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Moraltheologe fordert Änderungen der katholischen Lehraussagen zur Sexualität

Wer gegen alle Anfragen der Erfahrung und Vernunft auf Verboten und Vorurteilen beharre, führe die Kirche "in ein intellektuelles und kulturelles Ghetto", so Stephan Goertz.
Sexualität
Foto: Christophe Gateau (dpa) | Ein junges Paar liegt im Bett. Ob sie verheiratet sind, ist nicht bekannt. (Symbolbild)

Neu ist sie nicht, die Forderung, die der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz an die Kirche richtet: Änderung der katholischen Lehraussagen zur Sexualität. Neu ist allenfalls die Schärfe ihrer Begründung: Andernfalls führe man die Kirche "in ein intellektuelles und kulturelles Ghetto", so Goertz in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die Kirche soll sich humanwissenschaftlichen Erkenntnissen öffnen

"Kirchliche Texte hinken im Bereich der Sexuallehre und generell des Geschlechterverhältnisses nicht selten erheblich hinter heutigen theologischen und humanwissenschaftlichen Erkenntnissen hinterher", kritisierte Goertz, der Zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Moraltheologie ist. Als positiv bewertete der Theologe, "dass einzelne Bischöfe die Probleme inzwischen offen benennen und das theologische Gespräch suchen".

Die Kirche soll gesellschaftliche Realitäten akzeptieren

Die Kirche müsse zudem akzeptieren, "dass über die Generationen und Milieus hinweg, zumindest hierzulande, diese Lebensbereiche nicht mehr ihrer moralischen Regie unterstehen". Für Goertz lautet die zentrale Frage an das kirchliche Lehramt, "ob zwei Menschen sich nicht auch jenseits der Ehe auf eine menschlich authentische, freie und respektvolle Weise lieben können, sodass ihre Sexualität als Ausdruck und Gestalt dieser Liebe eine sittliche Realität darstellt, die von der Kirche zu respektieren ist".

Hintergrund: Die katholische Sexualmoral

Die katholische Sexualmoral ist ein Teilgebiet der Morallehre, die auf den anthropologischen Grundannahmen des christlichen Menschenbilds basiert, das die Kirche schöpfungstheologisch und christologisch begründet sieht. Aus ihr folgt, dass die menschliche Sexualität ausschließlich in der sakramentalen Ehe als unauflösliche Verbindung zwischen Mann und Frau ihren Ausdruck finden darf, um – bei grundsätzlicher Offenheit für die Zeugung von Kindern – echte Lustempfindung zu ermöglichen und die Beziehung der Partner zu vertiefen.

DT/jobo/KNA

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

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