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Würde Thomas von Aquin Joe Biden oder Donald Trump wählen?

In sechs Wochen steht in den USA die Präsidentschaftswahl an. Eine kurze thomistische Anleitung des „Crisis Magazine“ will die Wähler bei ihrer Entscheidung unterstützen.
Wahlkampf in den USA
Foto: Joe Cavaretta (South Florida Sun-Sentinel/AP) | Um den Wählern die Entscheidung zwischen Joe Biden und Donald Trump zu erleichtern, stellt das katholische Crisis Magazine Kriterien vor, die der heilige Thomas von Aquin als Prinzipien für einen guten Fürsten ...

Nur noch sechs Wochen, dann ist es soweit. Amerikas Wähler sind aufgerufen, bei der zukunftsentscheidenden Präsidentschaftswahl dem einen oder anderen Kandidaten ihre Stimme zu geben. Um ihre Entscheidung zu erleichtern, stellt das katholische Crisis Magazine Kriterien vor, die der heilige Thomas von Aquin als Prinzipien für einen guten Fürsten erkannt hatte. Die Kirche habe für eine Entscheidungsfindung zwar „keine offiziellen klaren Kriterien“, dennoch habe Rom den Gläubigen zeitgemäße Dokumente in Bezug auf politische Entscheidungen bereitgestellt: „Papst Johannes Paul II. schenkte uns Evangelium Vitae (68-74). Kardinal Joseph Ratzinger veröffentlichte als Leiter der Kongregation für die Glaubenslehre eine „Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben“. Katholiken, die der Lehrautorität der Kirche vertrauten, „sollten ihre Wahlentscheidung auf die Logik dieser Dokumente gründen“.

Thomas von Aquin kann Orientierung bieten

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In Ergänzung zu den genannten Dokumenten empfiehlt Crisis, dass „alle Katholiken und Menschen guten Willens“ einen Blick auf die politische Philosophie des heiligen Thomas von Aquin werfen sollten, um Orientierung bei der Frage zu finden, welcher Kandidat im November unterstützt werden sollte. In der Schrift „De Regno“ („Über die Herrschaft der Fürsten“) und der „Summa Theologiae“ biete der Aquinate eine stringente Darstellung über den Ursprung, das Wesen und den Zweck einer Regierung. Der Doctor angelicus zeige darin drei Verpflichtungen auf, denen ein Präsident nachkommen müsse, um die Menschen zu einem glücklichen, tugendhaften Leben zu führen. Erstens müsse er sich bemühen, „seinem Volk Zugang zu den lebensnotwendigen Bedarfsgütern, wie Nahrungsmitteln, Wasser und Obdach zu bieten.

Solche Mittel werden durch die natürlichen Ressourcen der Nation wie auch durch Handel mit anderen Nationen bereitgestellt“, heißt es in dem Artikel. Zweitens müsse ein Regent „auf der Basis von Gesetzen, Bestrafungen und Belohnungen Lastern in seinem Volk entgegenwirken und Tugenden fördern“. Durch eine derartige Gesetzgebung schütze er sein Volk „gegen die innere Gefahr ihres eigenen widernatürlichen Willens“. Drittens müsse ein Regent „seine Nation gegen Angriffe von äußeren Feinden und anderen Nationen verteidigen. Das heißt, er muss einer Polizei und einem Militär vorstehen, die imstande sind, die Nation zu verteidigen und die Ordnung sicherzustellen“. Anderenfalls wäre es sinnlos, gegen innere Gefahren vorzubauen, wenn die Menschen nicht gegen äußere Gefahren beschützt werden könnten.

Wie Gesetze beschaffen sein müssen

In der Summa Theologiae biete der Aquinate weitere Details im Hinblick auf die gesetzgebende Tätigkeit einer Regierung: „Er unterscheidet zwischen einem gerechten und einem ungerechten menschlichen Gesetz. Um gerecht zu sein, muss ein von einem Regenten verkündetes und in Kraft gesetztes Gesetz mit dem ‚Naturrecht‘ übereinstimmen“. 

Das Crisis Magazine lässt offen, wer all diese Kriterien erfülle - einen der Kandidaten schließt es aber aus.  DT/ks

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