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„Leert die Flüchtlingslager in Libyen“

Ein starker Appell des Papstes, Flüchtlinge von den Menschenhändlern zu befreien.
Papst Franziskus und Flüchtlinge
Foto: Simon Kremer (dpa) | Wie können wir den verzweifelten Schrei so vieler Brüder und Schwestern überhören, die sich lieber dem Sturm auf dem Meer aussetzen, als langsam in libyschen Gefangenenlagern zu sterben?”, fragte Papst Franziskus.

Papst Franziskus hat die Flüchtlingslager in Libyen als „Orte der Folter und abscheulicher Sklaverei” bezeichnet und die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, diese Lager zu leeren. Franziskus war am Donnerstag in Rom mit 33 Migranten zusammengekommen, die der päpstliche Almosenmeister, Kardinal Konrad Krajewski, zusammen mit der Gemeinschaft Sant’Egidio vor zwei Wochen aus Griechenland nach Rom begleitet hatte.

Der Papst richtete einen besonders intensiven Appell an die Staaten: „Wie können wir den verzweifelten Schrei so vieler Brüder und Schwestern überhören, die sich lieber dem Sturm auf dem Meer aussetzen, als langsam in libyschen Gefangenenlagern zu sterben?”, fragte er. Und „wie können wir gleichgültig bleiben gegenüber dem Missbrauch und der Gewalt, deren Opfer sie ohne Schuld sind, und sie der Gnade skrupelloser Menschenhändler ausliefern? Wie können wir, ähnlich wie der Priester und der Levit im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, vorübergehen und uns mitschuldig an ihrem Tod machen? Unsere Trägheit ist eine Sünde!”

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Menschenhändler anprangern und verfolgen

Er danke dem Herrn für all jene, die „nicht gleichgültig bleiben und ihr Bestes tun”, um den bedrängten Menschen auf der Flucht zu helfen, „ohne zu viele Fragen darüber zu stellen, wie oder warum der arme Halbtote ihren Weg gekreuzt” habe, sagte Franziskus weiter. „Das Problem wird nicht dadurch gelöst, dass ihre Schiffe blockiert werden”, meinte er. Die letzte Regierung Italien hatte unter Innenminister Matteo Salvini mehrfach Flüchtlingsschiffen das Anlegen in italienischen Häfen verweigert. Inzwischen hat die Regierung beschlossen, dass sich Salvini, der inzwischen in der Opposition sitzt, für einen besonders krassen Fall vor Gericht verantworten muss. „Wir müssen uns ernsthaft für die Leerung der Gefangenenlager in Libyen einsetzen und alle möglichen Lösungen bewerten und umsetzen“, sagte Franziskus. Wir müssen die Menschenhändler, die die Migranten ausbeuten und misshandeln, anprangern und strafrechtlich verfolgen.”

Eine Rettungsweste am Kreuz

Franziskus ließ bei der Begegnung mit den Flüchtlingen ein Kreuz aufhängen, bei dem eine orangenfarbige Rettungsweste, die in Acryl eingegossen ist, den Platz des Corpus Christi einnimmt. Das Kreuz wurde im Anschluss an das Treffens in einem Korridor aufgehängt, der vom Belvedere-Hof des Apostolischen Palastes in die Büroräume der Römischen Kurie führt. „Ich habe mich dazu entschlossen, diese ,gekreuzigte’ Rettungsweste auf diesem Kruzifix anzubringen, damit wir uns daran erinnern, dass wir immer die Augen offen halten müssen, das Herz offen halten müssen“, sagte der Papst. Für Christen sei das Kreuz Symbol des Leidens und des Opfers, aber auch der Erlösung und des Heils, des Gerettetseins. Er wolle alle an die unauflösliche Verpflichtung erinnern, „jedes Menschenleben zu retten, eine moralische Pflicht, die Glaubende und Nichtglaubende vereint.”

DT/gho

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