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Proteste gegen Pell bei dessen Beerdigung

„Pell, fahr zur Hölle“: Bei der Beisetzung des Kurienkardinals ist es zu Auseinandersetzungen gekommen. Demonstranten und Trauergäste bewerteten Pells Vermächtnis höchst unterschiedlich.
Trauerfeier für George Pell
Foto: Dan Himbrechts (AAP) | Keine Gnade mit dem Verstorbenen: Auto mit Banner vor der Kathedrale von Sydney

Bei der Trauerfeier für Kardinal Pell in Sydney ist es zu Protesten und wüsten Beschimpfungen gekommen. Wie die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) berichtet, demonstrierten Homosexuellenorganisationen, Missbrauchsbetroffene und deren Angehörige unter dem Motto „Pell go to hell“ – „Pell, fahr zu Hölle“. Dabei kam es scheinbar auch zu Rangeleien mit den rund 2000 Besuchern der Trauerfeier, die sich in der Kathedrale und auf dem Vorplatz eingefunden hatten.

Als ranghöchster Geistlicher der katholischen Kirche, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde, war Pell ab 2018 in den Fokus einer größeren Öffentlichkeit geraten. Pell hatte 405 Tage im Gefängnis verbracht, war 2020 aber in letzter Instanz von allen Vorwürfen freigesprochen worden. Ein Zivilverfahren war Zeitpunkt seines Todes noch anhängig. Der Erzbischof von Sydney, Anthony Fisher, sagte bei der Beisetzungsfeier: „Auch nachdem er vom High Court einstimmig entlastet wurde, dämonisierten ihn einige weiterhin“. Pell sei ein „Gigant“ und der „einflussreichste Kirchenmann in der Geschichte der Nation“ gewesen. Die Gerichtsverfahren bezeichnete Fisher als „politische Kampagne“. Der Organisator der Demonstration äußerte nach Berichten der deutschen Presseagentur, man wolle „eine starke, laute, lebendige und sichtbare Kundgebung, um allem entgegenzutreten, wofür Pell stand“.

Abbott würdigt Pell

Unter den Trauergästen waren auch die ehemaligen australischen Premierminister Tony Abbott und John Howard. Unter dem Applaus der Trauergäste nannte Abbott, wie verschiedene Medien berichteten, den verstorbenen Kardinal einen „Helden, der zum Sündenbock für die katholische Kirche gemacht wurde“. Die derzeit amtierende Regierung von Premierminister Anthony Albanese hatte bereits kurz nach Pells Tod ein Staatsbegräbnis ausgeschlossen.

Pell war am 10. Januar im Alter von 81 Jahren überraschend gestorben, nachdem er sich einer Hüftoperation unterzogen hatte. Auch kurz nach seinem Tod hatte Pell noch einmal im Zentrum des Interesses gestanden, nachdem Texte veröffentlicht worden waren, in denen sich der ehemalige Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariats kritisch über das Pontifikat von Papst Franziskus äußerte. (DT/jra)

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