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Ende für Gender: Ungarn schafft Gender-Studies ab

Ungarn schafft Gender-Studies an den Universitäten ab. Während dort gilt: „Keiner braucht Genderologen!“, wird in Deutschland Kritik an der Entscheidung laut.
Gender
Foto: Querdenken.tv | Eine anthropologische Revolution: Gender-Mainstreaming, womit nicht nur Ehe und Familie, sondern insgesamt die Geschöpflichkeit des Menschen in Frage stehen.

Seitdem Anfang August die ungarische Regierung das „Aus“ der Gender Studies an heimischen Hochschulen verkündete, ist die Empörung auf Seiten der Presse hierzulande groß.

Ungarn schafft Gender Studies ab

Staatssekretär Bence Rétvári gab bekannt, dass nach einem Vorhaben des ungarischen Ministeriums für Humanressourcen (EMMI), das für Soziales, Bildung, Kultur, Familie, Sport und Jugend zuständig ist, ab dem nächsten akademischen Jahr Gender-Forschung an staatlichen Unis abgeschafft werde. Rétvári begründete den Plan damit, dass der betreffende Studiengang „vom ökonomischen Standpunkt aus gesehen nicht rational begründet“ sei. Und Zsolt Semjén, Parteivorsitzender der christlich-nationalen Volkspartei KDNP, dem Koalitionspartner die Regierungspartei Fidesz, stellte fest: „Keiner möchte ,Genderologen‘ einstellen, deshalb müssen sie auch nicht ausgebildet werden.“

Gender Studies gibt es nur an zwei Universitäten

Betroffen wären nach Verabschiedung des Gesetzes lediglich zwei Hochschulen und insgesamt etwa 60 Studenten: die Eötvös-Loránd-Universität in Budapest (ELTE) sowie die private, von George Soros gegründete Central European University (CEU). Laut der Nachrichtenagentur Reuters unterstrich der für die Europapolitik verantwortliche Kanzleiminister Gergely Gulyas, dass allein schon die geringe Anzahl der Studenten Grund genug wäre, den Studiengang abzuschaffen: „Die ungarische Regierung vertritt die klare Meinung, dass die Menschen entweder als Frauen oder als Männer geboren werden.“

Ausbildung in Gender Studies kann abgeschlossen werden

Auch wenn das Studium ab nächstem Jahr eingestellt würde, so Gulyas, könnten die bereits immatrikulierten Studenten ihre Ausbildung abschließen. In den deutschen Medien heißt es hingegen unisono, das Vorhaben sei absurd, undemokratisch und wissenschaftsfeindlich. Da ist die Rede von einem „Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft“ – WELT-Autorin Susanne Gaschke attestiert dem ungarischen Regierungschef sogar eine „tiefe Verachtung für die akademische Freiheit“. Es werden noch schärfere Geschütze aufgefahren, wenn die EU-Mitgliedschaft des osteuropäischen Landes in Zweifel gezogen wird.

DT (jbj)

Ungarn schafft Gender-Studies ab, in Deutschland wird die Entscheidung scharf kritisiert. Lesen Sie alles dazu im Bericht von Katrin Krips-Schmidt in der Tagespost vom 30. August 2018.

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