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George Weigel: „Traditionis custodes“ war unnötig und grausam

Dass vom traditionalistischen Milieu die Gefahr einer Parallelkirche ausgehe, sei ein falsches Narrativ, so der katholische Publizist George Weigel im Interview mit der „Tagespost“. 
George Weigel, US-Theologe
Foto: Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die Geschichte, so Weigel, würde dann über die Offenbarung urteilen, und es gebe keine beständigen Bezugspunkte mehr für das katholische Selbstverständnis. „Wir haben die Kontrolle, nicht Christus der Herr.“

Im Gespräch mit der „Tagespost“ wehrt sich der US-amerikanische Theologe und Publizist George Weigel gegen das Narrativ, dass im traditionalistischen Milieu die Gefahr einer Parallelkirche bestehe und besteht auf einen legitimen liturgischen Pluralismus. „,Traditionis custodes‘ war unnötig, grausam und sollte beim nächsten Pontifikat aufgehoben werden“, so Weigel.

Auch bei Umfragen zur Spaltung der Katholiken in der Frage des Lebensschutzes mahnt Weigel zur Vorsicht: „Ich glaube nicht, dass die Katholiken da prinzipiell so gespalten sind“. Es gebe aber eine „ernsthafte Meinungsverschiedenheit“ über den rechtlichen Schutz ungeborenen Lebens und der Euthanasie. „Katholische Politiker wie Präsident Biden (…) stehen wegen ihrer Pro-Choice-Politik nicht in voller Gemeinschaft mit der Kirche.“ Weigel fordert Seelsorger dazu auf, daraus die „notwendigen Schlussfolgerungen“ in Bezug auf das sakramentale Leben dieser Amtsträger zu ziehen. 

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Messbesuch Vorhersagevariable für Wahlverhalten

Laut dem US-amerikanischen Theologen und Publizisten George Weigel wählen praktizierende Katholiken „mit überwältigender Mehrheit“ die Republikaner. „Laxe“ Katholiken, also solche, die lediglich an Weihnachten und Ostern in die Kirche gingen, wählen, so Weigel, hingegen mehrheitlich demokratisch. „Die Häufigkeit des Messbesuchs ist eine gute Vorhersagevariable für das Wahlverhalten“, so der katholische Akademiker.

Wichtig sei es für die Republikaner, zu lernen, über das Thema Abtreibung zu sprechen. Sie müssten sich überlegen, welche Fortschritte zugunsten des Schutzes ungeborenen Lebens in verschiedenen Situationen vor Ort erzielt werden können: „Die Pro-Life-Bewegung als Ganzes muss immer daran arbeiten, die Kultur zu verändern, indem sie Frauen in einer Krisenschwangerschaft mitfühlende Alternativen zur Abtreibung bietet.“ DT/sdu 

Lesen Sie das ganze Interview mit George Weigels Ansichten zum Traditionalismus in den USA,  seinem Optimismus zur Neuevangelisierung und seinen Erwartungen an die junge katholischen Szene in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“. 

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