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Philosoph Finkielkraut: Hege tiefe Bewunderung für Ratzinger

Im Feuilleton-Interview mit der „Tagespost“ fordert der große französische Denker zum Kampf gegen den Nihilismus auf.
Alain Finkielkraut gehört zu den größten europäischen Denkern der Gegenwart
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Alain Finkielkraut: „Mein Atheismus ist melancholisch. Mein Atheismus ist verwaist. Gott existiert nicht für mich. Ich glaube nicht an Gott, weil ich an den Tod glaube.

Der französische Philosoph Alain Finkielkraut (73) gehört zu den größten europäischen Denkern der Gegenwart. Im Gespräch mit der „Tagespost“ bekennt der jüdisch-stämmige Philosoph seine „tiefe Bewunderung“ für den verstorbenen Papst Benedikt XVI.: „An Benedikt XVI. schätzte ich in erster Linie, dass er ein großer Intellektueller war. Seine Ansprache an der Universität in Regensburg war eine Stunde großer spekulativer Intelligenz. Indem er wieder an die Theologie anknüpfte, brach er mit der Religion der Humanität, die uns zugleich Religion und Denken ersetzt. Seinen Appell, den Glauben und die Vernunft in einem großen Logos zu vereinen, fand ich sehr bewundernswert“, so Finkielkraut.

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Und weiter: „Er [Benedikt XVI.] fürchtete sowohl die Reduktion der Ratio auf eine instrumentelle Vernunft, wie Horkheimer das nannte, als auch die Reduktion der Religion auf pure Sentimentalität. Er kämpfte an zwei Fronten mit einem hohen Anspruch an sich selbst und einer großen Klarsichtigkeit. Er war auch in der Lage, das europäische Erbe zu verteidigen. Dieses Erbe aber verscherbelt schamlos Papst Franziskus. Ja, ich hege eine tiefe Bewunderung für Joseph Ratzinger.“

Ein Atheist, der den Nihilismus verabscheut 

Obwohl er sich selbst als Atheist einstuft, fordert Finkielkraut zum Kampf gegen den Nihilismus auf. So bekennt er gegenüber der Kulturjournalistin Ute Cohen: „Mein Atheismus ist melancholisch. Mein Atheismus ist verwaist. Gott existiert nicht für mich. Ich glaube nicht an Gott, weil ich an den Tod glaube. Und selbst der Tod ist für mich weniger ein Glaube als eine Gewissheit.“ 

Das bedeute aber „keinen Freifahrtschein für schlechte Taten. Ich würde nicht wie eine Figur bei Dostojewski sagen, dass alles erlaubt ist, wenn Gott nicht existiert. Nein! Wir müssen den Nihilismus bekämpfen! Diesen Nihilismus, der nicht nur Alles ist möglich bedeutet, sondern auch diesen Nihilismus des Alles ist gleich und gleichgültig. Wir müssen ihn bekämpfen – auch ohne Referenz auf ein Jenseits.“  DT/mee

Philosoph Alain Finkielkraut im großen „Tagespost“-Feuilleton-Interview über Gott, Glaube und Europa. Lesen Sie das ganze Gespräch mit Ute Cohen in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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