Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Ausstellung in Madrid

Juden und Christen: Eine komplizierte Geschichte

Antisemitismus grassierte auch in der katholischen Geschichte Spaniens. Heute können wir davon lernen, so Kolumnist Alexander von Schönburg.
Das Gemälde "Der Brunnen des Lebens", das Jan von Eyck zugeschrieben wird, zeigt, wie die Christen über die Juden triumphieren.
Foto: Museo Nacional del Prado/Baztan Lacasa Jose | Das Gemälde "Der Brunnen des Lebens", das Jan von Eyck zugeschrieben wird, zeigt, wie die Christen über die Juden triumphieren.

Das allerkatholischste Spanien, so Bild-Chefredakteur und Kolumnist Alexander von Schönburg, gibt bei der Ausstellung „Der verlorene Spiegel. Das mittelalterliche Bild von Juden und Judentum“ im Madrider Prado kein gutes Bild ab: „Das reicht von fratzenhaften Darstellungen jüdischer Gesichter bis hin zur krassen Bebilderung angeblicher Ritualmorde“, so von Schönburg. Ein Rundgang durch die Ausstellung, deren Fokus ausschließlich auf dem Mittelalter und auf der iberischen Halbinsel liegt, lasse den Besucher „in Abgründe von Verunglimpfung, ja Verteufelung“ schauen; dies sei beeindruckend wie verstörend.

Lesen Sie auch:

Innerspanische Identifikationskrise

Nirgendwo als in Spanien sei das Misstrauen größer, dass Konvertiten „heimlich weiter ,judaisierten‘“, so von Schönburg und leitet aus diesem Misstrauen auch eine innerspanische Identifikationskrise her, die laut ihm zur spanischen Inquisition beigetragen habe. Gleichzeitig hat die Ausstellung, so von Schönburg, einige Lücken – denn die Beziehung zwischen Juden und Christen hätten gerade im künstlerischen Bereich auch produktive Seiten gehabt. Gerade heute sei die Ausstellung allerdings ein „wertvolles Mahnmal“, das zur Demut auffordere. DT/sdu

Warum Juden von Christen Buntglasfenster bestellten und was die Ausstellung im Prado Betrachter gerade heute lehren kann, ist in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“ in der Kolumne „Tagesposting“ zu lesen.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Alexander von Schönburg Antisemitismus

Weitere Artikel

Der spanische König trägt seit 1496 den Titel „Katholische Majestät“. Doch seit dem Ende der „Reconquista“ hat sich einiges geändert in dem Land, das der Papst bald bereist.
30.05.2026, 08 Uhr
Esther von Krosigk
Lorenz Jäger spricht über Vergänglichkeit, Lebensklugheit und die großen Fragen der menschlichen Existenz – Donnerstag, 14. Mai, 16 Uhr, im Tagespost-Salon im Lügensteinmuseum Würzburg.
13.05.2026, 19 Uhr
Vorabmeldung
Der Landesvorsitzende der FDP in NRW hält den islamischen Religionsunterricht in seiner derzeitigen Form für nicht tragbar. Wofür er stattdessen plädiert.
14.08.2026, 07 Uhr
Henning Höne

Kirche

Bei „Mariä Himmelfahrt" geht es weniger darum, ob Maria gestorben ist, als um die Hoffnung auf die Auferstehung und die Vollendung des Menschen bei Gott.
15.08.2026, 04 Uhr
Dorothea Schmidt
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock