Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Berlin

Der deutsche Roman ist in der Krise

Deutsche Romane lassen immer häufiger Geschichten vermissen, meint Klaus-Rüdiger Mai. Die Atmosphäre politischer Korrektheit scheint den Zugang zur Wirklichkeit schwerer zu machen.
Der deutsche Roman in der Krise
Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild) | Wenn es keinen überzeugenden Erzähler mehr gibt, dann scheint auch etwas mit der Wirklichkeit nicht mehr zu stimmen, so der Schriftsteller Klaus-Rüdiger Mai über die Krise des Romans.

Der Schriftsteller Klaus-Rüdiger Mai sieht den deutschsprachigen Roman in der Krise. Zu sehr werde in Rezensionen auf die politische Korrektheit geachtet, ja sogar gewarnt, ohne ästhetische Kriterien anzugeben. „Unsere Gesellschaft scheint den Erzähler nicht mehr zu benötigen. Sie benötigt den Ratgeber, den Experten – und der Literaturbetrieb das Angepasste, das Uninteressante, das Nichterzählte, das Konstrukt aus Gesinnung, denn der Erzähler mit seiner Leidenschaft für die Authentizität von Figuren wirkt als Störenfried“, meint Mai und hofft, dass sich die Literatur von den Ideologen befreit und wieder zur Wirklichkeit finden kann.

Den Zustand der Gesellschaft an den Roman ablesen

Lesen Sie auch:

An ihren Romanen lässt sich auch der Zustand einer Gesellschaft ablesen. Wenn es keinen überzeugenden Erzähler mehr gibt, dann scheint auch etwas mit der Wirklichkeit nicht mehr zu stimmen. Denn der Erzähler vermittelt das große Allgemeine der Aussage eines Romans mit den vielen Details der Lebenswirklichkeit seines Personals.

DT/ari

Weshalb sich der deutsche Roman derzeit in einer Krise befindet - und wie er aus dieser wieder herausfinden könnte, lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe kostenlos

Themen & Autoren
Redaktion Krisen Romane

Weitere Artikel

Entstanden aus einer Lüge: Über die folgenreiche Mutterlosigkeit von Kindern, die mittels Leihmutterschafts-Arrangements geboren werden.
06.03.2026, 19 Uhr
Cornelia Kaminski
Jean Paul hat Goethe bewundert. Umgekehrt konnte der mit dem fränkischen Poeten nur wenig anfangen.
14.11.2025, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok