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Der deutsche Roman ist in der Krise

Deutsche Romane lassen immer häufiger Geschichten vermissen, meint Klaus-Rüdiger Mai. Die Atmosphäre politischer Korrektheit scheint den Zugang zur Wirklichkeit schwerer zu machen.
Der deutsche Roman in der Krise
Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild) | Wenn es keinen überzeugenden Erzähler mehr gibt, dann scheint auch etwas mit der Wirklichkeit nicht mehr zu stimmen, so der Schriftsteller Klaus-Rüdiger Mai über die Krise des Romans.

Der Schriftsteller Klaus-Rüdiger Mai sieht den deutschsprachigen Roman in der Krise. Zu sehr werde in Rezensionen auf die politische Korrektheit geachtet, ja sogar gewarnt, ohne ästhetische Kriterien anzugeben. „Unsere Gesellschaft scheint den Erzähler nicht mehr zu benötigen. Sie benötigt den Ratgeber, den Experten – und der Literaturbetrieb das Angepasste, das Uninteressante, das Nichterzählte, das Konstrukt aus Gesinnung, denn der Erzähler mit seiner Leidenschaft für die Authentizität von Figuren wirkt als Störenfried“, meint Mai und hofft, dass sich die Literatur von den Ideologen befreit und wieder zur Wirklichkeit finden kann.

Den Zustand der Gesellschaft an den Roman ablesen

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An ihren Romanen lässt sich auch der Zustand einer Gesellschaft ablesen. Wenn es keinen überzeugenden Erzähler mehr gibt, dann scheint auch etwas mit der Wirklichkeit nicht mehr zu stimmen. Denn der Erzähler vermittelt das große Allgemeine der Aussage eines Romans mit den vielen Details der Lebenswirklichkeit seines Personals.

DT/ari

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