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Kasper erneuert Kritik am Synodalen Weg

Es sei die „Ursünde“ des Synodalen Wegs, dass er die Evangelisierung nicht in den Vordergrund stelle, so der deutsche Kurienkardinal. Auch das Bischofsamt werde in seinem Wesen entkernt.
Kardinal Walter Kasper
Foto: Patrick Seeger (dpa) | Kasper warf in seinem Vortrag die Frage auf, ob der Synodale Weg die Kirche „in der Demokratie heimisch“ machen wolle oder umgekehrt die Demokratie in der Kirche.

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat sich erneut kritisch zum Synodalen Weg in Deutschland geäußert. Es sei die „Ursünde“ des Synodalen Wegs gewesen, „dass er die Einladung von Papst Franziskus, vom Grundauftrag der Evangelisierung auszugehen, beiseite gelegt und damit faktisch nachgeordnete Kriterien in den Vordergrund gerückt hat“, äußerte sich der 88-Jährige am Wochenende in einem Online-Vortrag vor dem „Arbeitskreis Christliche Anthropologie“, über den „CNA Deutsch“ berichtet.

Bischof als abwählbarer Vorsitzender eines Aufsichtsrats

Rein formal, so Kasper, habe der umstrittene innerkirchliche Reformprozess das Bischofsamt nicht aufgegeben, jedoch in seinem Wesen entkernt. „Aufs Ganze gesehen ist der Bischof nach dem synodalen Text nicht viel anderes als ein auf Zeit gewählter und jederzeit abwählbarer Vorsitzender eines Aufsichtsrats.“

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Kasper warf in seinem Vortrag auch die Frage auf, ob der Synodale Weg die Kirche „in der Demokratie heimisch“ machen wolle oder umgekehrt die Demokratie in der Kirche. Der Theologe befürchtet, dass es darum gehe, „eine Art demokratische Machtkontrolle in der Kirche“ einzurichten. 

Grundsätzlich, so Kasper, sei es ein berechtigtes Anliegen des Synodalen Wegs, die Verwirklichung der Wende fortzusetzen, da das Zweite Vatikanische Konzil vollzogen habe: von einer von Klerikern dominierten Kirche zu einer Kirche, die sich als Volk Gottes verstehe, von einer Betreuungskirche zu einer Beteiligungskirche aller. Jedoch habe sich diese Wende auch heute noch nicht voll durchgesetzt. 

Kirche kann von demokratischer Ordnung lernen

Gleichzeitig betonte Kasper, dass die Kirche auch von der demokratischen Ordnung lernen könne: „Sie muss das sogar, falls dies ihrer eigenen Ordnung dienlich ist“, so der emeritierte Kurienbischof. Die Kirche könne jedoch nur in dem Maß lernen, in dem es ihre eigene Wesensordnung erlaube. Die „Zeichen der Zeit“, die das Konzil in ihrer Bedeutung betonte, seien „keine neue Offenbarung, sondern erhalten vom Evangelium her ihre Deutung“, so Kardinal Kasper.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Kardinal Kasper in jüngerer Zeit kritisch zum Synodalen Weg zu Wort meldet. Im September sorgte ein Vortrag von ihm für Schlagzeilen, in dem Kasper sich unzufrieden mit dem Textvorschlag des Synodalforums zum Thema „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“ zeigte. Den Text bezeichnete Kasper als Versuch, „die Kirche mit Hilfe eines gelehrten theologischen Theoriegebäudes gewissermaßen neu zu erfinden“. Im offiziellen Textvorschlag, so Kasper, „steht viel Richtiges, aber auch viel Hypothetisches“. Am Ende aber würden sich viele fragen, „ob das alles noch ganz katholisch ist“.  DT/mlu

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