Lahore

Pakistan: Christen fordern Mindestalter für religiöse Konversionen

Zwangskonversionen Minderjähriger sind in Pakistan an der Tagesordnung. Nun fordern christliche Aktivisten erneut, dass das Alter für religiöse Konversionen auf 18 Jahre angehoben wird.
Pakistanische Christen besuchen am frühen Morgen die Ostermesse
Foto: Fareed Khan (AP) | Pakistan, Karatschi: Pakistanische Christen besuchen am frühen Morgen die Ostermesse in der St. Patrick’s Cathedral.

Christen in Pakistan haben erneut ein gesetzliches Verbot für den Glaubensübertritt von Minderjährigen gefordert. Es sei „dringlich“, dass die Regierung dem Vorschlag des Senatskomitees für Minderheitenrechte folge und das Alter für religiöse Konversionen auf 18 Jahre anhebe, heißt es in einem Schreiben der Nichtregierungsorganisation „Claas“ (Center for Legal Aid Assistance and Settlement), die verfolgte Christen in Pakistan betreut.

Mädchen vor Entführung und Zwangsehen schützen

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Wie es in dem vom vatikanischen Pressedienst Fides veröffentlichten Schreiben heißt, gehe es konkret darum, Mädchen aus christlichen und hinduistischen Familien vor Entführung und Zwangsehen zu schützen. Durch Zwangskonversionen junger Frauen zum Islam könnten diese nach der Entführung verheiratet werden, ohne dass die Familie der oft minderjährigen Mädchen rechtlich dagegen vorgehen könnte, da staatliche Stellen auf eine vorgebliche Freiwilligkeit des Glaubensübertritts verwiesen. „In manchen Fällen hat die Polizei den Eltern sogar erklärt, sie müssten glücklich darüber sein, dass ihre Tochter zum Islam konvertiert ist“, erklärte Claas-Direktor Nasir Saeed.

Auch die Gerichte würden oft rein auf Grundlage der mutmaßlich erzwungenen Freiwilligkeitsbekundungen der Mädchen entscheiden. „Die Richter missachten hier nationales und internationales Recht vollkommen und schaden damit dem ganzen Land“, betonte Saeed.  

Der Minister für religiöse Angelegenheiten der „Islamischen Republik“ Pakistan, Noorul Haq Qadri, unterstützt den Angaben zufolge das Verbot der minderjährigen Konversion demnach nicht. So habe er beim jüngsten Treffen des nationalen Komitees erklärt, ein Glaubenswechsel, auch unter 18 Jahren, sei eine persönliche Entscheidung. Hochzeiten mit Minderjährigen hingegen seien ein eigenes Thema und müssten zunächst im Rat für Islamische Ideologie besprochen werden.

Tausend christliche und hinduistische Frauen jährlich verschleppt

Menschenrechtsorganisationen zufolge werden in Pakistan jedes Jahr rund tausend christliche und hinduistische Frauen und Mädchen verschleppt und zwangsverheiratet. Bekannt wurde vor einem Jahr der Fall der verschleppten und zwangsverheirateten 13-jährigen Katholikin Arzoo Raja. Das Mädchen war in der südpakistanischen Stadt Karatschi verschleppt, zur Konversion zum Islam und zur Heirat mit ihrem mutmaßlichen Entführer gezwungen worden. Aufgrund der steigenden Anzahl von Verschleppungen junger Mädchen, der Praxis der Zwangsheirat, sowie der Zwangskonversion zum Islam leben die Angehörigen religiöser Minderheiten in Pakistan in Angst und Schrecken.  DT/chp

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