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„Viva Maria!“

Die Tage der Begegnung sind abwechslungsreich: Sportveranstaltungen, Lichterprozession und eine große Messe im Stadion von Loulé stehen auf dem Programm.
Teilnehmer beim Weltjugendtag
Foto: IMAGO/Pedro Granadeiro (www.imago-images.de) | Die Tage der Begegnung bereiten die vielen Teilnehmer des Weltjugendtags auf das Hauptprogramm vor.

„Ich weiß nicht, wie ihr noch Energie habt“, sagt der Portugiese, der mit einer Kamera filmt, wie wir Deutschen in Sportkleidung Tennisbälle hin- und herwerfen. „Wir auch nicht“, lautet die Antwort. Der Freitagabend ging mit einer Lichterprozession vom Stadtpark in Loulé zur Kirche Nossa Senhora da Piedade zu Ende. Aber natürlich sind viele Pilger noch länger wach geblieben. „Viva Maria!“, riefen die Portugiesen, und „Viva!“, riefen die Pilger zurück. Das beeindruckt die Deutschen. „Es ist interessant zu sehen, wie in anderen Ländern der Glaube gelebt wird“, sagt eine von ihnen später.

Auch die Deutschen können feiern

Die Gruppe aus Kuwait, mit der wir jeden Tag die heilige Messe feiern, ist auch ein Beispiel. Aber die deutsche Gruppe hat beschlossen, den Reisenden aus dem Mittleren Osten zu zeigen, dass auch die Deutschen feiern können. „So ein schöner Tag“, drehen sie nach der Messe in der ehemaligen Moschee Sao Clemente auf, und bringen den Kuwaitern die Choreografie bei. 

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Neben Messe und Tanzen stand am Samstag aber eben auch Sport auf dem Programm: Tennis, Rugby, Karate und Taekwondo – alles sollten die Teilnehmer einmal ausprobieren. Angesichts der steigenden Temperaturen hielt sich die Motivation aber in Grenzen. Am Abend lädt Loulé zu einem Sommertanz ein. Zurück im Park gibt es um die Bühne Stände mit portugiesischen Spezialitäten und Musik. 

Der Sonntag bietet morgens einige Stunden Freizeit. Die große Messe im Stadion von Loulé und Faro mit den Pilgern der ganzen Algarve findet erst um 16 Uhr statt. Während die Slowenen und Italiener Volleyball oder Gitarre spielen, packen die Deutschen ihre Koffer. Sie machen sich schon mittags um 12 auf den Weg ins Hotel, von wo sie am Dienstag nach Lissabon fahren. Im Stadion begrüßt der Bischöfe, Manuel Meto Quintez, die verschiedenen Nationalitäten: Südkorea, Uruguay, Mozambique, die Philippinen, Mexiko, Kanada, Dänemark. Die Gruppen jubeln laut, wenn ihr Name genannt wird. Nur als Deutschland aufgerufen wird, herrscht Stille.

„Ich lade sie ein, und sie kommen“ 

Mit einem Uber fahre ich nach der Messe meiner Gruppe hinterher. Für die anderen, die ich getroffen habe, ein Kapuziner aus Slowenien, eine kanadische Mutter, eine französische Ordensfrau, war es schwer verständlich, dass eine Pilgergruppe ausgerechnet die Sonntagsmesse verpasst. Sie sagen, dass sie für Deutschland beten.

Am Morgen saßen die Slowenen wie wir Deutsche im Hof. Wir hielten eine kurze Andacht mit 30 Jahre alten Liedern aus dem Weltjugendtags-Pilgerbuch. Dann folgte ein kurzer Impuls. Auf der anderen Seite des Schulhofs sangen die Slowenen die Laudes, während die Italiener in Gebetstagebüchern schrieben. Ich frage den Kapuziner, wie er glaubt, dass man Jugendliche am besten zum Glauben führt. Er überlegt kurz, dann zuckt er mit den Schultern: „Ich lade sie ein, und sie kommen.“


Begleiten Sie unsere Autorin Sally-Jo Durney in den nächsten Tagen bei den Tagen der Begegnung und dem Weltjugendtag in Lissabon. Alle Tagebuch-Einträge finden Sie hier

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