Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Zu Besuch im Vatikan

Ritter der Hoffnung

Der St.-Georgs-Orden war auf Pilgerfahrt in Rom. Impressionen vor Ort.
Artikel Pilgerfahrt St.-Geotgs-Orden Baier
Foto: © Antoine Mekary | Über die Kraft der Hoffnung diskutierten in Rom (v.li.) der kroatische Spitzendiplomat Neven Pelicarić, der stellvertretende Großmeister des St.

Die Habsburger und Rom, das ist eine lange, zeitweise turbulente, meist jedoch recht innige Beziehungsgeschichte. Und so ist wenig erstaunlich, dass der St. Georgs-Orden, der „europäische Orden des Hauses Habsburg-Lothringen“, zum Heiligen Jahr nach Rom pilgerte, mit Santa Maria dell' Anima und dem im Vatikan liegenden Campo Santo zwei überaus habsburgische Orte aufsuchte, sich mit Kurienkardinälen austauschte und – wie könnte es im Heiligen Jahr anders sein – die Heilige Pforte der Petersbasilika durchquerte.

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Liturgischer Höhepunkt war die von Kardinal Kurt Koch zelebrierte Messe in einer der schönsten Kirchen Roms, Santa Maria dell' Anima, wo nicht nur mehrere Doppeladler, sondern auch eine Reliquie und ein Bild des seligen Kaiser Karl an die lokale Verbundenheit mit dem Heiligen Römischen Reich wie mit Österreich-Ungarn erinnern.

Kirchliche Pilgerschaft: Zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes

Kardinal Kurt Koch seinerseits erinnerte die Ritter und Damen des Ordens wie ihre Gäste aus Vatikan und Diplomatie daran, dass die Pilgerschaft der Kirche stets zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes verläuft. 80 Prozent der Menschen, die heute um ihres Glaubens willen verfolgt werden, seien Christen, so der für die Ökumene zuständige Kurienkardinal in seiner Predigt. Er würdigte zugleich, dass die Ritter von heute in der Tradition des heiligen Georg gegen das achtfache Elend kämpfen.

Dies aufgreifend meinte der Direktor des vatikanischen EWTN-Studios, Andreas Thonhauser, bei der Abendveranstaltung in der Bibliothek der Anima, dies sei „eine gute Zeit, nicht nur über Hoffnung zu sprechen, sondern auch über Ritterlichkeit“. Zwei Vorbilder dafür nannte im Podiumsgespräch der stellvertretende Großmeister des St. Georgs-Ordens, Georg von Habsburg: seinen Großvater, den seligen Kaiser Karl, der alle Zuversicht aus dem täglichen Messbesuch und dem Gebet geschöpft habe, und seinen Vater Otto von Habsburg, der keine seiner vielen Reden ohne einen Appell zum Optimismus beendete. Er selbst hoffe, dass Europa eine wesentliche Rolle bei der Wiederherstellung des Friedens spielen werde, weil das vereinte Europa gerade angesichts des Krieges an seinen Grenzen ein „optimistisches Projekt“ sei.

„Die allerwichtigste Aktivität ist aber das Gebet“

Hoffnung sei in einer Welt voll politischer und ökonomischer Herausforderungen unerlässlich, meinte Kardinal Koch und lud dazu ein, mehr über die Würde des Menschen zu sprechen. Koch widersprach einer Umdeutung der Menschenrechte, etwa wenn aus dem „Recht auf Leben“ ein „Recht auf Abtreibung“ gemacht wird. „Viele Leute sprechen über Toleranz, legen aber ein intolerantes Verhalten an den Tag“, so der Kardinal. Eduard von Habsburg, der als Botschafter Ungarns am Heiligen Stuhl wirkt, setzt seine Hoffnung gerade dann auf Gott, wenn der Optimismus nicht weiterhilft. Er appellierte an die Anwesenden aus Vatikan, Diplomatie, römischer Gesellschaft und St. Georgs-Orden, durch den respektvollen Umgang mit Andersdenkenden ein persönliches Vorbild zu sein, auch in den sozialen Medien. Eduard von Habsburg beschrieb die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung der EU ebenso wie das globale Wirken der vatikanischen Diplomatie, meinte jedoch bilanzierend: „Die allerwichtigste Aktivität ist aber das Gebet.“

Nach einem Vormittag im Campo Santo, bei dem Paul Markowitsch vom Staatssekretariat das globale Wirken der Päpste und ihrer Diplomatie darstellte, pilgerte eine Delegation des St. Georgs-Ordens durch die vatikanischen Gärten zum Päpstlichen Almosenier, Kardinal Konrad Krajewski, um ihm einen Scheck für die mildtätigen Werke des Papstes zu überreichen.

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