Vatikanstadt

Müller: Wenn die Hirten schlafen, schlägt die Stunde der Laien

In der Diskussion um den Raub der "Pachamama"-Figuren weist Kardinal Gerhard Müller Kritik zurück. Der Skandal bestehe in der Gotteslästerung.
Kardinal Müller weist Kritik am Pachamama-Raub zurück
Foto: Lena Klimkeit (dpa) | Müller erinnerte auch an das Vorbild des Apostels der Deutschen: Der heilige Bonifatius habe aus dem Holz der gefällten Donareiche eine christliche Kapelle gebaut.

Kardinal Gerhard Müller lehnt Kritik am Pachamama-Wurf in den Tiber ab. Ohne den Urheber der Aktion, Alexander Tschugguel, namentlich zu nennen, erklärte Müller gegenüber dieser Zeitung. „Wenn die Hirten schlafen, schlägt die Stunde der Laien.“ Der Skandal bestehe in der Gotteslästerung, wenn in katholischen Kirchen und im Beisein von katholischen Gläubigen und ihren Hirten Geschöpfe oder von Menschenhand geschaffene Bilder aus Stein, Holz, Metall etcetera anstelle des einzigen und wahren Gottes angebetet werden.

Müller: Alttestamentlichen Propheten sind rigoroser vorgegangen

Auf den Tiberwurf Tschugguels angesprochen, sagte der Kardinal, im Kampf gegen die Götzenbilder seien die altesttamentlichen Propheten viel rigoroser vorgegangen. Müller erinnerte auch an das Vorbild des Apostels der Deutschen: Der heilige Bonifatius habe aus dem Holz der gefällten Donareiche eine christliche Kapelle gebaut. Wörtlich stellte der Kardinal fest: „Im Zeitalter der Selbstsäkularisierung des Christentums hätten sicher einige Jünger - in fröhlicher Eintracht mit seinen Feinden, die ihn ans Kreuz brachten -  nach der Tempelreinigung Christus wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung öffentlich angeklagt und strafrechtlich verfolgt." Die Jünger hätten Jesus mangelnde Dialogbereitschaft attestiert, so Müller weiter, "weil Er mit heiligem Eifer einschritt, als Geldwechsler und Tierhändler das Haus seines Vaters zu einer Markthalle machten".

"Das ganze [...] Treiben kann man nicht
als Inkulturation verharmlosen oder als
Zeichen des Respekts für andere Kulturen schönreden"
Kardinal Müller über die Amazonas-Synode

Erneut übte Kardinal Müller scharfe Kritik an der Amazonas-Synode: „Das ganze -  mit vielen Euros gesponserte - Treiben kann man nicht als Inkulturation verharmlosen oder als Zeichen des Respekts für andere Kulturen schönreden oder gar in bemalten weiblichen Fruchtbarkeitsfiguren ein Pro-Life-Symbol erkennen wollen.“

Lesen Sie auch:

Die Bischöfe mahnte der Kardinal, sie sollten sich an das Beispiel des Apostels Paulus erinnern. Die Lykanonier hätten Paulus und Barnabas Opfer darbringen wollen, weil sie diese für die griechischen Götter Zeus und Hermes hielten. Paulus habe jedoch den Heiden geantwortet: "Wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen Nichtsen  zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel und die Erde geschaffen hat“.

DT/reg

Weitere Artikel
Kardinal Gerhard Müller analysiert den Synodalen Weg mit den Argumenten des Theologen Magnus Striet.
28.04.2022, 12  Uhr
Guido Horst
800 Theologen verurteilen die Haltung des Moskauer Patriarchats: Indem sie Putins Krieg unterstütze, höre die russisch-orthodoxe Kirche auf, "die Kirche des Evangeliums von Jesus Christus" zu ...
22.03.2022, 15  Uhr
Meldung
Kardinal Müller befürchtet in Lateinamerika einen Massenexodus aus der Kirche.
15.11.2019, 12  Uhr
Regina Einig
Themen & Autoren
Redaktion Bischöfe Christentum Gerhard Müller Jesus Christus Kardinäle Katholizismus

Kirche

Die Beförderung eines sexuell übergriffigen Priesters durch den DKB-Vorsitzenden zeigt wieder, dass es mit der auf dem Synodalen Weg hochgelobten Missbrauchsaufarbeitung nicht weit her ist.
27.05.2022, 11 Uhr
Dorothea Schmidt
Systemische Diskriminierung. Alleinstehende haben nach Ansicht der Podiumsteilnehmer über die Rolle von Singles in der Kirche keinen hohen Stellenwert in den Gemeinden.
26.05.2022, 20 Uhr
Meldung
Am letzten Tag im Mai wird Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom mit dem Rosenkranzgebet einem internationalen Fürbitte-Netzwerk vorstehen.
26.05.2022, 16 Uhr
Meldung