Feminismus

Sexuelle Revolution: Das wachsende Unbehagen der Feministen

Die ständige Verfügbarkeit von Frauen als Folge der sexuellen Revolution der 60er-Jahre wird seitens des Feminismus zunehmend kritisiert, wie das Crisis Magazine feststellt.
Symbolbild Feminismus
Foto: Ailen Diaz (Agencia Uno) | Symbolbild Feminismus - Aus dem feministischen Lager gibt es zunehmend Kritik an der sexuellen Revolution.

Austin Ruse bemerkt im katholischen Crisis Magazine das zunehmende Unbehagen feministischer Akteure an den Folgen der Liberalisierung sexueller Moralvorstellungen, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter fortgeschritten ist. Anhand des soeben erschienenen Buches einer linken Feministin, die für den Guardian schreibt, analysiert der Präsident des US-amerikanischen „Center for Family and Human Rights“ deren Kritik an den Slogans einer permissiven linken Sexualmoral.

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Glaube an Monogamie

Louise Perry, Autorin von „The Case against the Sexual Revolution: A New Guide to Sex in the 21st Century“, glaube laut Ruse nicht an den „Fortschritt“: „Sie glaubt, dass Männer und Frauen körperlich, emotional, sexuell und in praktisch allen Dingen unterschiedlich sind. Sie glaubt an die monogame Mann-Frau-Ehe. Sie argumentiert gegen Pornographie. Sie argumentiert gegen Prostitution. Sie glaubt, dass die sexuelle Revolution für Frauen eine einzige Katastrophe war“. Perry schreibt in ihrem Buch, dass mit der Einführung von Pille und Spirale „eine völlig neue Kreatur in die Welt kam: die der scheinbar fruchtbaren jungen Frau, deren Fruchtbarkeit in Wirklichkeit auf Eis gelegt war“. Das habe alles verändert.

Früher habe Perry allerdings an feministischen Vorstellungen über Pornographie, sadomasochistische Praktiken, Gelegenheitssex, über die evolutionäre Psychologie und den Sexhandel festgehalten: „Doch ihre Standpunkte änderten sich aufgrund ihrer Lebenserfahrungen und ihrer Zeit, in der sie in einem Vergewaltigungskrisenzentrum arbeitete“. Im Mittelpunkt des Problems stehe nach Aussage von Perry die sexuelle Ernüchterung, die sie wie folgt erklärt: „Das ist die Vorstellung, dass Sex nichts weiter ist als eine Freizeitaktivität“. Diese sei wie jede andere soziale Wechselwirkung. Daher gebe es bei einer solchen Vorstellung keinen Grund mehr, nein zu sagen.

Studie zu Soziosexualität

Perry hingegen sei der Auffassung, dass Sex ernstgenommen werden müsse. Und warum? „Weil Männer und Frauen unterschiedlich sind. Und weil Sex zu Schwangerschaften führt – eine Last, die Frauen möglicherweise alleine tragen“, fasst Ruse den Standpunkt der Autorin zusammen. Neben den offensichtlichen körperlichen Unterschieden solle man die „Soziosexualität“ berücksichtigen, also beispielsweise die unterschiedliche Bereitschaft der Geschlechter, sich auf sexuelle Beziehungen einzulassen. Auf der einen Seite stehen dann die, die Monogamie und eine starke emotionale Beteiligung in langdauernden Beziehungen bevorzugten. Auf der anderen Seite befinden sich die, die - so Perry - „eher unbeschränkt bei ihren Begegnungen sind, sie neigen zu Promiskuität, sind schnell bereit, Sex zu haben und spüren ein geringeres Niveau einer romantischen Beziehungsnähe“.

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So habe der Psychologe David Schmitt männliche und weibliche „Soziosexualität“ in 48 Ländern studiert und dabei „beträchtliche Geschlechtsunterschiede“ herausgefunden. Ruse resümiert die Forschungsergebnisse: „Das Fazit ist, dass sich Frauen nicht besonders für Gelegenheitssex interessieren. Ja, klar, sie versuchen wacker, wie Männer zu sein. Doch letztendlich stellen sie fest, dass sie Gelegenheitssex nicht mögen“. 

Katholiken kennen das

Für konservative Christen seien die Erkenntnisse in Louise Perrys Buch zwar nicht neu, meint Ruse weiter: „Wir kennen diese Wahrheiten schon seit langem. Tatsächlich prophezeite Paul VI. vieles davon in seiner Enzyklika Humanae Vitae“.

Was jedoch bemerkenswert sei, ist, „dass eine ausgewiesene links der Mitte stehende Feministin wie Perry solche Dinge sagt. Sie gerät unter schweren Beschuss seitens der sexuellen Linken. Sie gibt nicht klein bei. Sie setzt noch einen drauf. Stellen Sie sich vor: Sie sagt etwa, dass Frauen nicht mit Männern einen trinken gehen sollten, die sie nicht kennen. Derartige Aussagen laufen der feministischen Behauptung zuwider, dass Frauen jederzeit alles tun können sollten, was sie wollen. In erster Linie ist Perry Realistin“. Auch wenn sie nicht in allem unserer Meinung sei. Homosexuelle „Ehen“ und Abtreibungen finde sie in Ordnung, und sie befürchte, wie Ruse konstatiert, „dass Traditionalisten die Konterrevolution einleiten werden und dass dies zu derartigen Skandalen wie Abtreibungsverboten führt. Dennoch, sie schreibt so gut über die monogame Ehe und großartig über Pornographie, und sie ist die Geißel der sexuellen Revolution“. Eines der interessantesten Dinge, die sie herausstelle, sei, dass es zwei sexuelle Revolutionen gegeben habe: Die eine, die gerade vor sich gehe, und die andere, die die Christen gegen die Zügellosigkeit der Römer geführt hätten. DT/kks

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