsere Kinos, die fast immer eines gemeinsam haben: Sie sind Kopien französischer Filme und haben dabei oft Christoph Maria Herbst als „König der Remakes“ gleich mit an Bord. Denn eine Kopie ohne ihn ist zwar möglich, aber selten.
Deutschlands unermüdliche Kopierwerkstatt
Üblicherweise vergehen selbst bei großen Kino-Hits oft mehrere Jahre, bis ein Film ein entsprechendes Remake erhält. In Deutschland ist das aber anders, denn es ist bei uns mittlerweile zu einer guten Tradition geworden, zwischen einem ausländischen Originalfilm und seiner deutschen Variante teilweise nur wenige Monate oder Jahre verstreichen zu lassen.
Im Jahr 2012 startete die französische Komödie „Der Vorname“ in Deutschland. Sechs Jahre später folgte das gleichnamige deutsche Remake, natürlich unter der Regie von Sönke Wortmann und mit Christoph Maria Herbst im Star-Ensemble. Zumindest die erfolgreichen Fortsetzungen „Der Nachname“ (2022) und „Der Spitzname“ (2024) basierten dann aber auf eigenen Ideen. Im Jahr 2018 kam „Die brillante Mademoiselle Neïla“ in die deutschen Kinos, zwei Jahre später folgte das Remake „Contra“, wiederum von Sönke Wortmann und natürlich mit Christoph Maria Herbst.
„Das perfekte Geheimnis“ (2019) ist hingegen ein Sonderfall unter den zahlreichen Remakes. Nicht nur, dass Christoph Maria Herbst hier seltsamerweise nicht beteiligt war – der Film basierte auf dem italienischen Film „Perfect Strangers“ aus dem Jahr 2016, der dann zwei Jahre später ein französisches Remake mit dem Titel „Le Jeu – Nichts zu verbergen“ erhielt, woraufhin wiederum ein Jahr später die deutsche Variante folgte, die nächsten Monat mit „Der perfekte Urlaub“ auch noch eine Fortsetzung erhält.
Wer bereits vor zwei Jahren mit dem französischen Millionenhit „Was ist schon normal?“ viel Spaß mit dem Thema „Inklusion“ hatte, darf sich jetzt nicht wundern, denn der Film läuft noch einmal in unseren Kinos – nur diesmal unter dem Titel „Das gewisse Etwas“ und einer deutschen Besetzung.
Zwei Gauner, eine Reisegruppe, viel Herz
Lohnt sich für diese Kopie erneut der Gang ins Kino? In diesem Fall muss man zugeben: Ja, denn dieses neue Remake ist in einigen Punkten sogar besser und unterhaltsamer als das Original. Regisseur Marc Rothemund hatte bereits vor drei Jahren mit seinem erfolgreichen Autismus-Film „Wochenendrebellen“ bewiesen, dass er mit jungen Menschen, die mit einer körperlichen und geistigen Behinderung leben müssen, gut umgehen kann. Nun rückt er erneut das Thema „Inklusion“ in die Mitte unserer Gesellschaft und macht jene Menschen sichtbar, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen oder gar nicht erst sichtbar werden, da sie Trisomie 21 haben und als Menschen mit Down-Syndrom oftmals gar nicht erst das Licht der Welt erblicken dürfen.
Für seine Version von „Was ist schon normal?“ holte sich Rothemund bekannte Gesichter vor die Kamera: Mala Emde (Köln 75) und Max von der Groeben („Fack ju Göhte“-Trilogie), an dessen Seite Mala Emde bereits in „Die Mittagsfrau“ (2023) überzeugend gespielt hat, Jasmin Schwiers „(Das Kanu des Manitu“) und Florian Lukas („Die drei ???“-Filme) sowie viele junge Darsteller mit tatsächlichen und sichtbaren Behinderungen. Ihre liebenswürdigen und authentischen Rollen berühren am meisten, weil diese Darsteller allesamt unverstellt vor der Kamera agieren. Sie tragen stets ihr Herz auf der Zunge und geben all das ungefiltert von sich, was Menschen ohne Behinderung sich wohl nie trauen würden zu sagen, Schimpfwörter im Minutentakt inklusive.
Warmherzige Sommerkomödie
Dabei ist die Geschichte des Films schnell erzählt: Nach einem Juwelenraub verstecken sich Alex (Max von der Groeben) und sein Vater Karlo (Florian Lukas) ausgerechnet bei einer Gruppe junger Erwachsener mit Beeinträchtigungen, die mit ihren Betreuern (Mala Emde, Jasmin Schwiers, Lorenzo Germeno) gerade mit dem Bus in ein Ferienhaus in den Bergen aufbrechen wollen. Die beiden tollpatschigen Gauner geben sich kurzerhand als der fehlende Mitreisende Otto und dessen Betreuer Samsung aus. Alex tut so, als wäre er schwer von Begriff, und sein Vater muss fortan eine soziale Ader vortäuschen – eine fast perfekte Tarnung. In den nächsten Tagen beginnt für alle Beteiligten ein außergewöhnliches Abenteuer, das jede Menge Spaß, große Gefühle und neue Sichtweisen mit sich bringt.
Mit „Das gewisse Etwas“ ist Marc Rothemund erneut das Kunststück gelungen, eine warmherzige Sommerkomödie voller Herz und Humor zu drehen und uns eine spielfreudige Ensemble-Komödie zu präsentieren, die nicht über Menschen und ihre Behinderungen lacht, sondern mit ihnen, und die diesen Menschen eine Plattform bietet, auf der sie ohne falsches Mitleid ernst genommen werden und durch ihre jeweilige Einzigartigkeit glänzen können.
Nomen est omen! Dieses Remake hat tatsächlich das gewisse Etwas und übertrifft sogar das Original auf wunderbare Weise. Es ist zwar in weiten Teilen eine Eins-zu-eins-Kopie der französischen Vorlage, dabei aber deutlich weniger bissig als diese und bringt dafür mehr Leichtigkeit, feinfühligen Witz und Lebensfreude mit sich.
„Das gewisse Etwas“, Deutschland 2026, 105 Minuten, Regie: Marc Rothemund, seit dem 03. September im Kino.
Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln.
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