Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Naturwissenschaften

„Mit Erkenntnisgrenzen müssen wir leben“ 

Die promovierte Astrophysikerin, TV-Moderatorin und Katholikin Sibylle Anderl beschränkt sich bei der Frage, was das Leben ausmacht, nicht auf naturwissenschaftliche Lehrsätze.
Verleihung Bayerischer Filmpreis
Foto: Matthias Balk (dpa) | Sibylle Anderl, Astrophysikerin, spricht im Prinzregententheater während der Verleihung des Bayerischen Filmpreises als Laudatorin für die Drehbuchautoren Schrader und Schomburg.

Ja, Katholikin sei sie und werde das wohl auch bleiben, sagt Sibylle Anderl. Und das trotz der vielen Fragen, die sie von der Kirche nicht beantwortet bekäme. Schon früh öffnete sie ihren Horizont, begab sich auf die Suche nach Dingen, die ihr Freude bereiteten und die sie interessierten. Während des Studiums betätigte sich Anderl als Kinderbuchillustratorin, malte und zeichnete, um Heranwachsenden zu zeigen, wie man ein gesundes Leben führt. Die bildende Kunst wurde ihr in die Wiege gelegt und war später schriftliches Abiturprüfungsfach an der katholischen Liebfrauenschule in Oldenburg, wo sie im Jahre 2000 maturierte.  

Lesen Sie auch:

Physikerin auf der Suche

Bekannt wurde Sibylle Anderl als Fernsehmoderatorin auf ARD Alpha, als Vortragsrednerin und Talkgast in verschiedenen Radiosendungen. Immer wieder geht es in ihren Beiträgen um die Frage nach dem Ursprung des Lebens, um Fragen der Erkenntnis und den menschlichen Drang, das Wissen um das, was uns umgibt, zu erweitern. „Gleichwohl es Grenzen der Erkenntnis gibt, die wir akzeptieren müssen“, sagt Anderl. 

Studiert hat sie Physik und Philosophie an der Technischen Universität Berlin und später in Bonn promoviert, verbunden mit häufigen Umzügen und immer auf der Suche nach Erkenntnis rund um die Frage, worum sich der Ursprung des Lebens zentriert und wo die Grenzen liegen zwischen Kognition, Empirie und Glauben.

Sinn des Lebens

Bei aller Faszination für naturwissenschaftliches Denken stand dessen Relativität für Anderl nie außer Frage. „Die Naturwissenschaften erheben keineswegs den Anspruch, Wert- und Sinnfragen zu beantworten“, sagt sie, und auch im Verständnis des Menschen selbst seien ihre Grenzen offenkundig. „Für die Frage nach dem Sinn des Lebens und unserer Existenz muss jeder Mensch einen eigenen, individuellen Weg finden, ob das nun über den Glauben oder die Philosophie oder auf noch anderem Wege passiert“, sagt sie. Und wo sich da aus ihrer Sicht die Grenzen zum christlichen Glauben befänden? „Gleichzeitig erlebe ich immer wieder, dass der Glaube auch mitten in den Naturwissenschaften beginnen kann und damit nicht in Widerspruch stehen muss“, sagt Anderl. DT/mee

Die Wissenschaftlerin und Journalistin Sibylle Anderl über Glauben und Naturwissenschaft. Lesen Sie den ganzen Text in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Vorabmeldung

Weitere Artikel

Unwissenschaftliche Verabsolutierung der MHG-Studie und kein kirchenrechtlicher Rahmen: Das sind laut dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer die zwei „Geburtsfehler“ des Synodalen Weges.
08.04.2023, 12 Uhr
Vorabmeldung
Für „die Tagespost“ rezensiert Markus Günther „Ruhrbesetzung 1923. Ein Jahr spricht für sich.“ von Werner Boschmann.
10.10.2022, 10 Uhr
Vorabmeldung

Kirche

Der Selige ahnte seinen Tod und die Todesart. Er bat um die Gnade, dass mit seinem Blut seine Sünden abgewaschen werden.
13.06.2024, 21 Uhr
Claudia Kock
Rom will im ökumenischen Dialog über die Ausübung des päpstlichen Primats weiterkommen und denkt an eine Neubewertung des Unfehlbarkeits-Dogmas.
13.06.2024, 11 Uhr
Guido Horst