Beharrlich rüttelt ein Gespenst an den Grundfesten der Gesellschaft: das Lagerdenken. Das verheerende Phänomen gibt es nicht erst seit gestern. Vor über 30 Jahren formulierte der Afroamerikaner Rodney King (1965–2012) flehentlich: „Können wir nicht einfach alle miteinander auskommen?“ Dieser Satz war ein verzweifelter Friedensappell in einer gefährlichen Situation. Vier weiße Polizisten, die King in Los Angeles fast zu Tode geprügelt hatten, waren vor Gericht freigesprochen worden. Massenunruhen brachen aus, es gab 53 Tote und mehr als 7.000 durch Brände zerstörte Gebäude. Auf dem Höhepunkt der Gewalt bat King auf einer Pressekonferenz im Mai 1992 eine zutiefst gespaltene Stadt, einander am Leben zu lassen.
Wissen gewinnen – um Brücken zu bauen
Jonathan Haidt fragt in „Die Macht der Moral“: Sitzen wir eingeklemmt in der gesellschaftlichen Felsspalte?
